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: Ganz knapp – Gegner gewinnen beim Bürgerentscheid, erreichen aber die Mehrheit nicht

Die Gegner haben die meisten Stimmen geholt, aber zu wenig, um das erforderliche Quorum zu erreichen. 3.915 Horber stimmten mit Nein, das sind 44 Stimmen zu wenig. Der Gemeinderat wird nun über Windkraft auf kommunalen Flächen entscheiden.
Von
Marike Schneck,
Moritz Hagemann,
Dagmar Stepper
Horb am Neckar
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Buergerentscheid Windkraft im Horber Stadtwald: Horb (Kreis Freudenstadt)  30.11.2025 
Buergerentscheid Windkraft im Horber Stadtwald; 
Auszaehlung der Wahlzettel im Wahllokal Grundschule in Horb 
FOTO: Pressefoto ULMER / Markus Ulmer xxNOxMODELxRELEASExx

Die Auszählung für den Horber Bürgerentscheid läuft auf Hochtouren.

Markus Ulmer
  • Bürgerentscheid in Horb: Abstimmung über Windräder auf sechs kommunalen Waldflächen.
  • Wahllokale schließen um 18 Uhr, Ergebnis bindend für drei Jahre bei 20 % Mindestbeteiligung.
  • Bürgerinitiative „Waldschutz statt Windkraft“ fordert Ablehnung, Gruppe „Horber Rückenwind“ unterstützt Ja-Stimmen.
  • Ursprünglicher Termin am 9. November verschoben, neuer Oberbürgermeister Michael Keßler im Amt.
  • Über 1400 Unterschriften aus Rexingen retteten das Bürgerbegehren, nachdem es zunächst gescheitert war.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

So geht's jetzt weiter

20.15 Uhr: Wird das Quorum nicht erreicht, entscheidet der Gemeinderat über die Angelegenheit, heißt es auf dem Beteiligungsportal des Landes Baden-Württemberg. Wer noch mehr nachlesen und tiefer einsteigen will, zum Beispiel, was es mit dem Quorum von 20 Prozent auf sich hat, wird hier fündig. Für all jene, denen kurze Fakten reichen: Der Horber Gemeinderat wird entscheiden, ob er kommunale Wälder für Windkraft zur Verfügung stellt. Interessant wird das zunächst vor allem für Grünmettstetten: Die Gemeinde Waldachtal ist bereits mit einem Projektierer im Gespräch und wird kommunale Fläche für Windkraft verpachten. Da die angedachte Fläche zwischen Tumlingen und Grünmettstetten liegt und auf Horber Gemarkung erweitert werden kann, könnte auch Horb hier von Einnahmen profitieren. In Grünmettstetten fiel das Votum übrigens recht eindeutig aus: 68,32 Prozent wünschen sich Windkraft auch auf kommunalen Waldflächen.

Der OB hätte sich ein eindeutigeres Ergebnis gewünscht

20.00 Uhr:  Als das Endergebnis feststeht, wirkt Oberbürgermeister Michael Keßler entspannt. Er hat sich ein Bier geöffnet und plaudert mit den Gästen im Wahlstudio im Horber Rathaus. „Diesen Wahlkrimi habe ich nicht erwartet“, sagt er. Nun kann der Horber Gemeinderat entscheiden, auch Keßler hat eine Stimme. Dennoch: Er, sagt er, hätte sich ein eindeutigeres Ergebnis gewünscht. Dass sich die Mehrheit gegen Windkraft in kommunalen Wäldern ausgesprochen hat, müsse der Rat bei seiner Entscheidung berücksichtigen.

