Horb
: Statt Waren Gastronomie und Dienstleistungen

Wa nn sind Sie zuletzt durch Horb gebummelt? Ich meine nicht, zielstrebig Bäcker, Blumenladen oder Drogerie angesteuert und rein in den Laden. Sondern ohne Zeitdruck und in Kauflaune durchs Städtle flaniert. Denn in diesem Modus rücken die Leerstände und die neuen Geschäfte erst richtig ins Bewusstsein. In der Hirschgasse ist jetzt ein griechischer Imbiss. Der Ergenzinger ist immer noch eine leere Schaufensterhülle. Schon wieder ein neues Versicherungsbüro in der Kernstadt. Den Angelladen gibt es nicht mehr.
Von
Dagmar Stepper
Horb

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Nicht gesetzt

Leerstände gehören zu Horb. Das lässt sich nicht wegschauen. Klar, es gibt einige traditionelle Geschäfte, die schon immer zu Horb gehörten. Und auch nicht wegzudenken sind. Dafür dreht sich bei anderen das Pächter-Karussell. Die Stadt will dennoch nicht von Notstand reden. Sondern spricht von Verbesserung gegenüber der Vergangenheit. „Blickt man zurück, haben wir faktisch weniger Leerstände als in der Vergangenheit“, schreibt Stadtsprecher Christian Volk auf unsere Anfrage hin. Allerdings lässt sich ein Trend feststellen: Wo früher Waren verkauft wurden, dominieren inzwischen Versicherungen und Imbisse. Im Café Kipp ist Taxi-Meyer eingezogen. In der Neckarstraße 46 wurden mal Bücher verkauft, jetzt wird es zum Showroom für Rollladen und Fenster.

Natürlich gibt es nichts daran auszusetzen. Eine Taxizentrale ist besser als jeder Leerstand. Aber es zeigt einen Trend, der laut Stadtverwaltung bundesweit zu beobachten ist: Ehemalige Handelsflächen werden durch Dienstleistung und Gastronomie ersetzt. Es bleibt aber die Frage, ob dadurch Kunden nach Horb gelockt werden. Ich meine: Nein. Wer kommt aus Nagold oder Sulz schon nach Horb, um eine Versicherung abzuschließen oder einen Döner zu essen? Die Stadt widerspricht: „Auch Dienstleistung und Gastronomie erzeugen sehr wohl Kundenströme und Publikumsfrequenz in der Stadt“, schreibt Volk. Das lassen wir mal so dahingestellt. Denn wichtiger scheint, wohin Horb als Einkaufsstadt in der Zukunft steuern will: Und hier sagt selbst die Stadt, dass sich der Trend fortsetzten wird. Denn in der Kernstadt herrschen die kleinen Flächen vor und diese sind heutzutage beim Handel nicht mehr gefragt. Dienstleister und Gastronomen finden sie dafür attraktiv. Doch wie lässt sich der Gordische Knoten lösen? Dazu Stadtsprecher Christian Volk: „Entgegensteuern kann man hier nur durch die Schaffung von großflächigen Handelsflächen in der Innenstadt durch die Zusammenlegung von Erdgeschossflächen über mehrere Gebäude hinweg.“ Doch gerade das ist es, was die Stadt seit vielen Jahren versucht und immer wieder an den Eigentümern scheitert. Der große Wurf will einfach nicht gelingen.

Wenn Sie nächstes Mal wieder in der Stadt sind, dann gehen Sie mit offenen Augen durch sie hindurch. Stellen Sie sich vor, wie Horb in fünf Jahren aussieht. Wer sich gehalten hat, wer verschwunden ist. Wer statt dem Drogeriemarkt Müller jetzt seine Waren anbietet, nachdem Müller ins Einkaufszentrum umgezogen ist. Hat sich im ehemaligen Reno endlich etwas angesiedelt? Ist der Ergenzinger kein Leerstand mehr? Es liegt mit an uns. Ohne Kunden keine Einkaufsstadt. Doch ohne Geschäfte auch keine Kunden. Eine einfache Wahrheit. Der Stadt sollte das zu denken geben…