Gastronomie: Pächterwechsel bei einer Institution

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Nicht gesetztDas Café Randecker in der Schillerstraße ist eine Institution in Horb. Hier hat die Zeit einen anderen Charakter. Hier wird der Gast herausgenommen aus der Hetze und Schnelllebigkeit der modernen Zeiten und in einer Oase der Ruhe und Gemütlichkeit empfangen. Und das seit vielen Jahren. Jetzt ändern sich die Zeiten des Café Randecker allerdings. Ein Wechsel zeichnet sich ab: Noch bis Ende April bleibt Helga Randecker (68) Chefin. Dann übergibt sie den Stab an die Horberin Elisabeth Schneiderhan (55).
Das Ende einer Ära? Helga Randecker lächelt: „Ich fühle mich wirklich gut. Mir hätte nichts Besseres passieren können, als dass es weitergeht.“ Sie hatte sich eigentlich das Ziel gesetzt, bis zu ihrem 70. Geburtstag zu arbeiten. Doch dann stand im vergangenen Jahr Elisabeth Schneiderhan plötzlich bei ihr im Laden und fragte ganz direkt: „Wie lange wollen Sie eigentlich noch schaffen?“
Schneiderhan hat es gewagt, sich einen Traum zu erfüllen. „Ich wollte schon immer ein Café führen“, erzählt sie der SÜDWEST PRESSE bei einem Gespräch. Jetzt ist für sie der richtige Zeitpunkt: Die Kinder sind groß. Schneiderhan arbeitet in der Apotheke gegenüber, sie kennt das Café. Sie kennt auch Horb. Und das „Randecker“ ist für sie der optimale Standort für ihren Lebenstraum.
Schneiderhan schlug Helga Randecker vor, das Café gemeinsam zu betreiben. Doch das lehnte die 68-Jährige ab. „Es kann nur einen Chef geben“, sagt sie bestimmt. Also wird Schneiderhan am 1. Mai das Zepter übernehmen. Randecker wird aber dem Café erhalten bleiben: als 450-Euro-Kraft, eventuell auch ein wenig mehr. Aber auf keinen Fall in Vollzeit: „Ich bin aus familiären Gründen daheim mehr gefordert“, erklärt sie. Seit Jahren ist sie von 6 bis 20 Uhr für das Café im Einsatz. Jetzt will sie kürzer treten. Und sie wiederholt: „Ich bin gottfroh, dass wir die Lösung gefunden haben.“ Nicht nur, weil es mit dem Café weitergeht, sondern weil auch die Stadt davon profitiert: „Es ist wichtig in Horb, dass etwas gewagt wird.“
Ja, es ist ein Wagnis für Elisabeth Schneiderhan. „Manchmal frage ich mich: ‚Was machst du da?‘“ Für sie bedeutet das Café der Sprung in die Selbstständigkeit, nachdem sie zehn Jahre für ihre Schwester gearbeitet hat und die letzten zehn Jahre in der Schillerapotheke. Schneiderhan ist Pharmazeutisch-technische-Assistentin, doch auch Hauswirtschafterin: „Ich habe keinen Schrecken vor der Küche“, sagt sie.
Doch natürlich muss jetzt ein Businessplan her. Sie hat sich bei der Handwerkskammer und der IHK beraten lassen, im kommenden Vierteljahr besucht sie Coachings des Landfrauenverbands. Ihre Stelle bei der Apotheke hat sie auf Ende des Monats gekündigt. Am 1. Mai sollen die Umbauarbeiten beginnen. Schneiderhan hat ihre Vorstellungen: Die alte Theke kommt raus, sie hat eine alte Eichentheke erstanden, die sie dann einbauen will. Auch das Mobiliar und die Einrichtung im rund 100 Quadratmeter großen Café will sie ändern. Rund 50000 Euro will Schneiderhan investieren.
Doch es gibt auch Konstanten: Das Personal wird bleiben, genauso will sie das Essensangebot mit Backwaren, Kaffee und Kuchen beibehalten, allerdings modifizieren. Schneiderhan schwebt eine regionale und saisonale Küche vor. Sprich: im Winter keine Tomaten, dafür einen Apfel-Karotten-Sellerie-Salat. „Ich habe einen gewissen Anspruch mit Fairtrade und Bio“, sagt sie.
Auch die Schulversorgung für das Martin-Gerbert-Gymnasium wird Schneiderhan weitermachen. Helga Randecker verköstigt die Schüler in der großen Pause mit Vesperangeboten.
Schneiderhan möchte hier langsam mit Vollkorn und regionalen Produkten experimentieren. Doch sie weiß: „Ich kann den Schülern nicht von heute auf morgen den LKW und den Amerikaner wegnehmen. Sonst werde ich auf den Schulhof genagelt“, sagt sie mit einem herzlichen Lachen.
Schneiderhan hofft, dass der Umbau des Cafés bis Anfang Juni fertig ist. Sie möchte eine Woche vor den Ritterspielen wieder öffnen: montags bis freitags von 7 bis 18 Uhr; sonntags möchte sie Frühstück sowie Kaffee und Kuchen anbieten.
Sie glaubt an den Erfolg. Das Café Randecker ist etabliert, sie selbst bekannt in der Stadt. Außerdem ist der Standort ein Bekenntnis zur Innenstadt, der es seit dem Umzug des Drogeriemarkts Müller in das neue Einkaufszentrum an Laufkundschaft mangelt. „Horb ist schön und eine echt nette Stadt“, betont Schneiderhan. Doch das Ausbluten könne nur verhindert werden, wenn sich weitere kleine Läden etablieren. „Horb kann nur mit einer Spezialisierung punkten“, ist sie überzeugt.