Trigema Burladingen
: Bonita Grupp zur Situation syrischer Flüchtlinge

Sofortige Rückkehr erscheint der Mitgeschäftsführerin unrealistisch. Davon unabhängig sei ihr Betrieb auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen.
Von
Matthias Badura
Burladingen
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Bonita Grupp sieht es wie ihr Vater: Die Vier–Tage–Woche sei nichts für Trigema.

Bonita Grupp

Der Burladinger Textilhersteller Trigema beschäftigt Menschen aus 40 Nationen. Darunter 25 aus Syrien. Ihr sofortiger Rückzug wäre für das Unternehmen schwierig zu verkraften – sagt Mitgeschäftsführerin Bonita Grupp.

Michael Sautter
  • Trigema beschäftigt 25 syrische Flüchtlinge, Rückkehr unrealistisch laut Mitgeschäftsführerin Bonita Grupp.
  • Unsicherheit in Syrien und Integration in Deutschland machen Rückkehr schwierig.
  • Verlust von 25 Näherinnen und Nähern wäre für Trigema problematisch.
  • Trigema bietet Deutschkurse an und fördert Integration, 35% der Mitarbeiter haben Migrationshintergrund.
  • AfD-Politiker Björn Höcke kritisiert Trigema für „Made in Germany“ und Vielfalt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Das syrische Regime ist gestürzt, können oder sollen alle in Deutschland lebenden Flüchtlinge aus Syrien umgehend in ihre Heimat zurückgeschickt werden? Die Frage wird kontrovers diskutiert. In dem deutschlandweit bekannten Burladinger Textilbetrieb Trigema arbeitet eine ganze Anzahl von Menschen aus dem Bürgerkriegsland. Das Magazin Capital befragte die Mitgeschäftsführerin Bonita Grupp, Tochter von Wolfgang Grupp, was sie von solchen Forderungen und Vorschlägen hält, etwa von der Idee Jens Spahns, pro Kopf 1000 Euro Rückkehrprämie zu zahlen.

Unklar wie es in Syrien weitergeht

Bonita Grupp: „Mit Verwunderung. Es ist ja noch völlig unklar, wie es in Syrien weitergeht und wie sich die Lage für Minderheiten und Frauen entwickeln wird. Ich finde es schwierig, so schnell davon auszugehen, dass die Menschen nach Syrien zurückkehren können oder wollen. Viele haben sich hier in Deutschland vollends integriert.“

Bei Trigema, berichtete Bonita Grupp, arbeiten 25 Personen syrischer Herkunft als Drucker, in der Logistik und als Näherinnen und Näher, davon hätten mittlerweile 20 Prozent die deutsche Staatsbürgerschaft erworben. „Manche sind schon seit 2016 bei uns. Bisher habe ich von niemanden gehört, der überlegt, so bald wie möglich zurückzugehen. Einige haben auch Kinder, die hier in die Schule gehen. Ich gehe nicht davon aus, dass sie Deutschland schnell verlassen wollen.“

Hoher Bedarf an Näherinnen und Nähern

Zahlenmäßig wäre der Verlust der 25 Personen bei einer Gesamtbeschäftigtenzahl von 1200 nicht sonderlich groß, doch Ersatz für qualifizierte Näherinnen und Näher zu finden sei extrem schwierig. „Viele unserer syrischen Mitarbeiter stammen aus der Gegend von Aleppo, das ist eine Textilregion. Die meisten haben nicht bei uns gelernt, sondern kamen schon mit Erfahrung in diversen Nähschritten zu Trigema. Es wäre also schon ein herber Verlust, auf sie verzichten zu müssen“, wird die Mitgeschäftsführerin zitiert.

Vermittelt wurden die Arbeitskräfte der Firma über Flüchtlingshelfer. Später hätten sie Verwandte und Bekannte nachgeholt. „In Stellenanzeigen schreiben wir immer dazu, dass sich auch gerne Geflüchtete bewerben können. Mittlerweile haben wir dafür unsere eigenen Prozesse und wissen, worauf wir bei Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis achten müssen. Wir bieten im Unternehmen auch Deutschkurse an.“ Die Integration bei Trigema funktioniere gut, sagt die 35-Jährige. Insgesamt seien Menschen aus 40 Nationen im Unternehmen beschäftigt.

Rechtsaußen-Höcke greift Firmen an

Kürzlich wurden Firma, die sich zur Initiative „Made in Germany. Made by Vielfalt.“ zusammengetan hatten, vom AfD-Rechtsaußen Björn Höcke verbal angegriffen. Er wünschte den Unternehmen, darunter Trigema, „schwere wirtschaftliche Turbulenzen“. Trigema wird daneben für sein Signum „Made in Germany“ kritisiert. Dabei beschäftige die Firma doch zahlreiche Menschen mit Migrationsgeschichte. 
Bonita Grupp: „Was Herr Höcke gesagt hat, konnte ich zuerst kaum glauben.“ Es gebe Menschen, die„ leider“ denken, dass „Made in Germany“ eigentlich „Made by Germans“ bedeute. „Das ist aber nicht der Fall und war es übrigens auch nie. Heute haben 35 Prozent unserer Mitarbeiter einen Migrationshintergrund. Ohne diese Fachkräfte könnten wir unsere Produktion nicht aufrechterhalten – so wie viele andere Unternehmen auch.“

Ebenso hatte Wolfgang Grupp Senior immer wieder betont, wer arbeiten wolle, sich einfüge und seine Arbeit gut verrichte, der werde auch in die Trigema „Betriebsfamilie“ aufgenommen.