Unfall bei Bad Imnau
: Geldbuße und Fahrverbot für Führerscheinneuling

Im August vor einem Jahr hat sich mitten in Bad Imnau ein spektakulärer Verkehrsunfall ereignet. Jetzt brachte das Amtsgericht Balingen Licht in die Sache.
Von
Thomas Kost
Haigerloch
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Der Unfall im August 2026 mitten in der Nacht in Bad Imnau löste einen größeren Feuerwehreinsatz aus.

Der Unfall im August 2026 mitten in der Nacht in Bad Imnau löste einen größeren Feuerwehreinsatz aus.

Gunar Haid
  • Amtsgericht Balingen verhängte 1200 Euro Geldbuße und zwei Monate Fahrverbot.
  • Unfall geschah in Bad Imnau mitten in der Nacht auf der abschüssigen Kurstraße.
  • Ein roter VW Golf überschlug sich ohne Fremdbeteiligung und blieb auf dem Dach liegen.
  • Vier junge Männer im Auto: zwei leicht verletzt, ein Mitfahrer mit schwerem Armbruch.
  • Ursache laut Angeklagtem: Unerfahrenheit und Verwechslung eines Feldwegs mit der Hauptstraße.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Alle Einsatzkräfte, die in jener Nacht am 22. August 2025 gegen etwa 23.15 Uhr zur Unfallstelle eilten, um Hilfe zu leisten, dürften zunächst einmal ziemlich erstaunt gewesen sein. Unweit des Bad Imnauer Vereinsschuppens und etwas unterhalb des Gasthauses Eyachperle lag mitten auf der abschüssigen Kurstraße ein roter VW Golf älteren Baujahrs auf dem Dach.
In ihm befanden sich vier junge Erwachsene, alles Männer im Alter zwischen 17 und 28 Jahren.

Wie aber kann ein Auto sich mitten in der Ortschaft einfach so überschlagen, zumal keinerlei anderes Fahrzeug an dem Unfall beteiligt war? Im Polizeibericht nach dem Unfall war davon die Rede, dass der damals 18-jährige Fahrer aufgrund überhöhter Geschwindigkeit die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren habe.

Golf bleibt auf dem Dach liegen

Der aus Fahrtrichtung Wachendorf kommende Golf kollidierte zunächst unterhalb der „Eyachperle“ mit einer niedrigen Steinmauer am rechten Straßenrand. Die hebelte das Auto regelrecht aus und schleuderte es auf die andere Straßenseite, wo es einen der im Steilhang stehenden Bäume traf. Der Golf überschlug sich dabei, rutschte – auf dem Dach liegend – mehrere Meter auf der gegenüberliegenden Straßenseite weiter und kam schließlich etwa 50 Meter oberhalb des Imnauer Vereinsschuppens zum Stillstand.

Der spektakuläre Unfall blieb für die Fahrzeuginsassen nicht ohne Folgen: Während der Fahrer und der Beifahrer noch mit relativ leichten Verletzungen davon kamen, erwischte es die beiden Mitfahrer auf dem Rücksitz schwerer. Am schlimmsten einen heute 19-Jährigen. Er trug einen offenen Trümmerbruch am Arm davon, und musste mit dem Rettungshubschrauber in die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik nach Tübingen geflogen werden. Nach mehreren größeren und kleineren chirurgischen Eingriffen ist er bis heute in physiotherapeutischer Behandlung und arbeitsunfähig, und sein Arm wird möglicherweise nie mehr ganz so funktionieren wie vor dem Unfall.

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Auto Totalschaden

Es gab also genügend Fragen, die Richterin Ruth Rosauer der Verhandlung am Balinger Amtsgericht zu klären hatte. Zum Beispiel: War tatsächlich deutlich überhöhte Geschwindigkeit der Grund für den Unfall, so wie es der Polizeibericht vermittelt? Er wisse nicht mehr, wie schnell er gefahren sei, erklärte der Unfallverursacher, der aus dem Landkreis Tübingen stammt. Der schwer verletzte Mitfahrer im Fonds erinnerte sich allerdings im Zeugenstand, dass man „recht schnell“ unterwegs gewesen sei. Viel tiefer ins Detail über das vermeintliche Tempo des Fahrzeuges ging man aber nicht.

Alkohol oder Drogen waren ebenfalls nicht im Spiel. Stattdessen führten der Angeklagte und dessen Anwalt die Ursache für den Unfall eher auf eine gewisse Unerfahrenheit zurück – der junge Fahrer hatte damals erst wenige Wochen den Autoführerschein.

Er habe den leicht links hoch gehenden Panoramaweg (ein ungeteerter Feldweg) mit der Hauptstraße verwechselt, schilderte der junge Fahrer der Richterin den Moment, der die Kettenreaktion auslöste: „Ich habe gedacht, es geht geradeaus, dann ging es doch rechts und ich habe einfach zu spät reagiert“. Das Auto, das übrigens seinem Bruder gehörte, war danach Totalschaden (8000 Euro), aber auch am Flurstück entstand ein Schaden von 2000 Euro – insgesamt also 10.000 Euro.

Froh über glimpflichen Ausgang

Auf jeden Fall hat ihm die Sache gehörig zu schaffen gemacht. „Ich habe einen Monat lang schlecht geschlafen und Albträume gehabt“, sagte der Unfallfahrer der Richterin. Die Freundschaft zwischen den vier Fahrzeuginsassen hat unter dem schweren Vorfall jedoch nicht gelitten. Seine Kumpels hätten keinen Strafantrag gestellt, sondern den Unfall mit den Worten „Das kann jedem mal passieren“ akzeptiert. Sie seien alle noch Kumpels, meinte auch der Zeuge.

Am Ende beließ es die Richterin bei einer Geldbuße von 30 Euro zu 40 Tagessätzen, also 1200 Euro, und einem zweimonatigen Fahrverbot. Das entsprach weitgehend den Forderungen der Staatsanwältin. „Wir können alle froh sein, dass der Unfall nicht schlimmer abging“, meinte sie. Der Verteidiger hatte eine geringere Geldbuße gefordert und den Verzicht auf ein Fahrverbot, weil sein junger Mandant schließlich auch die Möglichkeit haben müsse, zu seiner Ausbildungsstelle zu kommen.

Das Gerichtsverfahren

Warum kam es überhaupt zur Verhandlung des Unfalls am Amtsgericht in Balingen? Diese Frage ist schnell beantwortet. Der Angeklagte hatte im März 2026 wegen des Unfalls einen Strafbefehl zugestellt bekommen, diesem hatte er widersprochen. Ein Strafbefehl ist ein schriftliches Urteil im deutschen Strafrecht, das von der Staatsanwaltschaft beantragt und von einem Richter ohne eine mündliche Gerichtsverhandlung erlassen wird. Er wird bei leichteren Straftaten eingesetzt, um das Verfahren schnell und unkompliziert zu beenden. Wenn der Beschuldigte nicht innerhalb von zwei Wochen Einspruch einlegt, wird der Strafbefehl rechtskräftig und hat die gleichen Wirkungen wie ein Gerichtsurteil.