In eigener Sache
: Trauer um Verleger Alexander Frate

Alexander Frate, Geschäftsführer der NECKAR-CHRONIK in Horb, ist am Montag im Alter von 66 Jahren überraschend gestorben.
Von
unserer Redaktion
Horb am Neckar
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(ohne Überschrift): Vorsicht: Dieses Foto ist möglicherweise nur für den einstigen Verlag Schwäbisches Tagblatt verwendbar. Elisabeth und Alexander Frate im Interview im Tagblatt 12 23. Bild: Carolin Albers

Wurde leider nur 66 Jahre alt: Alexander Frate.

Carolin Albers
  • Geschäftsführer und Verleger Alexander Frate starb am Montag überraschend mit 66 Jahren.
  • Er führte die NECKAR-CHRONIK in Horb seit 1986, zunächst als Geschäftsführer, Vertrieb und Anzeigen.
  • Frate galt als nahbar, gelassen und teamorientiert – er schätzte Zusteller und Kollegschaft.
  • Nach Verkauf an die Neue Pressegesellschaft 2023: Rückkauf der NECKAR-CHRONIK zum 1. Juli 2025.
  • Er lebte in Tübingen, war gebürtiger Österreicher und prägte die Zeitung über Jahrzehnte.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wenn Alexander Frate mal wieder auf Heimaturlaub in Kärnten war, dann las er gerne die dortige Lokalzeitung. Und schimpfte, wenn er aus Velden am Wörthersee wieder zurück war: „Da kommt auf jeder Seite der Bürgermeister.“ Das solle seine Redaktion bloß nicht auch so machen. Aber solche Sätze waren selten bei ihm. Denn Frate war keiner, der den Leuten das Tagesgeschäft von oben herab diktierte.

Er führte auf Augenhöhe, mit erstaunlicher Gelassenheit, suchte gerne den österreichischen Kompromiss, wie er zu sagen pflegte. Also immer eine Lösung, mit der er, aber auch die Belegschaft zufrieden war. Um einen Witz, einen guten Spruch nie verlegen, so war er, der Mensch, bei dem der Satz „Ein Mann, ein Wort“ nicht nur einfach dahergesagt wurde, sondern in den Prinzipien verankert war. Ehrlich, geradeaus und verbindlich.

Alexander Frate wurde im Oktober 1959 in Villach geboren. Schon als kleiner Junge kam er regelmäßig nach Tübingen, um seine Schwester zu besuchen (siehe Infobox). Die Vorläufer einer echten Ära. Denn bis zum Verkauf des Schwäbischen Tagblatts an die Neue Pressegesellschaft (NPG) zum Jahresende 2023 waren er und seine Frau das Gesicht und Herz des Tübinger Verlages, zu dem auch die NECKAR-CHRONIK gehörte: Elisabeth Frate (80), Verlagserbin und Verlegerin, und Alexander Frate, geschäftsführender Part der Verlegerfamilie.

1986 stieg Alexander Frate in die Chefetage auf und war zunächst für die NECKAR-CHRONIK in Horb zuständig. Frate startete dort als Geschäftsführer, Vertriebsleiter und Anzeigenleiter in Personalunion. Vor allem in Horb zog Frate als junger engagierter Mitarbeiter mit vollem Einsatz, aber auch Humor und einem ordentlichen Schuss sympathischer Entspanntheit ins Berufsleben.

Beim Stammtisch im „Schiff“

Regelmäßig saß er da mittwochs mit am Stammtisch im „Schiff“ auf dem Horber Marktplatz. „Er war nie derjenige, der das Wort geführt hat, aber er hat immer sehr genau zugehört“, erinnert sich Horbs City-Manager Thomas Kreidler. „An Stammtischen wird auch viel Blödsinn erzählt, aber du hast nie sagen müssen, dass das unter uns bleibt.“

Frate, sagt Kreidler, war „einer vom alten Schlag, sehr eloquent“. Und einer, der anfangs sehr viel in Horb unterwegs war, weil es schon damals zwei Tageszeitungen gegeben hat. „Da haben sich beide Zeitungen hochgeschaukelt“, erinnert sich Kreidler. „Das hat dem Journalismus viel gebracht.“ Heute sei der Wettbewerb weniger sachlich, sondern eher von der Schnelligkeit geprägt.

175 Jahre Horber Neckar Chronik, Grillen auf dem Horber Wochenmarkt : Horb (Kreis Freudenstadt)  19.12.2025
175 Jahre Horber Neckar Chronik, Verleger Alexander Frate im Gespraech auf dem Horber Wochenmarkt in der Schillerstrasse. 
FOTO: Pressefoto ULMER / Markus Ulmer xxNOxMODELxRELEASExx

Im Dezember 2025 organisierte die NECKAR-CHRONIK auf dem Horber Wochenmarkt eine Aktion zum 175-jährigen Bestehen. Alexander Frate war natürlich dabei.

