Der Arbeitsmarkt im Nordschwarzwald: Agentur-Chefin sieht Anzeichen für konjunkturelle Schwächephase

Martina Lehmann ist Chefin der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim. Angesichts der neuen Zahlen sieht sie „Anzeichen für eine weiter bestehende konjunkturelle Schwächephase“.
Karl-Heinz Kuball (Archiv)- Arbeitsmarkt im Nordschwarzwald zeigt Schwäche: Weniger Stellen, mehr Kurzarbeit, sinkende Beschäftigung.
- Arbeitslosenquote stieg auf 4,8 % (Juli), vor einem Jahr lag sie bei 4,3 %.
- Kurzarbeit deutlich erhöht: 8543 Beschäftigte im März 2025, 3,8 % Kurzarbeiterquote.
- Ausbildungsmarkt: Doppelt so viele Stellen (1349) wie Bewerber (709) – Fachkräftemangel bleibt akut.
- Offene Stellen im Bezirk um 23,2 % gegenüber Vorjahr gesunken – Nachfrage nach Fachkräften hoch.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Zahl der Arbeitslosen im Bezirk der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim ist in den vergangenen vier Wochen um 473 (2,9 Prozent) auf 16.815 gestiegen. Vor einem Jahr waren 1.751 (11,6) weniger Menschen arbeitslos. Die Arbeitslosenquote – bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen – ist von Juni auf Juli um 0,1 auf 4,8 Prozent gestiegen. Im Juli 2024 lag sie bei 4,3 Prozent.
Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit im Juli ist nichts Ungewöhnliches, teilt die Agentur für Arbeit mit. Arbeitslosmeldungen nach Entlassungen oder befristeten Verträgen zum Quartalsende sind typisch für die Jahreszeit. Zudem melden sich vor den Sommerferien viele Schulabgängerinnen und Schulabgänger bis zum Beginn ihrer Ausbildung oder ihrem Studium vorübergehend arbeitslos. Dazu kommen vereinzelt auch Arbeitslosmeldungen von Jugendlichen, die gerade ihre Ausbildung abgeschlossen haben und nicht übernommen wurden, so die Agentur.
Weniger Stellen, viel Kurzarbeit
„Neben all diesen jährlich wiederkehrenden Faktoren sehe ich auch die Anzeichen für eine weiter bestehende konjunkturelle Schwächephase“, gibt Agentur-Chefin Martina Lehmann jedoch zu bedenken. Der Rückgang bei den neu gemeldeten Stellen, die hohe Inanspruchnahme von Kurzarbeit sowie der leichte Rückgang bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung bestätigten ihre Einschätzung.
Die Arbeitskräftenachfrage ging vor der anstehenden Ferien- und Urlaubszeit zurück. Betriebe und Verwaltungen meldeten in den vergangenen vier Wochen 701 zu besetzende Stellen. Das waren 48 (6,4 Prozent) weniger als im Juni und 125 (15,1) weniger als vor einem Jahr. Gesucht werden hauptsächlich gut ausgebildete Fachkräfte. Allerdings erschweren fehlende oder veraltete Qualifikationen Arbeitsloser oft eine schnelle Vermittlung. „Wir stehen vor der Herausforderung, auf der einen Seite einen konjunkturell bedingten Rückgang gemeldeter Stellen bewältigen zu müssen und gleichzeitig proaktiv dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken“, sagt Lehmann. „Ein zentraler Hebel ist dabei die Qualifizierung. Wer heute in Weiterbildung investiert, sichert sich langfristig Chancen, sowohl als Unternehmen als auch als arbeitsuchender Mensch.“
Doppelt so viele Lehrstellen wie Bewerber
Am regionalen Ausbildungsmarkt gibt es aktuell fast doppelt so viele unbesetzte Ausbildungsstellen (1349) wie Bewerberinnen und Bewerber (709). Für die Jahreszeit üblich hat die Arbeitslosigkeit bei den Jugendlichen im Alter bis 25 Jahre deutlich zugenommen, da der direkte Übergang von der Ausbildung in Beschäftigung nicht immer gelungen ist. Mitte Juli waren 1527 junge Menschen arbeitslos gemeldet, 150 (10,9 Prozent) mehr als im Juni. Am anderen Ende der Alterspyramide (55 Jahre und älter) ist die Arbeitslosigkeit um 11 (0,2 Prozent) auf 4431 gestiegen.
Nach einer ersten Hochrechnung zur realisierten Kurzarbeit für den Monat März haben 8543 Beschäftigte in 253 Betrieben kurzgearbeitet. Im März 2024 waren es 5696 Beschäftigte in 170 Betrieben. Die Kurzarbeiterquote, also der Anteil der Kurzarbeitenden an allen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, lag im Nordschwarzwald im März 2025 bei 3,8 Prozent und im März 2024 bei 2,5.
Im Bereich der Agentur für Arbeit (Rechtskreis SGB III) ist die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat um 375 (4,9 Prozent) auf 7995 gestiegen. Gegenüber dem Vorjahr gab es einen Anstieg um 973 (13,9). Bei den Jobcentern (Rechtskreis SGB II) ist die Arbeitslosigkeit von Juni auf Juli um 98 (1,1) und gegenüber dem Vorjahr um 778 (9,7) auf 8820 gestiegen.
Im Landkreis Freudenstadt ist die Arbeitslosenquote von Juni auf Juli um 0,1 auf 4,4 Prozent gestiegen. Vor einem Jahr lag sie bei 3,8. In Horb liegt sie derzeit bei 4,5. Insgesamt waren 3193 Menschen arbeitslos gemeldet, davon 1437 (45 Prozent) in der Arbeitslosenversicherung und 1756 (55) in der Grundsicherung. Im Juli wurden 138 Stellenangebote gemeldet. Das waren 72 (34,3) weniger als im Vormonat und 70 (33,7) weniger als im Juli 2024. Aktuell sind 983 offene Stellenangebote im Bestand, 102 (9,4) weniger als vor einem Jahr.
23,2 Prozent weniger offene Stellen als im Vorjahr
Im Kreis Calw ist die Arbeitslosenquote um 0,1 auf 4,3 Prozent gestiegen. Vor einem Jahr lag sie bei 3,9 Prozent. Insgesamt waren 4026 Menschen arbeitslos gemeldet, davon 1967 (48,9 Prozent) in der Arbeitslosenversicherung und 2059 (51,1) in der Grundsicherung. Im Juli wurden 145 Stellenangebote gemeldet – 2 Prozent weniger als im Vormonat und 92 (38,8) weniger als im Juli 2024. Aktuell sind 804 offene Stellenangebote im Bestand, 252 (23,9) weniger als vor einem Jahr.
Mitte Juli waren im gesamten Bezirk der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim 3334 offene Stellen gemeldet, 125 oder 3,6 Prozent weniger als im Juni und 1006 oder 23,2 Prozent weniger als vor einem Jahr.
