Dürrenmettstetten · Kommunalpolitik
: Ende einer lokalpolitischen Ära

Robert Trautwein hört nach 30 Jahren für die CDU im Sulzer Gemeinderat, 39 Jahren im Dürrenmettstetter Ortschaftsrat und 15 Jahren als Ortsvorsteher auf. Im Rückblick spricht der 68-Jährige über Meilensteine, eine Krise und Zukunftsaufgaben.
Von
Cristina Priotto
Dürrenmettstetten

Unzählige Male hat Robert Trautwein als Dürrenmettstetter Ortschaftsrat und Ortsvorsteher die Türklinke zum Rathaus in den vergangenen Jahrzehnten in der Hand gehabt. Ende Juli ist für den 68-Jährigen Schluss: Der CDU-Stadtrat gibt alle kommunalpolitischen Ämter ab.

Cristina Priotto

Papier ist auf Robert Trautweins Schreibtisch im Dürrenmettstetter Rathaus derzeit keine Mangelware. „Bis Ende Juli räume ich auf“, sagt der Ortsvorsteher und lehnt sich entspannt im Bürostuhl zurück. Der 68-Jährige scheidet, wie im September 2018 angekündigt, zum Ende der Amtszeit aus allen kommunalpolitischen Ämtern aus.

Hinter dem seit 2011 pensionierten Ex-Chef der Kriminalpolizei Freudenstadt liegen Jahrzehnte politischen Engagements: 1980, sieben Jahre nach dem Zuzug aus der Geburtsstadt Boxberg im Main-Tauber-Kreis und der Hochzeit mit Ehefrau Renate, ließ Trautwein sich erstmals für den Dürrenmettstetter Ortschaftsrat aufstellen - und wurde auf Anhieb gewählt. Im Jahr 1989 errang der CDUler ein Mandat für den Sulzer Gemeinderat und wurde zehn Jahre später Fraktionsvorsitzender, und im Jahr 2004 folgte Robert Trautwein als Ortsvorsteher auf Karl Jäckle. „Ich bin schon als junger Mensch immer politisch interessiert gewesen“, blickt der Wahl-Dürrenmettstetter kurz vor dem Ende auf die lange kommunalpolitische Laufbahn zurück.

Die ersten Anknüpfungspunkte ergaben sich durch die Spielvereinigung, deren Vorsitzender Trautwein 1975 wurde. Dadurch kam der damalige Rei‘gschmeckte auf den Geschmack für Engagement.

In den drei Jahrzehnten im Sulzer Gemeinderat hat der CDU-Stadtrat sehr viele Ratsmitglieder kommen und seither die meisten auch wieder gehen sehen, bis auf Klaus Schätzle und Heidi Kuhring, die dem Gremium fast schon genauso lange angehören.

In der ersten Amtszeit stellte die Konversion des Bundeswehrgeländes eine große Aufgabe dar. „Das musste finanziell gestemmt werden. Die Ortsteile mussten dafür etwas zurückstecken“, beschreibt Trautwein. In den Dörfern kam es jedoch nicht gut an, dass so viel Geld in die Kernstadt floss. Der Erhalt des Backsteinbaus mit Einbau der Stadthalle sei von Stadtbaumeister Wössner weitsichtig entwickelt gewesen.

Das zurückliegende Jahrzehnt war vor allem durch die ISEK geprägt. „Das hat viele Hoffnungen und Wünsche geweckt“, stellt Robert Trautwein fest. Die Umsetzung werde auch die neuen Gremien beschäftigen, prophezeit der scheidende Kommunalpolitiker. Als die Stadt vergangenen Sommer für den Umbau des Glatter Rat- und Bürgerhauses einen ELR-Antrag stellte, nicht jedoch für den Dorfgemeinschaftsraum in Dürrenmettstetten, war der Ortsvorsteher des kleinsten Stadtteils sehr enttäuscht: „Damals wollte ich mein Amt niederlegen“, verrät Robert Trautwein. Dies war jedoch das einzige Mal, und letztlich sah der CDUler davon ab.

