Tipps für Rasenpflege: Selbstverständlich naturnah, empfiehlt der Nabu Hechingen

Dieses Jahr noch gänzlich unberührt von Mäher oder Sense: So schön bunt wird es dann auf einer einst als Rasen angelegten Grünfläche. Kurz gemacht wird erst, wenn die Blumen ausgesamt haben. Da kann die Nachbarschaft noch so sehr die Nase rümpfen.
Ernst Klett- Der Nabu Hechingen empfiehlt naturnahe Rasenpflege ohne häufiges Mähen.
- Eine Blumenwiese fördert Insekten und Vögel; mähen erst nach Samenbildung.
- Für artenreiche Wiesen: Mähgut entfernen, Boden mager halten.
- Hoches Gras kann herausfordernd sein; Sense oder Balkenmäher nutzen.
- Wiese zur Freizeitgestaltung aufteilen, um Artenvielfalt zu fördern.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Seit Jahr und Tag redet die halbe Welt vom Insektensterben, und dass es immer weniger Gartenvögel gibt. Über beides herrscht allgemeines Wehklagen und teilweise schon Weltuntergangsstimmung. Die wiederum nicht ganz zu Unrecht. Wenn es allerdings um Konsequenzen geht, dann bröckelt die Front. Denn eines der einfachsten Mittel, um wieder für mehr Leben ums gepflegte Einfamilienhaus zu sorgen, ist: nichts tun! In der Übersetzung: den Rasenmäher stehen lassen, und das noch eine gute Zeit lang.
Aber man soll ja nicht immer dreinreden, geschweige denn, den Zeigefinger dauernd oben haben. Das kehrt sich meist ins Gegenteil um. Der Hechinger Nabu, von der HZ gefragt zum Thema naturnahe Gartenpflege, versucht es denn auch mit sanfter Überzeugung. Gert Rominger, der Sprecher der Natur- und Umweltschützer, macht es ganz diplomatisch: "Wer unbedingt einen dichten, gepflegten Rasen wünscht, wird mit dem Mähen loslegen, sobald das Gras wieder zu wachsen beginnt. Wer hingegen einen naturnahen Garten mit einer Wiese, also keinen Rasen, vorzieht, sollte mit dem ersten Schnitt mindestens bis Ende Mai oder Anfang Juni warten."

Wir garantieren, dass dem Igel nichts passiert ist! Es handelt sich nämlich um eine Fotomontage. Allerdings ist es eine Tatsache, dass Mähroboter, die 24 Stunden am Tag im Einsatz sind (doch, das gibt es!), eine enorme Gefahr für allerlei Gartentiere darstellen.
Armin Weigel/dpaDas wären jetzt noch locker vier, fünf Wochen. Geduldig sein, das hat beim naturnahen Garten triftige Gründe: Gegen Ende des sogenannten Wonnemonats sollte die Wiesenblumen und Kräuter verblüht und die Samenbildung abgeschlossen sein. Das wiederum sorgt im Sommer und Herbst, spätestens aber im nächsten Jahr, für noch mehr Farbe in der Hauswiese.
Was man im grün gefärbten Überschwung vielleicht gern vergisst, daran erinnert Gert Rominger im Namen des Hechinger Nabu mit einem Ausrufezeichen: "Für eine artenreiche Wiese muss das Mähgut von der Fläche entfernt werden, damit der Boden magerer wird. Wiesenblumen brauchen in der Regel einen Boden mit wenig Nährstoffen." Heidenei, mag man da kommentieren. Ohne Arbeit geht es also doch nicht. Wobei man als kleine Vorwarnung für Menschen, die das erste Mal noch vor sich haben, anfügen muss, dass hohes Gras mit verblühten Blumen selbstredend eine kleine Herausforderung darstellt. Der Gratistipp: Den Mäher höher stellen, oder gleich zur klimaneutralen Sense greifen.
Eine weitere, klitzekleine Einschränkung räumt der Nabu ein: "Bei dieser Art der Wiesenpflege muss man natürlich damit leben können, dass die Wiese nicht mehr zum Chillen oder Fußballspielen geeignet ist." Aber es gibt auch für diese knifflige Sache eine adäquate Lösung: Idealerweise wird der Garten in verschiedene Bereiche geteilt – ein Teil Blumenwiese und ein Teil zur Freizeitgestaltung.
Möglichst bunt? Die Artenvielfalt fördern? Im Dienste der Insekten?
In grauer Vorzeit hat man halt Gras gemäht. Den Rasen am Haus möglichst oft. Es soll ja ordentlich aussehen. Immerhin: Unsere Vorfahren haben strikt darauf geachtet, dass auf den Wiesen bis zur Heuernte ja nix geschieht! Sie wussten, warum: So ist auch fürderhin für ein fröhliches Blühen und damit einen ordentlichen Ertrag gesorgt. Inzwischen gibt es auch bei der Wiesenpflege, die nicht mehr dem landwirtschaftlichen Broterwerb dienen muss, regelrecht eine Wissenschaft. Der Hechinger Nabu-Sprecher Gert Rominger hat seine Bezirksgeschäftsführerin Tamara Ayoub involviert und zur ökologisch ausgerichteten Wiesenpflege Stellung nehmen lassen. Die Fachfrau schickt voraus: "Es kommt darauf an, was man bewirken möchte, welche Zielsetzung man auf der Fläche hat. Generell führt eine erhöhte Vielfalt an Pflanzen zu einer Erhöhung der Insektenvielfalt. Das konnten Studien der Uni Tübingen zeigen. Den Blühaspekt einer Fläche zu fördern, ist jedoch nicht gleich einer insektenorientierten Pflege.
Insektenorientierte Wiesenpflege, das geht demnach so: Nicht mit dem Kreiselmäher! Leider eine Todesfalle (Sogwirkung, Schleuder) Der Balkenmäher – oder die Handsense – sind das Mittel der Wahl. Hauptsache irgendwas, das horizontal, aber nicht zu tief schneidet und keine Sogwirkung hat. Beim Mähen sollte die Schnitthöhe nicht geringer sein als acht bis zehn Zentimeter. So bleibt der Boden vor Austrocknung geschützt, und Kleintiere kommen nicht unters Messer. Das Mikroklima der Wiese bleibt so erhalten. Klar, hier und da dürfen auch Störstellen und Rohbodenstellen sein. Eine lebendige Wiese lebt ja auch von der Verschiedenheit. Wo viele verschiedene Lebensräume angeboten werden, können sich viele verschiedene Organismen einrichten. Vorbildlich wäre es, einen Teil der Fläche erstmal gar nicht zu mähen und den Rest so zu mähen, dass man die Tiere in den ungemähten Teil „leitet“, wo sie dann sicher verharren können. Dieser Teil bleibt auch über den Winter stehen. Viele Insektenarten suchen zum Winter hin Unterschlupf in der Wiese. Das ist wohlgemerkt eine Herausforderung, wenn es um böse Kommentare geht, ob man seine Wiesen mittlerweile komplett verlottern lasse. Aber da muss man durch als Naturnaher!

