Ende des Ärztemangels?: Mit einem Förderprogramm will die KV Mediziner nach Horb locken

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Nicht gesetzt„Ein Hausarzt könnte sofort in Horb eine Praxis eröffnen“, sagt Rosenberger. Wenn dieser nur wollte. Darin liegt ja gerade die Krux. Seit Monaten weiß die Kassenärztliche Vereinigung (KV) um dieses Problem, nun hat sie darauf reagiert. Seit kurzem gibt es ein spezielles Förderprogramm für Mittelbereiche wie Horb, die davon betroffen sind. Aktuell sind es fünf Mittelbereiche, die beim KV-Projekt „Ziel und Zukunft: Wir – die Ärzte und Psychotherapeuten in Baden-Württemberg“, bereits Förderanträge stellen können, berichtet Kai Sonntag, Pressesprecher bei der KV.
So kann ein Hausarzt, der in Horb oder seinen Teilorten eine Praxis eröffnen oder übernehmen will, einen Investitionskostenzuschuss von bis zu 60000 Euro bekommen. Wer einen anderen Arzt anstellt, bekommt von der KV 1000 Euro je Monat und Angestellten. Außerdem werden fünf Jahre lang 10 Euro Fallwertzuschlag pro Behandlungsfall gezahlt. „Die ersten Anträge liegen vor“, berichtet Sonntag, „jetzt schauen wir mal, wie es sich entwickelt.“
Rosenberger indessen erhofft sich dadurch eine Bewegung beim Hausärzte-Notstand in Horb. Denn gerade im ländlichen Raum geht der Trend weg vom klassischen Hausarzt. „Immer mehr Studentinnen und Studenten wollen eine feste Anstellung mit geregelten Arbeitszeiten“, sagt er. Daher wäre für den Mittelbereich Horb, zu der auch die Gemeinden Empfingen und Eutingen gehören, Ärztehäuser und Medizinische Versorgungszentren optimal. Das hätte auch die KV erkannt: Daher könnten sich im MVZ im ehemaligen Krankenhaus in Horb nun auch Hausärzte niederlassen.
Daher gab es ein Treffen im MVZ: Die Hausärzte kamen, die Stadt war vertreten und selbstverständlich die Krankenhäuser im Landkreis Freudenstadt (KLF), die Träger des MVZ ist. „Die Ärzteschaft war gespalten“, berichtet Rosenberger. Einige fürchten die Konkurrenz, andere dagegen könnten sich das gut vorstellen. Der Landkreis hatte auf jeden Fall signalisiert, dass sie die zwei leerstehenden Praxen zur Verfügung stellen würde. „Ohne große Gewinnererwartung“, wie der OB anmerkt. Auch bei Verwaltungs- und Dienstleistungsaufgaben wären sie behilflich. Das scheint erste Früchte zu tragen. „Es gibt zwei Hausärzte, die in das MVZ einziehen wollen“, konnte Rosenberger gestern verkünden.
Auch im Kreistag war der Hausärzte-Mangel Thema, berichtet Rosenberger. Dort wurde in der Montagssitzung einstimmig beschlossen, dass ein Stipendiatenprogramm für Medizinstudenten, die Hausärzte werden wollen, ins Leben gerufen werden soll – quasi als Pendant zum Stipendium für Krankenhaus-Ärzte, das erfolgreich war.
Bleibt die Frage, warum es gerade den Bereich Horb so hart trifft. „Es liegt nicht an Horb, sondern an den Strukturen“, ist Rosenberger überzeugt. „Hier ist ein Arzt ein Dorfarzt, ein klassischer Hausarzt.“ Und dadurch ein wenig auch ein Auslaufmodell. Rosenberger sieht daher Chancen im MVZ, in einem Ärztehaus, das in der Kernstadt angesiedelt ist und die Teilorte mitbetreut. So wäre es auch möglich, dass beispielsweise Ärzte aus Tübingen nach Horb einpendeln. Die Infrastruktur mit Bahnhof und Autobahnanschluss wären gegeben. Von finanziellen Anreizen hält die Stadt Abstand, doch signalisiert Rosenberger Unterstützung bei der Suche nach Wohnraum.
Doch der Horber Ärzteschwund hat für Rosenberger noch eine andere Ursache: „Seit dem Verlust des Krankenhauses geht der Ärztesog in Richtung Horb baden“, sagt er. Daher hätte man sich auch immer vehement gegen die Schließung gewehrt. Jetzt sieht der Horber OB wenigstens den berühmten Schweif am Horizont: „Es scheint jetzt aber zu laufen und wir versuchen, das Beste daraus zu machen.“