Blitzermarathon: Horber Lichtfestspiele

Horbs unbeliebtester Bürger: Blitzer Marvin auf der Jagd nach der freiwilligen Stadtverschönerungsabgabe.
Karl-Heinz Kuball (Archiv)In ganz Baden-Württemberg herrscht in dieser Woche ein ganz besonderes Leuchten. Wer glaubte, der meteorologische Frühling bringe nur sanfte Sonnenstrahlen, sieht sich getäuscht: Das Land zelebriert die „Speedweek“, und der Südwesten verwandelt sich bis zum 19. April in eine einzige große Fotogalerie. Doch während man andernorts nur nüchtern misst, hat der Blitzermarathon 2026 in Horb fast schon den Charakter eines Stehaufmännchen-Dramas.
Wer am Montagmorgen noch im Halbschlaf am historischen Fruchtkasten vorbeiglitt, wurde nicht etwa mit Getreide oder Wein empfangen, sondern mit dem modernsten Gruß der Ordnungshüter: dem digitalen Gewitterlicht. Es ist fast schon rührend, mit welcher Hingabe Horb dieses landesweite Event interpretiert. Der Fruchtkasten, einst stolzes Lager für die Ernte unserer Vorfahren, dient heute als pittoreske Kulisse für die Ernte der Stadtkasse.
Wann ist Marvin wieder im Einsatz?
Doch der eigentliche Star, der lokale Dauerbrenner „Marvin“, hat eine harte Zeit hinter sich. Erst Ende März musste der mobile Blitzer in der Lerchenstraße wieder einmal als Sandsack für nächtliche Frustbolzen herhalten. Dass dabei „nur“ das Schutzglas für 150 Euro zu Bruch ging, grenzt in der gewaltvollen Historie des Geräts fast schon an eine Lappalie. Man erinnert sich in Horb ja noch wehmütig an das Jahr 2020, als Marvin spektakulär in die Luft gejagt wurde.
Die Stadt gab jedoch schnell Entwarnung: Ersatzgläser sind vorrätig! Man muss sich das vorstellen: Im Rathaus liegen die Schutzscheiben wahrscheinlich stapelweise direkt neben den Bußgeldbescheiden. Marvin könnte also pünktlich zur Speedweek wieder einsatzbereit sein. Ob er dabei sein Comeback am Neckarbad unter der Hochbrücke gibt, ist zwar nicht verbürgt, aber die strategisch günstige Tempo-30-Baustelle dort schreit förmlich nach seinem gläsernen Antlitz.
Dass manche Hitzköpfe glauben, mit Vandalismus den Blitzermarathon stoppen zu können, ist allerdings komplett unlogisch. Einen Blitzer zu demolieren, den man mit eigenen Steuern bezahlt hat, ist so, als würde man beim Fußball ein Eigentor schießen, nur weil man den Schiedsrichter nicht mag. Am Ende zahlt der Bürger die Reparatur – und die Verwaltung bestellt einfach „Marvin 2.0“, wahrscheinlich in der gepanzerten Luxus-Ausführung, bezahlt von dem Geld, das eigentlich in die Schlaglöcher fließen sollte.
Der Blitzermarathon ist eben kein Sprint, sondern ein strategisches Katz-und-Maus-Spiel. Wir blitzen uns scheinbar im Alleingang aus der Schuldenfalle. Also: Fuß vom Gas, freundlich lächeln und die Infrarot-Kulisse genießen. Denn es gilt: Marvin und seine Mitstreiter sehen dich. Immer.
