Zollernalb Klinikum vor Umbau: Chirurgie zukünftig allein in Balingen, Inneres für Albstadt
Die Veränderungen, die auf die Standorte Balingen und Albstadt des Zollernalb Klinikums zukommen, sind heftig. Allerdings trifft das insbesondere die Beschäftigten, die sich umorientieren müssen. Ebenfalls umdenken müssen die Patienten. Aber vor allem kommt der Begriff „Kirchturmpolitik“ zum Tragen: Albstadt könnte, vorsichtig ausdrückt, etwas „abgewertet“ werden. Balingen dürfte dagegen noch mehr gestärkt werden. Da liegt Zündstoff drin für die Kommunalpolitik!
Nicht ohne Grund gab es zu Beginn der Woche ein sogenanntes Hintergrundgespräch für die heimische Presse mit Landrat und Klinikleitung, um zu „sensibilisieren“. Jetzt nehmen Pauli & Co. wie angekündigt offiziell Stellung.
Strukturen werden angepasst
„Zukunft der Medizin im Landkreis: Strukturelle Anpassungen im Zollernalb Klinikum stehen an.“ So ist die Pressemitteilung vom Mittwochvormittag betitelt. Das Zollernalb Klinikum stehe an einem Punkt, an dem Anpassungen notwendig seien, um weiterhin die medizinische Versorgung im Kreis sicherstellen zu können. Die Geschäftsführung des Zollernalb Klinikums wurde im Dezember 2022 vom Aufsichtsrat beauftragt, ein Konzept zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation und einer zukunftssicheren Struktur des Klinikums auszuarbeiten.
„Wir sind nun an einer Weggabelung angelangt, die über die Zukunft der Medizin im Zollernalbkreis entscheidet und somit über die regionale Versorgung der Bürgerrinnen und Bürger“, lässt sich Prof. Dr. Michael Bitzer, Ärztlicher Direktor des Zollernalb Klinikums, zitieren.
Sparen und die Reform
Im Wesentlichen sind es zwei Anlässe, die strukturelle Anpassungen zum jetzigen Zeitpunkt erforderlich machen. Da ist zunächst die wirtschaftliche Situation. Bei 80 Prozent aller Krankenhäuser in Deutschland hat sich diese erheblich verschlechtert. Genannt werden die Belastungen der Corona–Pandemie, Inflation und insbesondere Energiepreise. Und Krankenhäusern fehlt die Möglichkeit, Mehrkosten in Rechnung zu stellen! Im Zollernalb Klinikum kam es 2022 zudem zu einer hohen finanziellen Belastung durch den Einsatz von Leiharbeitskräften, die zur Kompensation von Ausfällen in der eigenen Mitarbeiterschaft eingesetzt werden mussten.
Dann Nummer 2: die geplante Krankenhausstrukturreform in Deutschland. Dabei wirkt sich insbesondere die Zuordnung der Krankenhäuser in Versorgungslevel erheblich auf die bestehenden Kliniken und die Zukunft der Kliniklandschaft insgesamt aus. Um auch weiterhin eine hochwertige Versorgung für die Region Zollernalb sicherstellen zu können, müssen diese Strukturreformpläne jetzt schon in die Planungen einbezogen werden.
Mehr als die Grundversorgung!
Die aktuelle Planung der Bundesregierung sieht ein System von Leistungsgruppen vor, eine Leveleingruppierung in drei Kategorien (I: Grundversorgung; II: Regel– & Schwerpunktversorgung; III: Maximalversorgung). Das Zollernalb Klinikum strebt Level II an. Hintergrund sind die damit verbundenen medizinischen Leistungen, die erbracht werden dürfen. Ausschlaggebend hierbei ist, dass die Einstufung in einen bestimmten Level gleichzeitig festlegt, welche Leistungen erbracht werden dürfen.
Eine Eingruppierung in Level I beispielsweise würde nach jetzigem Stand bedeuten, dass das Zollernalb Klinikum die Klinik für Geburtshilfe verlieren würde. Die Reformpläne der Bundesregierung (Stand April 2023) sehen ebenfalls vor, dass bei Krankenhäusern mit mehreren Standorten wie dem Zollernalb Klinikum die Leistungsbereiche für die Einstufung nach Level II nur dann als Einheit berücksichtigt werden können, wenn diese nicht weiter als fünf Kilometer auseinanderliegen. Dies bedeutet für das Zollernalb Klinikum, dass die Leistungsbereiche von Albstadt und Balingen getrennt bewertet werden. Es muss für jeden Standort eine eigene Einstufung erfolgen. Damit ist unsicher, ob es in der heutigen Konstellation gelingen wird, Level II zu erreichen. Außerdem ist unklar, ob nach Fertigstellung des geplanten Zentralklinikums eine Level–II–Einstufung garantiert sein wird. Aus diesem Grund will das Zollernalb Klinikum schon heute alles daransetzen, die für die Level–II–Zuordnung erforderlichen Voraussetzung zu schaffen.
Neue Schwerpunkte
Um die bisherigen Leistungsbereiche zu stärken, wird den beiden Standorten des Klinikums jeweils ein Schwerpunkt zugeordnet. Die aktuelle Planung sieht vor, dass der Standort Albstadt zukünftig das „Zentrum für Innere Medizin“ sein wird. Am Standort Balingen werden die operativen Fächer zusammengeführt. Die Detailplanung wird aktuell ausgearbeitet. Nach Zustimmung des Aufsichtsrats und des Kreisrats Mitte des Jahres wird die Umsetzung in der zweiten Jahreshälfte erfolgen.
Beim Blick über die Kreisgrenzen ist erkennbar, dass es vermehrt zur Privatisierung von einst kommunal geführten Kliniken kommt. Landrat Günther–Martin Pauli, zugleich Vorsitzender des Aufsichtsrats des Zollernalb Klinikums, hebt hervor: „Der Zollernalbkreis hält an den Plänen eines kommunal geführten Zollernalb Klinikums zur Sicherung der stationären medizinischen Krankenhausversorgung im Zollernalbkreis fest. Wir setzen uns dafür ein, das Klinikum weiterhin in kommunaler Verantwortung zu halten und gleichzeitig eine hochwertige Medizin im Kreis sicherzustellen.“


