Gäubahn-Unterbrechung
: „Der Bund muss jetzt liefern!“ – Wirtschaft fordert Planungssicherheit und Kompensation

Die Industrie- und Handelskammern fordern Investitionen in die Zulaufstrecken zur Gäubahn und finale Entscheidungen. „Es kann nicht sein, dass wir jährlich im Sommer über den Bau des Pfaffensteigtunnels philosophieren und kein finales ‚Go‘ kommt“, sagt Tanja Traub, Hauptgeschäftsführerin der IHK Nordschwarzwald.
Von
NC
Horb/Kreis Freudenstadt
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Gäubahn Bahnhof Horb IC/RE Stuttgart - Zürich: Gäubahn Bahnhof Horb 17.4.2023. 
IC Intercity RE Regioexpress Stuttgart Zürich steht an Gleis Bild: Karl-Heinz KLuball

Die Gäubahn ist aus dem Horber Bahnhof nicht wegzudenken. Pendler nutzen die Direktverbindung zwischen Stuttgart und Zürich. Wird diese im Zuge der Bauarbeiten für den Tiefbahnhof Stuttgart 21 gekappt, entstehen den Unternehmen im Süden des Landes Nachteile. Das bekräftigt die IHK Nordschwarzwald und fordert Investitionen in die Zulaufstrecken zur Gäubahn, zum Beispiel die Nagoldtalbahn.

Karl-Heinz Kuball (Archiv)
  • IHK fordert Planungssicherheit und Investitionen in Gäubahn-Zulaufstrecken wie die Nagoldtalbahn.
  • Ab 2027 Umleitungen und Umstiege durch Bauarbeiten für Stuttgart 21 – Nachteile für Pendler und Wirtschaft.
  • Elektrifizierung der Nagoldtalbahn sowie MEX-Anbindung nach Stuttgart als zentrale Maßnahmen gefordert.
  • Deutsch-schweizer Wirtschaftsbündnis drängt auf Ausbau der Schienenachse Stuttgart-Zürich für Klimaschutz.
  • Bund soll Finanzierung des Pfaffensteigtunnels und weiterer Projekte schnell finalisieren.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die potenzielle Abbindung vom Hauptbahnhof Stuttgart braucht Kompensationen. Diese klare Erwartungshaltung formulieren die Industrie- und Handelskammern (IHK) südlich der Landeshauptstadt rund um das Großprojekt Stuttgart 21 und im Kontext der jüngsten Entwicklungen zur Gäubahn. Demnach kommen auf Zugreisende aus dem beziehungsweise in den Süden ab März 2027 Umsteige- und Umleitungsmaßnahmen zu. Gleichzeitig verweisen die IHKs auf die prinzipielle Zielsetzung der Gäubahn: den grenzüberschreitenden Ausbau der Schienenachse Stuttgart-Zürich als bundespolitisches Infrastrukturprojekt auf Basis des deutsch-schweizer Vertrages von Lugano.

Klarer Standortnachteil durch mehrjährige Abbindung

„Die mehrjährige Abbindung der Gäubahn, mit notwendigem Umstieg in Stuttgart-Vaihingen, ist nunmehr nach den jüngsten Bekanntgaben der S21-Projektpartner wohl unabwendbar. Das war zwar absehbar, aber es schmerzt nach wie vor“, sagt Tanja Traub, Hauptgeschäftsführerin der IHK Nordschwarzwald. Die Bauaktivitäten auf der Gemarkung der Landeshauptstadt hätten für die südlichen Regionen massive Belastungen zur Folge – sowohl für Pendler als auch für Unternehmen. „Wir kommen schlechter nach Stuttgart und die Bürger der Landeshauptstadt schlechter zu uns“, sagt Traub. Dies sei vor dem Hintergrund, dass über einen sieben- bis zehnjährigen Zeitraum gesprochen wird, ein schwer verdaulicher Zustand, wenn nicht sogar ein klarer Standortnachteil, so Traub.

Die IHK Nordschwarzwald untermauert daher ihre Erwartungshaltung nach Kompensationen. Sie pocht auf mehr Investitionen in die Zulaufstrecken zur Gäubahn, beispielsweise in die Nagoldtalbahn (alias „Kulturbahn“), um den südlichen Landkreis Calw und den Landkreis Freudenstadt langfristig besser mit der Gäubahn verknüpft zu bekommen. Konkret wäre die durchgängige Elektrifizierung der Nagoldtalbahn vom Haltepunkt „Hochdorf (b Horb)“ nach Pforzheim eine erste adäquate Maßnahme.

Kuppeln und Flügel mit dem MEX in Eutingen

Die Realisierung des beispielhaften „Metropolexpress“-Konzepts (MEX) zur direkten, umsteigefreien Schienenanbindung Nagolds beziehungsweise des gesamten oberen Nagoldtals in die Region Stuttgart unter Nutzung von Kuppeln und Flügeln mit dem MEX Freudenstadt in Eutingen wäre eine weitere wichtige Maßnahme. Darüber hinaus erwarten die Kammern Unterstützung beim Ausbau des kombinierten Verkehrs, beispielsweise bei der Reaktivierung von Gleisanschlüssen in Deißlingen, Villingen-Schwenningen und Immendingen sowie dem Verkehrsterminal in Horb. Prinzipiell sei der Güterverkehr ab Schaffhausen noch viel mehr in die Planungen von Bahn, Bund und Land einzubeziehen. „Sonst plant die Schweiz eben an Baden-Württemberg vorbei“, so Traub.

Zwecks Finanzierung des Gäubahn-Ausbaus pocht die IHK auf Planungssicherheit. Die Finanzierung des Pfaffensteigtunnels gehöre jetzt ebenso final entschieden, wie die Bau- und Planungsleistung für den kompletten Abschnitt Süd. „Es kann nicht sein, dass wir jährlich im Sommer über den Bau des Pfaffensteigtunnels philosophieren und kein finales ‚Go‘ kommt“, sagt Traub. Gerade im Kontext des generellen Sanierungsstaus brauche es jetzt konkrete Entscheidungen statt vager Absichtserklärungen. „Wir brauchen Straßen, Brücken und Schienen. Dafür braucht es Geld. Dieses ist beim Bund verfügbar. Und der Bund muss jetzt liefern. Alles andere wäre gegenüber den Planern und den Partnern der Schweizer Seite eine Farce.“

Deutsch-schweizer Wirtschaftsbündnis zum Ausbau der Gäubahn

Die IHK Nordschwarzwald ist Teil des deutsch-schweizer Wirtschaftsbündnisses zum Ausbau der Gäubahn. Dieses vertritt rund 250.000 Unternehmen aus der Schweiz und Deutschland. Es bekräftigt die Notwendigkeit einer leistungsstarken Schienenachse Stuttgart-Zürich. Die Beteiligten sprechen sich für den schnellen und umfänglichen Ausbau der Gäubahn aus – auch im Sinne des Klimaschutzes.