Vogelführung Nabu Hechingen
: Sind noch so viele Piepmätze im Park wie vor der Neugestaltung

Der Hechinger Fürstengarten ist mittlerweile wieder ziemlich so hergerichtet, wie zu fürstlichen Zeiten. Und dann ist da noch der Beinahe-Kahlschlag auf Sigmaringer Boden. Sind alle Vögel noch da?
Von
Gert Rominger
Hechingen
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Wenn man den Grünspecht nicht zu sehen bekommt, kann Franz Glückler nachhelfen: Infomaterial und Fotos gab es reichlich bei der Führung durch den Fürstengarten.

Wenn man den Grünspecht nicht zu sehen bekommt, kann Franz Glückler nachhelfen: Infomaterial und Fotos gab es reichlich bei der Führung durch den Fürstengarten.

Gert Rominger
  • Nabu-Führung im Hechinger Fürstengarten: 15 Teilnehmer erkunden den Park und Vogelarten.
  • Eingriffe auf dem Grundstück Villa Silberburg schaden der Tierwelt erheblich.
  • Klimawandel verkürzt Zugstrecken vieler Vögel, wie der Mönchsgrasmücke.
  • Singvögel durch Verkehr, Fenster und Katzen gefährdet.
  • Behördliche Maßnahmen gegen ungenehmigte Rodungen dauern an.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Winter ist endlich vorbei, es ist Sommerzeit, und es piept und pfeift wieder in Gärten und Wäldern. Wie seit vielen Jahren eröffnete die Hechinger Nabu-Gruppe die Serie ihrer naturkundlichen Exkursionen mit einem Spaziergang durch den Fürstengarten. Rund 15 Teilnehmer hatten sich eingefunden, um mit Franz Glückler die einzigartige Atmosphäre des Landschaftsparks zu genießen und ihre Kenntnisse bei der Artenbestimmung zu erweitern. Leider war die „Ausbeute“ anfänglich eher bescheiden. Im Verlauf der Runde konnte doch noch eine ganze Reihe der hier vorkommenden Arten entdeckt werden.

Wie man es von Franz Glückler kennt, hat er zu manchen Vogelarten eine „Eselsbrücke“ gebaut: Das Rufen des Grünfinks erinnert an einen knatternden Motor, er ist daher der „Formel 1-Vogel“, die Singdrossel wiederholt stets ihren Dreizeiler „Bier holen, keins mehr da, neues holen“, und der Star ist der große Imitator der Vogelwelt, beherrscht er doch auch den Gesang anderer Arten.

Kürzere Strecken dank Klimawandel

Natürlich gab es neue Informationen zur Entwicklung der Bestände und zum Vogelzug. Wegen des Klimawandels verkürzen sich bei vielen Vögeln die Strecken ins Winterquartier, manche kommen auch eher wieder zurück und besetzen die besten Nistplätze. Nach Beobachtungen von Wissenschaftlern zieht etwa die Mönchsgrasmücke teilweise nur noch bis Südspanien, und sogar in Südengland habe man welche als Wintergäste beobachtet.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fürstengarten-Führung vor dem weitgehend von Bäumen und Strauchwerk „befreiten“ Grundstück Villa Silberburg. Der Eingriff hat der Tierwelt offenbar ziemlich geschadet.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fürstengarten-Führung vor dem weitgehend von Bäumen und Strauchwerk „befreiten“ Grundstück Villa Silberburg. Der Eingriff hat der Tierwelt offenbar ziemlich geschadet.

Gert Rominger

Fahrzeuge, Fenster – und Katzen

Auch die Gefährdung der heimischen Singvögel war ein Thema: Die höchsten Verluste bewirke der Mensch, etwa durch den Kraftfahrzeugverkehr und große Fensterflächen. Einen großen Anteil am frühen Tode von Jungvögeln habe die ständig wachsende Katzenpopulation, dem folgten Eichhörnchen und erst zuletzt Raben und andere größere Vögel.