„Keine Verlierer!“ Tränen statt Schampus in Rexingen

19.40 Uhr: 44 fehlende Stimmen, das ist hart! Dementsprechend ist die Laune in Rexingen. „Wir sind keine Verlierer“, sagt Vertrauensperson Birgit Sayer. „Wir haben gemacht, was wir machen konnten.“ Ihr Kollege Marcel Uhl sagt, er hätte nie gedacht, dass das Quorum ein Thema wird. „Das ist mehr als enttäuschend, völlig unabhängig vom Ergebnis.“ Er ärgert sich, dass die Bürgerinitiative nicht ausreichend Wählerinnen und Wähler mobilisieren konnte. Ortsvorsteher Mario Kamphoff bricht in Tränen aus: „Ihr habt eine Wahnsinnssache geleistet. Schade, dass es so ausgegangen ist.“ Kamphoff hofft aber, dass der Gemeinderat das Ergebnis bei seiner Entscheidung trotzdem mit einbezieht.

„Das ist eindeutig Demokratie!“

19.39 Uhr: Alt-OB Peter Rosenberger bringt's im Rathaus auf den Punkt: „Das ist eindeutig Demokratie!“ Wenn alle so gegen Windkraft gewesen wären, wie oftmals kolportiert, wäre das Quorum erreicht worden. „Ich denke, dass die stille Mehrheit für regenerative Energie ist.“ CDU-Stadtrat Götz Peter ist mit dem Ergebnis zufrieden, hätte sich aber ein klares Ja für Windkraft gewünscht. Wie es jetzt weitergehen soll, wird die CDU-Fraktion nächste Woche besprechen. In Rexingen, sagt Peter, habe man es versäumt, mehr Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren. „Jetzt entscheidet der Gemeinderat.  Hermann Walz, ein Gegner von Windkraft auf kommunalen Flächen, nimmt das Ergebnis unter lauter Befürwortern gelassen auf. „Um es kurz zu machen: Wahl gewonnen, Abstimmung verloren!“

Buergerentscheid Windkraft im Horber Stadtwald: Horb (Kreis Freudenstadt)  30.11.2025 
Buergerentscheid Windkraft im Horber Stadtwald; 
Windkraft - Gegner warten auf das Ergebnis in der Johanniterhalle in Rexingen, Sven Bach (lii) undLambert Straub (re, NABU)
FOTO: Pressefoto ULMER / Markus Ulmer xxNOxMODELxRELEASExx

Erst bangen, dann die Gewissheit: Die Gegner haben das Quorum nicht erreicht. Lange Gesichter in Rexingen bei Sven Bach (FD/FW-Stadtrat) und Lambert Straub (Nabu-Vorsitzender in Horb). Die Vertrauenspersonen Birgit Sayer und Marcel Uhl sind im Hintergrund hinter der Theke zu sehen.

Markus Ulmer

44 Stimmen fehlen – das Quorum wurde nicht erreicht

19.30 Uhr: Hurra, Betra ist da –und damit auch eine Entscheidung getroffen. Die Gegner von Windkraft auf kommunalen Waldflächen haben zwar mehr Stimmen geholt als die Befürworter, aber zu wenig, um das erforderliche Quorum von 20 Prozent zu erreichen. 3915 Horberinnen und Horber (52,17 Prozent) stimmten mit Nein. Das sind 44 zu wenig. Die Windkraft-Befürworter kamen auf 3589 Stimmen (47,83 Prozent). Das Verhältnis hatte sich früh abgezeichnet.

Im Rathaus ist man ratlos

19.25 Uhr: Gleich 19.30 Uhr und noch immer kein Lebenszeichen aus Betra. Was ist denn da los? Auch im Rathaus ist man ratlos. Gut Ding will Weile haben, sagt man. Nun gut, dann werfen wir halt solange einen Blick auf die anderen Stadtteile und die Kernstadt. Ein wenig scheint es eine Patt-Situation zu sein. Entweder man ist in einem Stadtteil ein wenig mehr für oder ein weniger mehr gegen Windkraft, aber immer ungefähr um die 50 Prozent. Ob das nur für kommunale Waldflächen gilt, sei dahingestellt, aber davon müssen wir bei diesem Bürgerentscheid natürlich ausgehen. Und doch gibt es einige Ausreißer (Rexingen mal ausgenommen): Rund um die Bildechinger Turn- und Festhalle konnten die Befürworter guten Boden machen. Hier stimmten 77,17 Prozent mit Ja. Nicht ganz so deutlich, aber doch eine klare Mehrheit für Ja auch in Dettensee: 59,60 Prozent. Dießen (73,68 Prozent) und Ihlingen (70,31 Prozent) machen's genau umgekehrt: Hier holten die Gegner die meisten Stimmen. Ebenfalls entschlossen gegen Windkraft auf kommunalen Waldflächen sind die Talheimer, die in der Steinachhalle wählen waren: 66,08 Prozent stimmten mit Nein.