Markus Ulmer

Diesen Wettbewerb hat auch der langjährige NECKAR-CHRONIK-Fotograf Karl-Heinz „Charly“ Kuball mitgeprägt. „Für mich waren die Frates die Zeitung, nicht Ulm oder sonst jemand“, sagt er. Kuball erinnert sich, dass Frate ihn an seinem letzten Arbeitstag abends anrief. Der Verleger wollte ihn unbedingt in Rottenburg noch zum Essen einladen. Kuball und seine Frau lagen da schon auf dem Sofa, der Enkel war zu Gast. „Er hat gesagt: ‚Bring ihn einfach mit!'“ So wurde es noch eine dieser geselligen Runden, die Frate gerne hatte, die für den Genussmenschen einfach dazugehörten. „Es war echt toll mit ihm, er war unheimlich nah an seinen Leuten und hat sich immer alles angehört“, sagt Kuball. „Für mich war er nicht der Chef, sondern eher ein Kumpel.“

„Er sah das Team als sein Team“

Martin Mayer, von 2001 bis 2012 Chef vom Dienst beim Tagblatt, und Alexander Frate arbeiteten bereits Mitte der 80er-Jahre in Horb zusammen. Das Horber Team war dem Geschäftsführer extrem wichtig. „Er sah das Team als sein Team.“ Frates Mannschaft versuchte, der Konkurrenz „mit begrenzten Mitteln und Stellen“ standzuhalten. Erfolgreich. Unter seiner Ägide wurde ausgebaut – bis Anfang der 90er-Jahre die Geschäftszahlen einbrachen. „Er wäre gerne in Horb weitergekommen“, sagt Mayer. Die Geschäftsstellen in Sulz und Freudenstadt wurden geschlossen, Personal abgebaut, „das hat ihn geschmerzt“.

In Horb hielten ihm die Redaktionsleiter Mike Zerhusen und Winfried Gaus den Rücken frei. Ein „wunderbares, eingeschworenes Team – vom Zusteller bis zum Redaktionsleiter“ habe er in Horb kennengelernt und später auch führen dürfen, schwärmte Frate noch, als er 2025 nach dem Verkauf der Medienholding Süd (unter anderem Stuttgarter Zeitung, Stuttgarter Nachrichten und Schwarzwälder Bote) an die Neue Pressegesellschaft wieder Verleger der NECKAR-CHRONIK wurde. Und er wollte es mit seinem Baby wieder genauso wie in den 80er-Jahren machen: die Print-Auflage steigern, die Leute von damals wieder ins Boot holen.

Von links: Alexander Frate, Elisabeth Frate und Christoph Müller im Jahr 1992.

Von links: Alexander Frate, Elisabeth Frate und Christoph Müller im Jahr 1992. Müller verkaufte seine Anteile am Tagblatt schon 2004 nach Ulm, Familie Frate zog 2023 nach.

Ulrich Metz

Rat suchte er zum Beispiel gerne bei Egon Ruf, der im Außendienst in Horb begann, jahrzehntelang sein Vertriebsleiter war und zum Freund wurde. „Seine Wertschätzung gegenüber den Zustellern war immer sehr hoch. Ihre Arbeit hat er immer gewürdigt“, sagt Ruf. Bei jeder Weihnachtsfeier, bei jedem Grillfest sei Frate anwesend gewesen. „Und er hat auch oft selbst Hand angelegt, wenn Not am Mann war.“ Frate sei immer sehr hilfsbereit und für neue Ideen aufgeschlossen gewesen. „Hektik gab es bei ihm eigentlich nie.“ Und schlechte Laune auch nicht.

Herzlich und gastfreundlich

Wenn dem Verleger einer erzählte, dass heute online angesagt und die gedruckte Ausgabe ein Auslaufmodell sei, dann entgegnete Frate, das hätten sie schon vor 20 Jahren behauptet. Aber ein Team, das zusammen anpackt und sich nach getaner Arbeit zu einem Glas Wein zusammensetzt, das passte in die Welt des Kärntners. Alexander Frate lebte, was man den Menschen im südlichen Bundesland Österreichs zuschreibt. Sie gelten als besonders herzlich und gastfreundlich. Und man sagt ihnen eine lockere, entspannte Lebensart nach, die Arbeit und Freizeit verbindet.

Ins eher konservative Horb, von dem er gerne schwärmte, über dessen Verschlafenheit er sich aber auch manchmal wunderte, wenn er im 7er-BMW von Nordstetten herunterkam, passte Frate. Er, der Autoliebhaber, konnte sich köstlich darüber echauffieren, wenn einer seiner Leute statt „Auto“ einfach „Karre“ in die Zeitung schrieb. Das wertete er fast schon als Majestätsbeleidigung. Oder wenn im Autohaus seines Vertrauens nur eine KI-Stimme am Hörer war, was alsbald die halbe Redaktion wusste.

Am Montagabend ist der Mann, der die NECKAR-CHRONIK geprägt hat, mit nur 66 Jahren überraschend gestorben. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Horb, Tübingen, Rottenburg und Mössingen sowie die Neue Pressegesellschaft trauern mit Ehefrau Elisabeth Frate, mit den Kindern und Enkelkindern.

Verantwortlich von 1986 bis 2023 – und dann nochmal

Alexander Frate hatte die NECKAR-CHRONIK in Horb zum 1. Juli 2025 von der Neuen Pressegesellschaft Ulm zurückgekauft und eine eigene GmbH gegründet. Zuvor war Frate von 1986 bis 2023 für die Schwäbisches Tagblatt GmbH in Tübingen, zu der auch die NECKAR-CHRONIK gehörte, verantwortlich. Der gebürtige Österreicher weilte seit 1963 regelmäßig in Tübingen, um dort seine Schwester zu besuchen. In den Tagblatt-Verlag kam Frate erstmals als Schüler 1974, als er in den Ferien über sechs Wochen hineinschnupperte. Nach seiner Ausbildung beim Zollern-Alb-Kurier in Balingen und Stationen in Göppingen und Ulm trat er schließlich am 1. April 1984 als Angestellter in den Tagblatt-Verlag ein. Mit seiner Frau, der jahrzehntelangen Tagblatt-Verlegerin Elisabeth Frate (80), lebte er in Tübingen.