Mehr als Pommes und Parkplatz
: Was gehört zu einem Biergarten als Ausflugsziel dazu?

Ausflug Der „Rauschbart“ in Horb hat einen ausgezeichneten Biergarten. Deshalb fragten wir Wirt Michael Singer, was ein gutes Ausflugslokal ausmacht.
Von
Mario Beißwenger
Horb

Rauschbart-Wirt Michael Singer und sein Bonus-Kärtle.

Nicht gesetzt

Was macht einen Biergarten aus? Ein Kiesplatz unter Bäumen? Braucht es Aussicht? Müssen Pommes auf der Karte stehen?

„Es braucht ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Michael Singer, der Rauschbart-Wirt, dessen Biergarten überm Neckartal eine schöne Aussicht auf Horb bietet. Für ihn gehört eine Ausflugsgastronomie an einen tollen Ort. „Ein Biergarten kann sich durch viele Dinge auszeichnen. Es muss nur draußen sein. Das ist die Mindestvoraussetzung. Wir punkten durch unsere Lage in einem Naturschutzgebiet und unsere Aussicht.“

Pflege der Schattenspender

Und was ist mit den Bäumen? „Schatten ist extrem wichtig geworden. Es ist ein Glück, wenn man wie wir drei große Bäume haben. Wir kümmern uns gerade besonders um unsere Eiche. Die wollen wir so lange wie möglich erhalten.“ Dafür investiert der Rauschbart-Wirt auch. Die Hitzesommer machen dem Baum zu schaffen. Er engagierte einen Baumpfleger, der den Wurzelbereich belüftete und die Krone zurücknahm.

Bei Speisen und Getränken bietet Singer schon lange mehr als Wurstsalat, Radler und Pommes. Die Klassiker gibt es im Rauschbart. Aber nur die Klassiker, das funktioniere vielleicht noch am Neckartalradweg, wo die Leute vorbeikommen mit großem Hunger und Durst. „Aber von Stuttgart nach Horb holt man niemanden nur auf eine Rote Wurst. Mag sie auch noch so gut sein.“

V-Angebote sind extrem wichtig

Für Familien muss es auch ein Angebot für einen Kinderspielplatz geben. Für Singer ist „das ein riesen Vorteil. Dann hat man auch mal ein paar Minuten Ruhe am Tisch.“ Der Rauschbart hat einen eigenen Spielplatz, profitiert aber auch von seiner Lage ohne direkten Besucher-Verkehr. „Bei uns kann man die Kinder auch mal springen lassen.“

Die Gäste müssen aber trotz idyllischer Lage zum Biergarten kommen. Da sei es wichtig, sich über die Zielgruppe klar zu werden? Wer auf die Feierabend-Crowd ab 17 Uhr abzielt, der brauche einen Autoparkplatz direkt vor der Tür. „Sonntagnachmittag sieht das anders aus.“ Viele kommen dann mit dem Rad. In der Spitze waren es in Horb gezählte 150 Räder, bei Radständer für „nur“ 90 Räder. „Da müssen wir vielleicht nachlegen.“ E-Bike-Ladestationen sind auch da sowie Ersatzschläuche und ein Kompressor zum Aufpumpen.

Rikscha vom Parkplatz

Für Autofahrer hat der Rauschbart-Standort eigene Herausforderungen. Der Parkplatz ist nun noch weiter entfernt. Die Antwort von Singer für alle Mobilitätseingeschränkten: Er kaufte eine E-Rikscha, holt und bringt die Gäste auf Wunsch (Infos zur Rikscha unter rauschbart.de/teilhabe). Singer gibt sich gleich ein weiteres Stichwort: „Wo wir auch nachlegen müssen, ist die Barrierefreiheit.“ Das werde noch schwierig in einem älteren Bestandsgebäude.

Personal ist der Schlüssel

Entscheidend in der Gastronomie ist, was auf den Tisch kommt und dafür braucht es Personal. „Personal ist das Thema, das sich immer weiter zuspitzt. Wenn es nicht besser wird, müssen wir einschränken, bei Öffnungszeiten, beim Speise-Angebot.“ Dabei ist der Rauschbart gut aufgestellt. „Wir haben ein festes Team, so dass wir ab Tag Eins in der Saison vorbereitet sind.“ Dafür zahlt Singer Lohn übers ganze Jahr. Die Spitzenstunden im Sommer, gleichen sich über den Winter aus.

Bei Aushilfen zeigt sich der Rauschbart-Wirt maximal flexibel. „Wenn jemand kommt, der sagt, er will arbeiten, dann werde ich was finden.“ Seine Arbeitszeitmodelle reichen von zwei, drei Stunden am Tag bis zur Vollzeitstelle. Eine Altersgrenze kennt er nicht. „Meine älteste Mitarbeiterin ist 72. Die ist noch fit.“ An Spitzentage sind um die 15 Leute beim Rauschbart unterwegs - und haben wenigstens immer mal wieder kurz Zeit für den Ausblick.