17 ungültige Stimmen

19.00 Uhr: Solange wir in Horb noch auf Betra warten, ein kurzer Blick auf die kleinen Zahlen: 17 ungültige Stimmen. Was kann man bei zwei Feldern bitte falsch machen? Beide ankreuzen? Und warum sollte man das tun? Immerhin geht es hier um zwei konträre Positionen, die keine dritte zulassen. Oder doch? Und welche wäre das gewesen? Ja zur Windkraft auf kommunalen Flächen, aber bitte ohne den Großen Hau? Womöglich. Immerhin haben die 17 Wählerinnen und Wähler ihren Anteil von 0,32 Prozent an einer (nicht vergessen: ohne Betra!) Wahlbeteiligung von 38,14 Prozent. „Die Leute schreiben da noch irgendeine Botschaft drauf“, sagt Birgit Sayer. „Ich hab das alles als Ortsvorsteherin schon erlebt.“ Währenddessen zittern in der Johanniterhalle rund 25 Leute. Sie brauchen noch 170 Nein-Stimmen und hoffen jetzt, dass Betra die Unterstützung noch liefert. (Hinweis: Zunächst waren 23 ungültige Stimmen mitgeteilt worden, das Ergebnis wurde im Laufe des Abends auf 17 korrigiert - auch hier)

Betra fehlt!

18.50 Uhr: Die Hohenzollern wieder. Betra fehlt! Vermutlich hängt's am Netz, nicht an der Auszählung. Schließlich hat Betra nur 943 Einwohner – und entsprechend weniger Wahlberechtigte. Nun könnte man ja schnell über Isenburg raufflitzen und das Ergebnis abholen? Wo denken Sie hin. Die Gemeindeverbindungsstraße ist im Winter gesperrt! Stadtrat Thomas Bauer (BiM) zückt in der Johanniterhalle in Rexingen sein Handy und ruft Semme Schäfer, den Ortsvorsteher, an. Aber der geht nicht ran. Und nun?

Birgit Sayer und Marcel Uhl, beide Vertrauenspersonen des Bürgerentscheids und Initiatoren der BI "Waldschutz statt Windkraft", hinter der Theke im Vorraum der Rexinger Johanniterhalle. Sie freuen sich, dass die Gegner in der Mehrheit sind, bangen aber nun, ob sie auch das Quorum erreichen.

Birgit Sayer und Marcel Uhl, beide Vertrauenspersonen des Bürgerentscheids und Initiatoren der BI "Waldschutz statt Windkraft", hinter der Theke im Vorraum der Rexinger Johanniterhalle. Sie freuen sich, dass die Gegner in der Mehrheit sind, bangen aber nun, ob sie auch das Quorum erreichen.

Moritz Hagemann

„Gwonna hämmers!“

18.45 Uhr: Gwonna hämmers! “, sagt Marcel Uhl in der Johanniterhalle in Rexingen. Aber die Sorgen wachsen, dass die Stimmen trotzdem nicht für das Quorum reichen werden. 29 von 30 Ergebnissen sind ausgezählt: 3789 stimmten für Nein, das heißt den Windkraft-Gegner fehlen noch 170 Stimmen.

Mehr Gegner als Befürworter, aber reicht's für die 20 Prozent?

18.43 Uhr: Jetzt wird's ernst - 28 von 30 Ergebnissen sind ausgezählt. Und die Windkraft-Gegner (ja, natürlich nur auf kommunalen Waldflächen!) haben die Oberhand. Die Mehrheit wird ihnen wohl keiner mehr nehmen. 4 Prozent Vorsprung, das ist kaum aufzuholen. Jetzt geht es ums Quorum. 3606 Stimmen haben die Gegner. 3959 müssen sie holen. Ob das noch reicht?