Veränderungen im Park wirken sich aus

Der seit Jahren zu verzeichnende Rückgang auch im Fürstengarten habe sich fortgesetzt, klagte der Hobby-Ornithologe, mitursächlich sei dort der Verlust alter Horstbäume sowie vieler Sträucher, vor allem auf dem Grundstück der Villa Silberburg. Auf die Frage eines Teilnehmers, wie es denn mit den behördlichen Maßnahmen im Zusammenhang mit den ungenehmigten Baum- und Strauchrodungen stehe, konnte Naturschutzwart Gert Rominger keine Neuigkeiten berichten, vermutlich seien das Bußgeldverfahren wie auch die versprochene Ausgleichskonzeption immer noch nicht abgeschlossen.

Bußgeld: Stadt will Bescheid geben

Manche Verfahren dauern länger: Nach dem Kenntnisstand der HZ ist es zwar beschlossene Sache, dass der Eingriff in den Park auf dem Grundstück der Villa Silberberg geahndet werden soll. Die Rodung stellt einen Verstoß gegen Bestimmungen des Denkmal- wie des Naturschutzes dar. Allerdings wehrt sich der Empfänger des möglichen Bußgeldbescheids, die Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern, ganz offenkundig mit Händen und Füßen – und mit Rechtsanwälten. Die Untere Naturschutzbehörde der Stadt Hechingen, die das Bußgeldpaket gleich für den Denkmalschutz beim Landratsamt Zollernalbkreis schnürt, hat versichert, Bescheid zu geben, wenn in Sigmaringen einschlägige Post auf dem Tisch liegt.

An der neuen Hainbuchenhecke, die dem historischen Vorbild nachempfunden ist, scheiden sich offenbar die Geister. Bei der Nabu-Führung wurde der neue „Schattengang“ von manchen Teilnehmern als „einengend“ beurteilt.

An der neuen Hainbuchenhecke, die dem historischen Vorbild nachempfunden ist, scheiden sich offenbar die Geister. Bei der Nabu-Führung wurde der neue „Schattengang“ von manchen Teilnehmern als „einengend“ beurteilt.

Gert Rominger

Ein weiteres Thema der Vogelführung war die Beseitigung der Hainbuchenhecke entlang der Zollernstraße, die nach Presseberichten möglicherweise und abweichend vom Plan ganz entfallen könnte. Gert Rominger zitierte hierzu einige Sätze von Hermann Fürst Pückler-Muskau, der eine „Umschließung“ für den Englischen Garten als unverzichtbar ansah.

Zur Hecke der grüne Fürst: Gegen alles Störende

Der "grüne Fürst" Hermann Ludwig Heinrich von Pückler-Muskau (1785-1871) war unter anderem Generalleutnant, Landschaftsarchitekt, Schriftsteller und Weltreisender und ist bis heute bekannt für die von ihm angelegten Parks. Bei der Weiterentwicklung des fürstlichen Hechingen Parks ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum englischen Landschaftspark  wurde der Fürstengarten 1841 unter Fürst Constantin durch Ankauf des Silberburggartens erheblich erweitert. Fortan orientierte man sich noch strikter an den Gestaltungsprinzipien des Gartenkünstlers Herman von Pückler-Muskau. Der schrieb damals: "Ich stimme ganz den Engländern bei, die jeden Park sehr sorgfältig begränzen. Ein von dichtem Wald oder unzugänglichen Felsen eingeschlossenes Thal, eine von Wasser umflutete Insel geben uns ein Gefühl der Heimlichkeit, gewissermaßen des vollständigen Besitzes, der größern Sicherheit gegen jedes Eindringende, Störende, das uns die Schönheit der Umgebung mit doppelter Behaglichkeit genießen lässt – und ebenso muss in einem Park das Vorhandensein einer schützenden Mauer oder Zauns schon als etwas höchst Zweckmäßiges, ja nicht selten Notwendiges,  zum ruhigen und sichern Genuss willkommen seyn." (Hermann Fürst Pückler-Muskau, Andeutungen über Landschaftsgärtnerei.)
3. Abschnitt „Umschließung“, Seite 33 bis 35 ,Verlag Birkhauser, Basel