Rückschläge mussten der Vertreter des höchstgelegenen Teilorts und dessen Einwohner zuletzt einige wegstecken: Die FastSchließung des Kindergartens 2012, die Reduzierung der Öffnungszeiten 2017 und die Schließung der Lindenschule zum Ende des vergangenen Schuljahrs. Die jetzige Kindergartenlösung mit Halbtagsöffnungszeiten hält Trautwein für tragfähig. Für die Aufgabge der Schule hat der zweifache Vater und vierfache Großvater „ein gewisses Verständnis“.

Etwas Sorge bereitet dem überzeugten Konservativen der sinkende Einfluss der CDU im Gemeinderat. Mitverantwortlich dafür macht der scheidende Stadtrat die politische Großwetterlage, die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel und das Ausscheiden von „Platzhirschen“.

Die 22 neuen Ratsmitglieder werden mit ISEK, Hochwasserschutz, Neckar-Zugänglichkeit und Innenstadtbelebung reichlich zu tun haben, glaubt Trautwein. Die Frage, ob es ein Wiedersehen im Bürgersaal als Zuhörer gibt, verneint Robert Trautwein ganz klar: „Ich habe entschieden, mich aus der Kommunalpolitik herauszuhalten“, betont der 68-Jährige. In der Wahlheimat und bei der CDU möchte Trautwein sich weiter einbringen. Ehrensache ist für den erfahrenen Kommunalpolitiker, Nachfolger zu beraten - „nur, wenn ich gefragt werde, ohne mich aufzudrängen“.

Gründe zum Aufhören waren das Alter, die zeitliche Belastung, aber auch das verschlechterte Klima im Dürrenmettstetter Ortschaftsrat. „Ich musste oft als Sündenbock herhalten, wenn in Sulz Entscheidungen gefallen sind, die im Ort missfielen“, bedauert Robert Trautwein. Dabei hat der scheidende Kommunalpolitiker durch eine konziliante Art erreicht, „dass ich mich in jedem Stadtteil sehen lassen kann und keine Anfeindungen kriege“. Bei allen beliebt zu sein, das gehe aber nicht. Als Mandatsträger gelte es, persönlich für Ziele einzustehen.

Konkrete Pläne für das Leben ohne Kommunalpolitik gibt es noch nicht. „Ich arbeite viel am Haus und im Wald, da wird mir nicht die Decke auf den Kopf fallen“, freut sich Trautwein auf den sitzungsfreien Lebensabschnitt mit mehr Zeit für die Familie.

Nach der Verabschiedung am 22. Juli wird der Schreibtisch aufgeräumt, dann geht es erstmal mit Freunden in den Urlaub. Um politisch informiert zu sein, wird Robert Trautwein in Zukunft noch intensiver die Zeitungen lesen.

Fünf Fragen – und teils überraschende Antworten:

Waren Sie schon immer CDUler?

„Nein, zu Zeiten von Willy Brandt habe ich sogar einmal SPD

gewählt. Aber dann habe ich gemerkt, dass das nicht meine

politische Linie ist.“



Was werden Sie

vermissen?


„Nicht mehr aktuell und umfassend

informiert zu sein über Hintergründe und was von Seiten der Stadtverwaltung als Überlegungen

dahintersteckt.“

Womit werden Sie die Lücken im

Kalender füllen?

„Ich habe noch keine Lösung, aber ich

glaube nicht, dass ich in ein Loch falle.“

Was wird Ihnen nicht fehlen?

„Die oft langatmigen Vorstellungen von Projekten durch die Stadtverwaltung.“

Was empfehlen Sie Ihrem Nachfolger?

„Als Ortsvorsteher sollte man überall sein und sich schnell um das kümmern, woran die Leute sich stoßen.“