In Rexingen hört man schon fast die Sektkorken knallen

18.39 Uhr: In Rexingen verliest Marcel Uhl hinter der Theke die Ergebnisse mit dem Handy in der Hand. „Ihlingen haben wir gewonnen“, sagt er. „Aber das sind halt nicht viele.“ Trotzdem: Die Stimmung ist hier siegessicher. Uhl: „Die Briefwähler entscheiden es.“ Sayer glaubt, dass viele Ältere per Brief abgestimmt und eher mit Nein abgestimmt haben. Im Horber Rathaus könnte man indes beinahe eine Stecknadel fallen hören, wäre da nicht Jutta Bischof, die immer wieder die neuen Ergebnisse vorliest.

Je später der Abend...

18.35 Uhr: Je später der Abend, desto schöner die Gäste, heißt es. Im Horber Rathaus gibt sich Alt-OB Peter Rosenberger die Ehre. Für nette Tendeleien ist aber keine Zeit. Die Ergebnisse kommen jetzt Schlag auf Schlag. 20 von 30 Bezirken sind ausgezählt. Es steht 52,63 Prozent für Nein gegen 47,37 Prozent für Ja. Wie aber schaut's mit dem Quorum aus? 2348 stimmten bisher für Nein, 2113 für Ja. Zur Erinnerung: 3959 Stimmen werden (entweder für Ja oder für Nein) benötigt, um das Quorum zu erfüllen.

Halbzeit – und die Tendenz geht zum Nein

18.30 Uhr: 18 von 30 Wahlbezirken sind ausgezählt, die Gegner haben sich einen Vorsprung erarbeitet: 52,25 Prozent sind gegen Windkraft auf kommunalen Waldflächen, 47,75 Prozent befürworten das. 3.916 Stimmen sind bisher abgegeben worden. „Spannend“, sagt der amtierende Oberbürgermeister Michael Keßler.

Rexingen: 87 Prozent stimmen mit Nein

19.25 Uhr: Rexingen hat abgestimmt. Wie zu erwarten überwiegen hier, am Rande des Großen Hau gelegen, die Windkraft-Gegner: 87 Prozent stimmten mit Nein, 13 Prozent mit Ja. Die Wahlbeteiligung aber lässt zu wünschen übrig: 33,48 Prozent. Das heißt: Nur 301 der 899 Wahlberechtigten haben überhaupt gestimmt. „Wenn Rexingen nicht 87 Prozent hat, wer dann?“, fragt Sayer. „Ich hätte mir sogar noch ein bisschen mehr erhofft.“ Sie verweist aber darauf, dass einige aus Rexingen auch per Briefwahl abgestimmt hätten.

Nein-Stimmen haben die 1000er-Marke geknackt

18.20 Uhr: 9 von 30 Ergebnissen sind da, und die Nein-Stimmen haben die 1000er-Marke geknackt. Aber die Befürworter von Windkraft auf kommunalen Waldflächen sind nicht weit abgeschlagen. Es bleibt spannend.

Tendenz: ganz klar wechselnd

18.19 Uhr: Inzwischen sind 4 von 30 Wahlbezirken ausgezählt, die Tendenz hat sich  gedreht – jetzt gibt es mehr Ja- als Nein-Stimmen. Zumindest noch. Zur Erinnerung: Ja ist für Windkraft auf kommunalen Waldflächen, Nein dagegen. Das scheint eine enge Kiste zu werden.

Zwei Lokale ausgezählt, Mehrheit bei Nein

18.15 Uhr: Na, wer sagt's denn. Die ersten Wahllokale sind da: In Dettlingen (283 Wahlberechtigte) haben 39,58 Prozent ihre Stimme abgegeben, davon 42,86 Prozent haben mit Ja, 57,14 Prozent mit Nein gestimmt. Im Horber Gymnasium wären 936 Wahlberechtigt gewesen, aber nur 22,33 Prozent kamen zur Abstimmung, davon stimmten 47,37 Prozent mit Ja, 52,63 Prozent mit Nein. Die Stimmung im Rathaus ist gedrückt. Aber ist das schon eine Tendenz?

