Tag des offenen Denkmals: Wurde die Orangerie tiefergelegt? Stefan Walter lüftet das Geheimnis

Kann es wirklich sein? Wer die baufällige Orangerie noch von früher kennt, der staunte mächtig beim Gang durch den Nachfolgebau, der immerhin teilweise noch Holz und Mauersteine vom Vorgänger integriert hat. Das meaPuna-Team beantwortete fleißig alle Fragen: Nein, das hier war zuvor nur ein riesiger, leerer Raum. Die Zwischendecke für den oberen Stock wurde neu eingebaut.
Ernst Klett- Die Orangerie in Hechingen wurde nach 1,5 Jahren Bauzeit originalgetreu restauriert.
- Der Wiederaufbau orientierte sich am Zustand von 1837 und beseitigte spätere bauliche Änderungen.
- Der Saal kann für Veranstaltungen gemietet werden – große Resonanz beim „Tag des offenen Denkmals“.
- Historische Details wie Sandsteine und Fachwerkholz wurden integriert, Glasfront ergänzt.
- Tieferlegung von 30 cm entspricht ursprünglichem Zustand, Sockelsteine und Aufschüttungen wurden entfernt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ein Sonntagsauflauf in der Hechinger Oberstadt, wie er nicht alle Tage vorkommt. Menschen überall. In der St.-Jakobus-Kirche und im „Museum“ bei der endgültigen Verabschiedung von Dekan Michael Knaus, gleich neben der Stadthalle in der erstmals für die Öffentlichkeit geöffneten Orangerie von meaPuna und ebenso auf dem Obertorplatz, wo die Original Hechinger Lumpenmusik den Schauern trotzte und ein stattliches Publikum hatte. Wir wagen die Behauptung, dass überall mächtig etwas los war, der Tag des offenen Denkmals bei der Orangerie aber die größte Resonanz hatte.
Unter einem Denkmal, das zeigt der jährliche Aktionstag immer wieder, muss man sich nicht unbedingt nur halbverfallene Ruinen oder wertvolle Kirchen vorstellen. Auch die neue Orangerie, die mit der alten, die kurz vor dem Ineinanderfallen war, nicht gar so viel gemein hat, ist weiterhin ein Denkmal. Das zuständige Amt hat streng darauf geachtet.
Erst planen, dann machen
Stefan Walter, Geschäftsführer und Eigentümer der Hechinger Software-Entwickler und -Berater, die das einstige Gewächshaus aus dem Jahr 1837 vor annähernd zwei Jahren gekauft haben, erzählte bei zwei Vorträgen, was es alles zu beachten gilt. Das ist bekanntlich ganz, ganz viel. Aber dank Walter weiß man jetzt, falls man ebenfalls mal ein Denkmal kaufen will, worauf es ankommt: planen, planen, planen. Das war nämlich bestens erledigt, als es im Frühjahr 2024 zur Sache ging: Erst der Rückbau, dann ab September der Wiederaufbau, bis schließlich im Juni dieses Jahres glücklich eingezogen wurde. Eineinhalb Jahre für so ein Denkmalprojekt, das sei extrem sportlich, stellte Walter fest.
Der meaPuna-Chef enthielt sich seiner persönlichen Meinung, als er an die wahrscheinlich kniffligste Entscheidung erinnerte: Soll das Gebäude im ursprünglichen Zustand rekonstruiert werden, also als Gewächshaus, oder gilt das, was ab 1950 war? Damals passte sich das Sigmaringer Fürstenhaus, Eigentümer bis 1987, offenbar den zukünftigen Bedürfnissen an und wollte an den Bewohnern der Oberstadt durch die Vermietung von Garagen verdienen. Bis zuletzt war die Orangerie eben das: Eine großes, aber uraltes und vor allem nicht mehr nutzbares Parkhaus.

Hier sitzt man 30 Zentimeter tiefer als noch vor zwei Jahren: Der Saal der Orangerie war bis auf den letzten Stuhl gefüllt, als Stefan Walter über die Baugeschichte referierte. Den Saal kann man mieten für allerlei Feierlichkeiten.
Ernst KlettDas oder 1doch 837? Es wurde der Urzustand. Und deshalb hat die meaPuna-Niederlassung diese herrliche Glasfront. Auch wenn in Sigmaringen und Stuttgart die Archive durchsucht wurden, ist eine Fotografie aus dem Fundus von Otto Klaiber das offenbar älteste Zeugnis darüber, wie das fürstliche Gewächshaus einmal ausgesehen hat. Das Jahr der Aufnahme ist allerdings nicht bekannt.
Die Sache mit den Fenstern
Die Schwarzweißaufnahme, auch das erfuhr man beim Tag des offenen Denkmals, zeigt an den Fenstern Querstreben – die es eigentlich gar nicht gab. Sie hatten sich im Lauf der Jahre durch Staub, Schmutz und Moos herausgebildet. Dumm nur, dass sie auf dem Foto so gut zu sehen sind: Beim Neuaufbau mussten Querstreben als Sonderkonstruktion her! Immerhin: An der Innenseite konnten großflächige Fenster genommen werden. Aber eine Silberbeschichtung anbringen, damit die Sonne nicht so in den Saal knallt – „das wäre utopisch gewesen beim Denkmalamt“.

Arg viel ist nicht mehr übrig geblieben von der alten Orangerie. Aber die neue zeigt trotzdem noch einige originale Stücke. Neben etlichem Fachwerkholz schauen immer wieder Sandsteine aus den neuen Wänden.
Ernst KlettEin weiteres Geheimnis wurde am Sonntag gelüftet. Man könnte auch sagen, dass Stefan Walter Schluss machte mit einer Falschbehauptung, dies sich offenkundig hartnäckig hält im trauten Hechingen: „Nein, wir haben die Orangerie nicht tiefergelegt, und wir haben sie auch nicht höher gesetzt!“ Vielmehr hat meaPuna für den Originalzustand gesorgt und fürstliche Eingriffe revidiert. Ob die einst mit dem Denkmalschutz abgeklärt waren? Man lässt ja auch heute noch gern abholzen im Naturdenkmal Fürstengarten, ohne zu fragen.

Und wie habt Ihr das mit den Wänden gemacht? Bei meaPuna stand man am Sonntag munter Rede und Antwort, auch langjährigen Kommunalpolitikern.
Ernst KlettZum Tiefergelegten: Als vor 75 Jahren die Garagen eingebaut wurden, entfernten die damaligen Besitzer wegen der Toren die obersten beiden Sandsteinreihen, die den Sockel des Gebäudes bildeten. Nur die unterste blieb übrig, und um die Einfahrten überhaupt ebenerdig hinzukriegen, wurde drinnen und draußen aufgeschüttet. Eben das hat meaPuna wieder entfernt. Man ist im Gebäude also tatsächlich 30 Zenitmeter tiefer, als man es von der alten Orangerie her kennt, und auch der Vorplatz ist abgesenkt – aber das entspricht ganz der 1837-Vorgabe!

