Forst: Trockenheit tötet Tannen

Florian Nuding betreut seit Juni als Trainee vertretungsweise das Forstrevier Mühlbachtal.
Nicht gesetztGrün leuchten Wiesen, Bäume, Sträucher und der Wald an diesem sonnigen Donnerstagmorgen. So weit das Auge reicht, dominiert am Ortsrand von Sigmarswangen die Farbe der Hoffnung. Doch wer sich dem „Stumpenwald“ nähert, entdeckt an etlichen Stellen rötlich verfärbte Nadelbäume – sterbende Tannen.
„Das sind die Spätfolgen der trockenen Jahre 2015 und 2016“, vermutet Norbert Utzler. Die Trockenheit sorgt dafür, dass derzeit vielerorts in Baden-Württemberg, eigentlich einem Tannen-Stammland, speziell diese Nadelbäume reihenweise absterben. Teils könnten laut Utzler auch Borkenkäfer mit Schuld daran sein.
Mehrere Ursachen möglich
Der stellvertretende Leiter des Kreisforstamts beim Landratsamt Rottweil ist daher zurzeit häufig in den Wäldern im nördlichen Landkreis unterwegs. „Wir müssen die toten Tannen im gesamten Forstbezirk fällen und das Holz aufarbeiten. Das ist eine ziemlich große Aufgabe“, erklärte Utzler gestern bei einer Waldbegehung. Insbesondere im Bereich Bergfelden seien viele Tannen betroffen. Der einzige Vorteil für die Forstmitarbeiter: Da Trockenheit und nicht Käferbefall die Ursache für das Tannensterben sind, ist keine Ausbreitung eines Schädlings von Baum zu Baum zu befürchten.
Dennoch ist Norbert Utzler in Hab-Acht-Stellung: „Die Situation ist ziemlich kritisch“, sagt der Förster. Der Waldkenner hat noch eine andere mögliche Erklärung: „Eventuell hängt das auch mit den Standorten zusammen. Denn weil in den Wäldern rund um Sulz Tonböden vorherrschen, erzeugt die Trockenheit dort Risse, und dann reißen die Wurzeln ab“.
Ein weiteres Problem ist der sehr tiefe Grundwasserstand dieses Jahr: Mit den Pfahlwurzeln gelangen Tannen nicht mehr an ausreichend Wasser. Eine endgültige Antwort hat Utzler aber auch nicht: „Es wurde noch nicht untersucht, warum sich die Trockenschäden dieses Jahr so stark auswirken“, sagt der stellvertretende Leiter des Kreisforstamts. Allerdings bot sich den Forst-Mitarbeitern nach dem sehr trockenen Sommer 2003 in den Folgejahren 2004 und 2005 ein ähnliches Bild.
Sorge bereitet die unklare Situation Norbert Utzler vor allem deshalb, weil die Tanne eigentlich als „Zukunftsbaum“ gilt, der den Klimawandel gut übersteht.
Auf die Fichten haben die Revierleiter ebenfalls ein besonderes Augenmerk gelegt und rechnen damit, dass der Borkenkäfer bei diesem durch das Mai-Wetter geschädigten Nadelgehölz besonders stark zuschlägt respektive zubeißt. Denn drei Generationen der Schädlinge haben überdauert.
Die Bäume gut im Blick behalten angesichts von Trockenheit und Borkenkäfer-Bedrohung, das ist auch eine der ersten Aufgaben, mit denen Florian Nuding konfrontiert wurde.
Der 27-Jährige hat Anfang Juni seine im Sommer 2016 in Waldshut begonnene Trainee-Ausbildung beim Kreisforstamt Rottweil fortgesetzt. Dort vertritt Nuding, der aus Schwäbisch Gmünd stammt, den nach wie vor krankgeschriebenen Revierleiter Klaus-Peter Mühleck. Zuständig ist der angehende Förster für Bergfelden, Fischingen, Glatt, Mühlheim, Renfrizhausen und Sigmarswangen. Auf die Arbeit im Wald wurde Florian Nuding schon bei einem Praktikum mit Waldarbeitern während der Realschulzeit aufmerksam. „Danach stand fest, dass ich eine Ausbildung zum Forstwirt machen wollte“, erzählt der 27-Jährige. Der 1,90 Meter-Hüne sattelte nach einem Jahr Berufspraxis als Waldarbeiter noch eine Weiterbildung zum Forsttechniker drauf und legte die Fachhochschulreife ab. Somit war der Weg frei für ein Studium der Forstwirtschaft an der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg. „Das Arbeiten in und mit der Natur ist sehr schön, denn man ist viel an der frischen Luft und hat Bewegung“, zählt Nuding einige Vorzüge des Försterberufs auf. Die ökologischen Zusammenhänge in der Natur faszinieren den jungen Mann ebenfalls. Der Forst-Trainee ist sich bewusst, dass mit den Zuständigkeiten seines Amtes auch eine hohe Verantwortung für die Zukunft verbunden ist: „Man sollte den Wald nachfolgenden Generationen in einem guten Zustand übergeben“, sagt der Endzwanziger nachdenklich. Waldbesitz hat in Florian Nudings Familie Tradition: Großvater und Vater bewirtschafteten schon einige eigene Flächen, der angehende Förster könnte sich dies langfristig ebenfalls vorstellen.
Stellvertreter von Mühleck
Dank des Forstwirtschafts-Studiums und nach Abschluss der zwei Trainee-Jahre könnte der 27-Jährige auch das Amt eines Revierleiters übernehmen. So weit voraus plant Nuding derzeit aber nicht.
Norbert Utzler als einer der Ausbilder unterstützt und begleitet seinen Schützling gerade jetzt am Anfang. Normalerweise lernen Forst-Trainees, die beim Kreisforstamt angestellt sind, verschiedene Reviere innerhalb eines Landkreises kennen – im Kreis Rottweil gehören 20 dazu. Doch wegen der unklaren Zukunft der Mühleck-Stelle ist Florian Nuding jetzt als stellvertretender Revierleiter eingesetzt. Das Büro im Landratsamt hat der Schwäbisch Gmünder auch schon bezogen, ansonsten war der Forstwirt aber vor allem viel draußen: „Wir haben uns die Hiebe und die Vorbereitungen auf die Holzernte angeschaut“, erzählt der angehende Förster. Mittelfristig sollten Trainees im Schnitt vier Tage im Wald und einen Tag im Büro sein.
Den vielfältigen Lebensraum Wald als Arbeitsplatz hat Nuding bewusst gewählt. Privat ist der 27-Jährige auf Wohnungssuche. Denn draußen zu leben, wäre selbst für einen Förster zuviel.