Buergerentscheid Windkraft im Horber Stadtwald: Horb (Kreis Freudenstadt)  30.11.2025 
Buergerentscheid Windkraft im Horber Stadtwald; 
Oberbuergermeister Michael Kessler (Mitte) wartet im Wahlstudio im Rathaus auf das Ergebnis 
FOTO: Pressefoto ULMER / Markus Ulmer xxNOxMODELxRELEASExx

Oberbürgermeister Michael Kessler (Mitte) wartet im Wahlstudio im Rathaus auf das Ergebnis. Rund 15 Interessierte verfolgen mit ihm die Auszählung.

Markus Ulmer

Nusszopf vor den Zahlenspielen

18.10 Uhr: Vesperzeit im Horber Rathaus. Stefan Merkle hat einen Nusszopf mitgebracht. Den lassen sich die Interessierten im Wahlstudio schmecken. 15 Leute sind hier inzwischen eingetrudelt, aber immer noch keine Meldungen aus den Wahllokalen. Bei Wahlen mit hoher Wahlbeteiligung ist man gern Erster: Aber heute? Da liefern wohl die die ersten Zahlen, die am wenigsten Abstimmer im Wahllokal hatten...

Quorum? „Da mache ich mir keine Sorgen!“

18.05 Uhr: Im Foyer der Rexinger Johanniterhalle sind inzwischen die Vertrauenspersonen Birgit Sayer und Marcel Uhl, aber auch Lambert Straub vom Horber Nabu eingetroffen. Sie hoffen, dass die Mehrheit für Nein abstimmt. „Ich glaube, wir schaffen es“, sagt Sayer. Uhl will keine Prognose wagen – außer, dass das erforderliche Quorum keine Hürde darstellt: „Da mache ich mir keine Sorgen.“

Buergerentscheid Windkraft im Horber Stadtwald: Horb (Kreis Freudenstadt)  30.11.2025 
Buergerentscheid Windkraft im Horber Stadtwald; 
Auszaehlung der Wahlzettel im Wahllokal Grundschule in Horb 
FOTO: Pressefoto ULMER / Markus Ulmer xxNOxMODELxRELEASExx

In der Grundschule wird die Urne mit den Stimmzetteln ausgeleert.

Markus Ulmer

Jetzt wird ausgezählt

18 Uhr: Rien ne va plus, nichts geht mehr. Die Wahllokale sind geschlossen, jetzt zählt jede Stimme. Oben im Rathaus gibt OB Michael Keßler noch ein paar Details preis: 2578 Wahlberechtigte haben Briefwahl beantragt. 3959 Stimmen werden benötigt, um das Quorum zu erfüllen. Zur Erinnerung: Mindestens 20 Prozent aller Wahlberechtigten müssen entweder dafür oder dagegen sein, damit der Bürgerentscheid zählt.

Merkle und Walz sind bei OB Keßler im Rathaus

17.58 Uhr: Oben auf dem Marktplatz im Horber Rathaus begrüßt Oberbürgermeister Michael Keßler die Interessierten. Hier hat die Stadt wieder ein Wahlstudio eingerichtet. Auf mögliche Spekulationen über den Ausgang des Bürgerentscheids lässt er sich, ganz Staatsmann, nicht ein. „In einer halben Stunde sind wir schlauer!“ Nach und nach trudeln mehr Interessierte ein, unter ihnen Stefan Merkle und Hermann Walz –Merkle hat die Initiative „Horber Rückenwind“ mit auf die Beine gestellt, die Windkraft auf kommunalen Waldflächen befürwortet, Walz hat federführend Unterschriften für das Bürgerbegehren dagegen gesammelt.

