Horb · Ärztemangel: Leerstand hält weiter an

Verwaist ist der Eingangsbereich des Medizinischen Versorgungszentrums. Patienten kommen kaum noch her, seitdem am 1. Januar die Hausarztpraxis schloss und bald darauf die Gynäkologie.
Dagmar StepperS tille herrscht vor dem Eingang des Spitalhofs. Die Stühle des Cafés sind leer, die Rezeption ist unbesetzt. Der Lavendel hat seine Hochblüte hinter sich, im Brunnen fließt kein Wasser. Wie aus der Zeit versetzt wirkt die Szenerie. Kein Zeichen deutet darauf hin, dass hier das medizinische Herz von Horb schlägt. Keine schrillenden Sirenen, keine wartenden Patienten, kein Arzt, der mit wehendem Kittel durch die Gänge hetzt. Das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) im ehemaligen Spital scheint verwaist. Aber wer soll auch hierher strömen? Das medizinische Angebot ist inzwischen so ausgedünnt, dass sich kaum mehr Patienten hierher verirren. Nach der Schließung des Horber Krankenhauses vor acht Jahren wurde das MVZ eingerichtet, um die medizinische Grundversorgung der Horber zu sichern. Doch inzwischen sind nicht mal mehr ein Allgemeinmediziner und eine Gynäkologin dort.
Klickt man auf der Internetseite der KLF beim MVZ Horb auf den Button „Frauenheilkunde“ liest man folgendes: „Sehr geehrte Patientinnen und Patienten, leider ist unsere Praxis für Frauenheilkunde & Gynäkologie zurzeit nicht besetzt. Wir bemühen uns um eine Nachfolgeregelung. Damit Sie mit uns in Kontakt treten können, haben wir eine Rufumleitung an das MVZ Freudenstadt eingerichtet.“ Dasselbe, wenn man den Button „Allgemeinmedizin“ wählt. Das einzige Angebot des MVZ derzeit ist die anästhesiologische Leistung von Dr. Matthias Reifer, der auch seit einigen Wochen die Leitung innehat.
Am 1. August 2019 präsentierte die KLF Sabine Merz als neue Leiterin des MVZ. Sie schloss gleichzeitig die vakante Stelle als Allgemeinmedizinerin. Doch lange blieb die Ärztin nicht. Merz kündigte nach wenigen Monaten in Amt und verließ das MVZ zum 1. Januar 2020.
Ähnlicher Fall bei der Gynäkologin Dr. Mussarrat Ammad. Sie wurde im August 2017 als die Nachfolgerin von Dr. Archibald Fridrich vorgestellt. Doch auch Ammad hielt es nach einem euphorischen Einstand nicht lange in der Neckarstadt. Am 1. April 2020 kehrte sie Horb ebenfalls den Rücken.
Nachfolger für die beiden vakanten Stellen sind nicht in Sicht, wie die SÜDWEST PRESSE auf Anfrage erfuhr. „Aktuell sind die Stellen für die Allgemeinmedizin und die Gynäkologie ausgeschrieben, aber die Bewerberlage sieht, wie bei allen anderen vakanten Ärztestellen auch, nicht so aus, wie sich die Geschäftsführung der Krankenhäuser Landkreis Freudenstadt gGmbH das wünscht“ umschreibt es KLF-Pressesprecherin Cornelia Schreib vorsichtig. Es werden an einer „adäquaten Nachbesetzung“ gearbeitet.
Damit ist acht Jahre nach Schließung des Horber Krankenhauses die medizinische Versorgung in der Neckarstadt schlechter denn je. Wenigstens läuft in der Geriatrischen Klinik und in der Strahlentherapie, die ebenfalls im MVZ angesiedelt sind, der Betrieb normal. Doch für einen Besuch beim Haus- oder Frauenarzt ist das MVZ gerade keine Anlaufstelle. Der häufige Wechsel schreckt Patienten zudem ab - ein Arzt ist auch Vertrauenssache.