Tradition Haigerloch-Hart
: Das gab es noch nie: Keine Bürgerloable zum Kirchenpatrozinium!

Alte Bräuche wollen gepflegt sein. Da schmerzt es, wenn die Weckle nach dem Kirchgang fehlen. In Hart mussten sie erst neu bestellt werden.
Von
Wilfried Selinka
Haigerloch
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Endlich da! In Hart gab es die Bürgerloable, die heute ganz gewöhnliche Wasserwecken sind, am Sonntag erst mit deutlicher Verspätung. Das dürfte erstmals in der Kirchengeschichte passiert sein.

Endlich da! In Hart gab es die Bürgerloable, die heute ganz gewöhnliche Wasserwecken sind, am Sonntag erst mit deutlicher Verspätung. Das dürfte erstmals in der Kirchengeschichte passiert sein.

Wilfried Selinka

Das gab es wohl noch nie: Erst mit halbstündiger Verspätung konnte das Gebäck nach dem Gottesdienst zum Kirchenpatrozinium durch die Ortschaftsräte verteilt werden.

Die Pfarrgemeinde und die politische Gemeinde Hart begingen am Sonntag wie immer in dieser diese Zeit das Fest des Kirchenpatrons Johannes Enthauptung. Damit verband die Ortschaftsverwaltung wie immer die Verteilung der gesegneten Bürgerloable an die Bürgerschaft. Doch in diesem Jahr war ein Malheur passiert, denn nach dem Gottesdienst waren die „Loable“ vom zuständigen Bäcker aus Rangendingen nicht angeliefert worden. Da war guter Rat teuer.

Emsiges Telefonieren durch Ortsvorsteher Thomas Bieger half nichts, denn bei der zuständigen Bäckerei, obwohl die Loable bestellt waren, war niemand zu erreichen. Zum Glück gibt es in Rangendingen mit Padeffke noch eine andere Verkaufsstelle für Backwaren. Dorthin machten sich zwei Ortschaftsräte auf den Weg und brachten mit rund halbstündiger Verspätung doch noch genügend Bürgerloable herbei, sodass sie  verteilt werden konnten.

Es muss noch jemand einspringen

Knapp war es auch auf Kirchenseite: Da Pfarrer Michael Storost, der den Patroziniumsgottesdienst zelebrierte, in Haigerloch einen weiteren Gottesdienst zu absolvieren hatte, sprang die Harter Wortgottesdienstleiterin Melanie Mesam ein und segnete die inzwischen in drei Kartons bereitstehenden „Bürgerloable“ (heute sind dies übrigens Wasserwecken).

Die Wortgottesdienstleiterin Melanie Mesam erhielt die beiden ersten Bürgerloable. Sie wurden überreicht vom stellvertretenden Ortsvorsteher Michael Schill und Ortschaftsrat Fabian Mesam.

Die Wortgottesdienstleiterin Melanie Mesam erhielt die beiden ersten Bürgerloable. Sie wurden überreicht vom stellvertretenden Ortsvorsteher Michael Schill und Ortschaftsrat Fabian Mesam.

Wilfried Selinka

Ortsvorsteher Thomas Bieger hatte an die Stiftung der Bürgerloable aus dem 17. Jahrhundert erinnert, die allen Bürgern und auch den Kindern ohne Rücksicht auf ihre Nationalität und Religionszugehörigkeit zusteht. Mit der Ausgabe des Bürgerloable sollten sich die Anwesenden auch daran erinnern, dass das tägliche Brot etwas Elementares ist, früher als täglichen Mahlzeit galt  und heute nicht allen Menschen in der Welt zur Verfügung steht. Dies würden auch tagtäglich die Folgen des Krieges in der Ukraine und solche der durch Klimaveränderungen mit ausbleibendem Regen und nachfolgender verheerender Dürre deutlich aufzeigen. Mit einem gemeinsamen „Vater unser“ wurde für die eingebrachte Ernte gedankt.

Nach althergebrachtem Modus

Der stellvertretender Ortsvorsteher Michael Schill überreichte zusammen mit Ortschaftsrat Fabian Mesam das erste „Loable“ an Melanie Mesam. Ortsvorsteher Thomas Bieger dankte gleichzeitig für die vorangegangene Segnung. Anschließend verlas er die Namen der Empfangsberechtigten nach folgendem Modus: Nachdem Adelbert Fechter, der letzte noch eingetragene Bürger, verstorben war, folgen die Witwen der verstorbenen und in der Bürgerliste geführten Bürger. Das Bürgerloable erhielten anschließend alle nicht in dieser Liste eingetragenen männlichen Bürger, und zwar bis in der Bürgertafel wieder die Gesamtzahl von 108 Personen erreicht ist. Weiterhin wurden bedacht die Gemeindebediensteten und die Buben und Mädchen bis zum 18. Geburtstag, bis insgesamt rund 250 Bürgerloable verteilt waren.

Mit Wurst und Limo

Das sogenannte „Kreuzlesbier“ erhielten nur Jugendliche im schulpflichtigen Alter, ebenfalls bis zum 18. Geburtstag. Sie bekamen das Loable, eine Wurst und ein alkoholfreies Erfrischungsgetränk  nach dem Gottesdienst im Sportheim. Den vorausgegangenen Gottesdienst zum Kirchenpatrozinium zelebrierte erstmals Pfarrer Michael Storost. Den Gemeindegesang begleitete Rosemarie Schoder an der Orgel.