Die Wahllokale schließen um 18 Uhr

17.50 Uhr: Die Spannung steigt. Um 18 Uhr schließen die Wahllokale, dann wird ausgezählt. Wie die Wahlbeteiligung ist, bleibt abzuwarten. In der Johanniterhalle in Rexingen ist es noch verdächtig ruhig, nach und nach dürfte sich der Vorraum aber füllen, in den die Bürgerinitiative „Waldschutz statt Windkraft“ Unterstützerinnen und Unterstützer eingeladen hat. Hier wollen sie gemeinsam die Auszählung verfolgen. Im Horber Rathaus auf dem Marktplatz unterdessen ist das offizielle Wahlstudio eingerichtet.

20 Prozent müssen dafür oder dagegen sein

17.13 Uhr: Wie viele Stimmen werden eigentlich benötigt, damit der Bürgerentscheid gültig ist? Rund 4000 Menschen – also 20 Prozent – müssen für die Mehrheit stimmen. Es müssen also mindestens 20 Prozent der Stimmberechtigten hinter der getroffenen Entscheidung stehen.

Entscheidung auch darüber, ob die Stadt mitverdient

16.32 Uhr: Welche Auswirkungen hätte heute welches Ergebnis? Eine Nein-Mehrheit würde bedeuten, dass während der kommenden drei Jahre keine kommunalen Waldflächen für Windräder zur Verfügung gestellt werden dürfen. Sehr wohl könnten aber Projektierer mit Privatleuten über deren Flächen verhandeln. Bei einer Ja-Mehrheit hätte die Stadt das Heft des Handels in der Hand – und irgendwann die Pacht-Einnahmen in der Kasse. OB Keßler kündigte bereits an, dass der Gemeinderat dann über jedes einzelne Windrad entscheiden werde.

Horb - Altheim 26.11.2025 Infoveranstaltung der Windkraft - Gegner vor dem Buergerentscheid am 30.11.2025 in Horb.: Horb - Altheim 26.11.2025 
Infoveranstaltung der Windkraft - Gegner vor dem Buergerentscheid am 30.11.2025 in Horb.
Plakat in der Turnhalle Altheim fuer Waldschutz statt Windkraft
FOTO: Pressefoto ULMER / Markus Ulmer xxNOxMODELxRELEASExx

Die Bürgerinitiative „Waldschutz statt Windkraft“ hat den Bürgerentscheid in Horb initiert. Ihre Plakate musste sie nachträglich verbessern: Aus „Nein zur Windkraft im Wald“ wurde „Nein zur Windkraft im kommunalen Wald“. Dann darum geht es.

Markus Ulmer

Walz: „Hoffe mir, dass wieder Ruhe und Frieden einkehrt“

16.16 Uhr: Sowohl die Bürgerinitiative „Waldschutz statt Windkraft“ als auch die Bewegung „Horber Rückenwind“ haben am heutigen Sonntag nochmal in den sozialen Medien für ihre Meinungen geworben. Auffällig: Auf der Rückenwind-Seite hat sich Hermann Walz, Initiator des Bürgerentscheids, geäußert. Er schrieb dort: „Ich erhoffe mir, dass nach dem Bekanntgeben des Ergebnisses heute Abend wieder Ruhe und Frieden einkehrt, unabhängig wie das Ergebnis aussieht.“

Noch keine Verträge abgeschlossen

16.07 Uhr: Dass heute in Horb ein Bürgerentscheid möglich ist, liegt an dem Fakt, dass die Stadt Horb noch keine Verträge mit einem Projektierer abgeschlossen hat. Danach ist ein Bürgerentscheid rechtlich nicht mehr möglich, wie das Karlsruher Verwaltungsgericht in diesem Jahr anhand zweier Beispiele aus dem Kreis Calw entschieden hat. In Horbs Nachbarkommune Waldachtal hatten zwei Bürger ebenfalls ein Bürgerbegehren angeregt, dem Bürgermeisterin Annick Grassi aber aus demselben Grund direkt den Garaus machte. Dort sind die Windkraft-Pläne weit vorangeschrittenwie übrigens auch in Dornstetten.

