Trigema Burladingen: Bei Grupps gibt es keine Weihnachtsgeschenke

Wolfgang Grupps Credo, dass er in der SWR-Diskussionsrunde wiederholte: Man darf als Unternehmer reich sein, muss aber die Verantwortung für seine Entscheidungen übernehmen.
Bernd Weißbrod/dpa- Diskussion im SWR: Wolfgang Grupp betont Unternehmerverantwortung und Ablehnung von Reichensteuer.
- Grupp: „Reichtum ist keine Schande, aber verpflichtet.“
- Weihnachten: Familie Grupp verzichtet auf Geschenke, schätzt Zusammensein.
- Hummel fordert Straffung von Bürgergeld für arbeitsfähige Empfänger.
- Grupp kritisiert Insolvenzpolitik und fordert Vorstandsverantwortung bei Unternehmen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die soziale Schere klafft immer weiter auseinander, es gibt viele Reiche und sehr viele Arme in der Bundesrepublik. Das zeigt sich gerade an Weihnachten. Was ist zu tun – lautete die Frage in der SWR-Talk-Sendung „Zur Sache“. Neben Sandra Schlensog, einer allein erziehenden Mutter, die krankheitsbedingt nur einem kleinen Job nachgehen kann und Bürgergeld empfängt, diskutierte Bundestagsmitglied Katja Mast mit, Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD, außerdem Florian Hummel, Landesvorsitzender der Jungen Union, und Wolfgang Grupp, vormals Geschäftsführer der Firma Trigema in Burladingen, heute ihr Berater.
Nett beieinander ist Weihnachten genug
Dabei kam auch die Frage an Wolfgang Grupp auf, was in seiner Familie zu Weihnachten verschenkt werde? Die Antwort: Nichts! „Wir freuen uns, dass wir zusammensitzen können und dass die Familie zusammen ist. Aber Geschenke haben wir schon lange nicht mehr gemacht, weil man gesagt hat, man hat alles, was braucht. Wir sitzen nett zusammen, haben ein gemeinsames Essen und irgendwo ist das Weihnachten genug.“
Sandra Schlensog berichtete aus ihren Erfahrungen und bedauerte, ihrem 16-jährigen Sohn zu Weihnachten nicht mehr bieten zu können. Das Geld für ein Geschenk spare sie sich das Jahr über zusammen. Etwa 15 Euro pro Monat seien drin.
Florian Hummel sah das Problem der zunehmenden Armut darin, dass Familien heute kein Vermögen mehr aufbauen können, auch wenn sie hart arbeiten. Es müsse auch darum gehen, 1,5 Millionen Bürgergeldempfänger, die arbeiten könnten, wieder in die Arbeit zu bringen.
Katja Mast hielt dagegen, das sei einfach gesagt, aber problematisch, etwa Langzeitarbeitslose wieder in ein geregeltes Arbeitsverhältnis zu bringen.
Bürgergeld kürzen oder streichen
Hummel wiederum plädierte dafür, den unverschuldet in die Arbeitslosigkeit geratenen, Bürgergeld zu bezahlen, es denen, die einem Erwerb nicht nachgehen, aber es durchaus könnten, zu streichen oder zu kürzen.
Die Frage, ob er glaube, die Menschen durch sein Vorbild angespornt zu haben, bejahte Wolfgang Grupp: „Das nehme ich sicher an.“ Wichtig sei aber zu wissen: „Reichtum ist nicht nur eine Sache, dass man reich ist, sondern Reichtum verpflichtet auch.“
Konsequent wie immer forderte er, die deutschen Unternehmer in die Verantwortung zurückbringen. „Es kann nicht sein, dass die Politik zulässt, dass man heute problemlos Insolvenz macht. Wer Insolvenz macht, der kann vorher problemlos kassieren und die Mitarbeiter werden auf die Straße geworfen und er bleibt Millionär. Wir brauchen die Verantwortung und Haftung zurück. Wenn einer Fehler macht, dann soll er dafür einstehen. Er kann nicht so lange es gut geht kassieren und wenn es schlecht läuft, darf der Steuerzahler bezahlen.“
Grupp und seine Nachfolger haften bekanntlich mit ihrem Privatvermögen im Falle einer Schieflage oder Insolvenz des familieneigenen Textilbetriebes: „Wenn was schiefläuft, müssen meine Kinder zuerst mit allem Privatvermögen haften, bevor der Steuerzahler bezahlt. Wir bezahlen aber die gleiche Steuer wie jeder, der eine GmbH hat. Das ist nicht in Ordnung.“
Zugleich wandte sich Grupp gegen eine Reichensteuer: „Wir dürfen die Leistungsträger nicht so behandeln, dass sie am Schluss sagen, ich wandere aus Deutschland ab und investiere irgendwo anders.“ Mittelständische, erfolgreiche Unternehmer, die Tausende Arbeitsplätze im Land sichern, dürfe man nicht stärker zur Kasse bitten.
Beispiel VW: Vorstände sollen geradestehen
„Wir müssen die, die solange es gut geht, kassieren und wenn es schlecht geht hinschmeißen – die müssen wir einbinden und ihnen sagen: So kann es nicht sein. Wenn ich bei VW sehe, dass man Werke schließen will und den Arbeitern die Löhne um 10 Prozent kürzen will, da frage ich: Warum kommt man eigentlich nicht und fragt, wer für die Fehler geradestehen muss? Hat man mal die Gehälter von den Vorständen unter die Lupe genommen? Oder die Aktionäre, die jahrzehntelang Dividenden bekommen? Die könnte man doch mal fragen, ob sie die Firma etwas stärken, indem sie etwas zurückgeben – bevor man den Arbeitern an die Löhne geht. Die, welche die entscheidenden Fehler machen, die können nicht dafür Millionengehälter bekommen.“
Auch der Alt-Unternehmer sah es, an Florian Hummel anknüpfend so, dass diejenigen, Bürgergeldempfänger, die arbeiten können, in die Arbeit zurückgeführt werden. „Das ist ganz wichtig.“
Wenn er ein Weihnachtsgeschenk machen dürfte, würde er das Bürgergeld erhöhen oder lieber den Spitzensteuersatz senken? Grupp: „Das Bürgergeld zu erhöhen überlasse ich der Politik. Wenn es notwendig und angebracht ist – ja. Den Spitzensteuersatz senken würde ich für diejenigen, die 100 Prozent haften für das, was sie tun. Dann würde ich denen den halben Steuersatz geben, damit die noch mehr, arbeiten, noch mehr leisten und Deutschland noch mehr davon profitiert.“