Wahlstudio im Rathaus

14.58 Uhr: Alle, die heute Abend vor Ort dabei sein wollen, können ab 17.45 Uhr ins Horber Rathaus gehen. Dort richtet die Stadtverwaltung ein Wahlstudio ein. Oberbürgermeister Keßler wird dort sein und noch einige weitere bekannte Gesichter aus der Stadtpolitik. Wer die Entscheidung im warmen Wohnzimmer verfolgen will, ist dagegen auf unserem Live-Blog genau richtig. Hier gibt es am Abend die Ergebnisse aus den Orten und Stimmen.

Schon über ein Dutzend dieser Entscheide in 2025

14 Uhr: Die Wahllokale schließen am heutigen Abend um 18 Uhr. Mit dem heutigen Tag gesellt sich Horb in eine Reihe mit vielen Städten und Kommunen – darunter das nahe Sulz (Kreis Rottweil): In Baden-Württemberg gab es im Jahr 2025 bereits mehr als ein Dutzend Bürgerentscheide über Windräder. Ein eindeutiges Stimmungsbild zeichnet sich dabei nicht ab. Eine Übersicht.

Horbs Oberbürgermeister Michael Keßler hat seine Stimme am Montagmorgen bereits abgegeben.

Horbs Oberbürgermeister Michael Keßler hat seine Stimme am Sonntagmorgen bereits abgegeben.

Marike Schneck

OB Michael Keßler hat abgestimmt

13.55 Uhr: Horbs Oberbürgermeister Michael Keßler war am Vormittag bereits im heimischen Wahllokal im Ahldorfer Rathaus zur Abstimmung. Die Stimmung war gut, Sorgen mochte sich Keßler am Morgen keine machen. „Jetzt liegt es in der Hand der Bürgerinnen und Bürger.“ Keßler hofft, dass möglichst viele Horberinnen und Horber heute zur Abstimmung gehen – auch jene, die nicht in einem der Stadtteile wohnen, die direkt an eine der möglichen Vorrangflächen grenzen. „Die meisten, mit denen ich gesprochen habe, sind für Windkraft auch auf kommunalen Waldflächen“, sagt Keßler. Aber ob das repräsentativ ist? „Eine Prognose würde ich nicht abgeben wollen.“

Viele Briefwähler

13.54 Uhr: In Ahldorf war der Zulauf am Morgen nach Auskunft von Ortsvorsteher Hartmut Göttler verhaltener als bei zurückliegenden Wahlen. Dafür, warf Horbs Oberbürgermeister Michael Keßler ein, hätten mehr als 2500 Bürgerinnen und Bürger im Vorfeld bereits Briefwahl beantragt, ähnlich viele wie bei der OB-Wahl im Juli. Vergangene Woche seien bereits 1800 Abstimmungszettel bei der Stadt eingegangen. Keßler: „Ich denke, das Quorum wird erreicht.“

Warteten im Ahldorfer Rathaus auf Wählerinnen und Wähler: Nicole Müller, Alexander Denk und Ortsvorsteher Hartmut Göttler. Elf hatten gegen 9.30 Uhr erst abgestimmt. "Sonst sind es mehr um die Uhrzeit", sagt Göttler.

Warteten im Ahldorfer Rathaus auf Wählerinnen und Wähler: Nicole Müller, Alexander Denk und Ortsvorsteher Hartmut Göttler. Elf hatten gegen 9.30 Uhr erst abgestimmt. "Sonst sind es mehr um die Uhrzeit", sagt Göttler.

Marike Schneck

Entscheidung am 30. statt 9. November

13.49 Uhr: Eigentlich sollte der Horber Bürgerentscheid bereits am 9. November stattfinden. Dieses Datum wurde aber einvernehmlich gekippt, da der neue Oberbürgermeister Michael Keßler (CDU) erst am 3. November seinen ersten Arbeitstag im Rathaus hatte. So kam es zum heutigen 30. November. Der Ahldorfer Keßler hat gegenüber der SÜDWEST PRESSE bereits angekündigt, die Ortschaften, die Windräder bekommen könnten, an den Erlösen beteiligen zu wollen.

Einige Informationsveranstaltungen gab es

13.41 Uhr: Damit die Bürger bestens vorbereitet sind, hat die Stadtverwaltung gemeinsam mit der FVA und dem Forum Energiedialog eine Infoveranstaltung in der Hohenberghalle angeboten. Dort kamen etwa 350 Personen. Wirbel gab's es danach: FVA-Direktor Prof. Ulrich Schraml fühlte sich im Flyer der BI „Waldschutz statt Windkraft“ falsch wiedergegeben. So entstünde der Eindruck, er sei für ein Nein beim Bürgerentscheid, bemängelte er. Neben dieser Infoveranstaltung hielt die Verwaltung noch Dialoge in vier Ortschaften ab. Die BI untermauerte bei einer öffentlichen Veranstaltung in Altheim am vergangenen Mittwoch nochmals ihre Position.

Um diese Flächen geht es

13.34 Uhr: Ganz konkret entscheiden die Bürgerinnen und Bürger heute über sechs Flächen. Bei einer Mehrheit an Ja-Stimmen könnte der Gemeinderat dann über Windräder in diesen Gebieten entscheiden. Es handelt sich um Gebiete nördlich von Talheim, westlich von Grünmettstetten, südöstlich von Betra und zwei Flächen rund um das Industriegebiet Heiligenfeld. Dazu kommt das Vorranggebiet „WF14“, das westlich von Rexingen liegt, und daher das Waldjuwel „Großer Hau“ beinhaltet. Letzteres ist der Grund, weshalb sich speziell aus Rexingen so viele Unterschriften für das Bürgerbegehren gefunden haben. Was beim Bürgerentscheid nicht entschieden wird: Auf Waldflächen, die in Privatbesitz sind, könnten trotzdem Windräder gebaut werden – dann aber ohne Einkünfte für die Kommune.

„Horber Rückenwind“ kämpft für Ja-Stimmen

13.26 Uhr: Neben der Bürgerinitiative, deren Bestreben der Windrad-Ablehnung auf kommunalen Waldflächen auch vom Horber Naturschutzbund unterstützt wird, gibt es auch die Gegenseite: die Gruppe „Horber Rückenwind“. In dieser haben sich beispielsweise die Stadträte Anton Ade (FD/FW) und Thomas Mattes (SPD) sowie der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Stefan Merkle klar positioniert. Auch die langjährige Stadträtin Kristina Sauter (OGL) unterstützt die „Rückenwind“-Bewegung.

Bürgerbegehren galt bereits als gescheitert

13.16 Uhr: Eigentlich war das Bürgerbegehren schon gescheitert. Stadtrat Hermann Walz (ULH) hatte nicht die erforderlichen 1400 Unterschriften zusammenbekommen. Doch in der Sitzung des Gemeinderats am 24. Juni wurde die überraschende Wende publik: Eine Bürgergruppe aus Rexingen, allen voran die ehemalige Ortsvorsteherin Birgit Sayer und Marcel Uhl, hatte mehr als 1400 zusätzliche Unterschriften gesammelt – was mit den über 900 von Walz eingeholten nun reichte. Die drei genannten Personen fungieren als sogenannte Vertrauenspersonen des Bürgerentscheids und stehen hinter der Bürgerinitiative „Waldschutz statt Windkraft“.

So lautet die entscheidende Frage

13 Uhr: Herzlich willkommen auf unserem Live-Blog zum heutigen Bürgerentscheid in Horb. Rund 20.000 stimmberechtigte Bürgerinnen und Bürger entscheiden über die Frage: „Sollen Waldflächen, die sich im Eigentum der Stadt Horb am Neckar befinden, für die Nutzung durch Windkraftanlagen zur Verfügung gestellt werden?“ Diese Frage gilt heute als beantwortet, wenn mindestens 20 Prozent der Stimmberechtigten eine einfache Mehrheit erreichen. Der Bürgerentscheid ist dann für drei Jahre bindend.