Streit um Hohenzollern-Kunst: Preußen-Prinz verzichtet weitgehend, Kultursenator jubelt

Georg Friedrich Prinz von Preußen, der Mitbesitzer der Burg Hohenzollern, verzichtet nach Berichten der dpa wohl weitgehend auf die Rückgabe von Immobilien und Kunstgegenständen, die einst im Besitz des Hauses Preußen waren.
Jens Kalaene/dpa- Georg Friedrich Prinz von Preußen verzichtet weitgehend auf die Rückgabe von enteigneten Kunstschätzen und Immobilien.
- Die Objekte bleiben in Museen in Berlin und Brandenburg und werden in eine gemeinnützige Stiftung übertragen.
- Die Vereinbarung beendet einen jahrzehntelangen Streit um Eigentumsrechte und Besitzansprüche.
- Der Bund und die Bundesländer Berlin und Brandenburg unterstützen die Einigung.
- Einige Kunstobjekte bleiben im Eigentum der Hohenzollern.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Er gibt sich nicht nur gern volksnah, er ist es auch. Das hat Georg Friedrich Prinz von Preußen erst jetzt wieder gezeigt als Schirmherr des international und top besetzten Jugendfußfallturnier Bentley-Hohenzollern-Cup in Hechingen. Noch positiver dürfte in der Öffentlichkeit rüberkommen, dass der Preußen-Chef jetzt nach jahrelangen Juristereien auf die Rückgabe früherer Kunstschätze der Preußen verzichtet, die nach dem Zweiten Weltkrieg der Enteignungswelle der Sowjets zum Opfer fielen.
Tausende Kunstschätze aus dem früheren Kaiserhaus Hohenzollern bleiben auf Dauer in Museen in Berlin und Brandenburg zu sehen. So meldet es die Deutsche Presseagentur (dpa). Nach einem fast 100 Jahre andauernden Streit einigten sich demnach die Nachfahren des letzten deutschen Kaisers mit dem Bund und den beiden Bundesländern. Dies teilte der neue Kulturstaatsminister Wolfram Weimer in Berlin mit. Auffallend: Eine Stellungnahme des Hauses Preußen gibt es bislang nicht. Aber die HZ hat in Potsdam und auf der Burg darum gebeten – und ist gespannt.
Jubel bei den Kulturmachern
„Diese Einigung ist ein gewaltiger Erfolg für den Kulturstandort Deutschland und die kunstinteressierte Öffentlichkeit." So lässt sich Wolfram Weimer laut dpa zitieren. „100 Jahre lang gab es andauernde Unsicherheit über Objekte, die für die Kunst- und Sammlungsgeschichte Preußens und damit der deutschen Geschichte insgesamt zentral sind.“ Nach vertrauensvollen Gesprächen gebe es nun einen Durchbruch.
Tafelservice und Elfenbein
Es geht laut Deutscher Presseagentur um Kunstschätze wie das Bildnis Kurfürst Joachim I. von Brandenburg von Lucas Cranach dem Älteren, die barocken Elfenbeinmöbel des Großen Kurfürsten aus dem Besitz von Johann Moritz von Nassau-Siegen oder das Tafelservice für das 1750 von Friedrich II. erworbene Breslauer Stadtschloss. Insgesamt sollen es 27.000 Stücke sein, wie der „Tagesspiegel“ meldete. Um Eigentumsrechte und Besitzansprüche wurde seit 1926 gestritten.

Nach der Einigung in Berlin und Brandenburg kann sich Georg Friedrich Prinz von Preußen ganz auf die Burg Hohenzollern konzentrieren. Die wird seit geraumer Zeit kostspielig saniert, wofür der Bund nicht geringe Zuschüsse gibt.
Jens Ottoson/FotoliaDie Vorgeschichte: Mit der Ausrufung der Weimarer Republik und der Abdankung von Kaiser Wilhelm II. war die Monarchie in Deutschland 1918 beendet. Das Vermögen der Hohenzollern wurde beschlagnahmt. 1926 wurde per Vertrag eine Vermögensregelung zwischen dem damaligen Staat Preußen und den Hohenzollern getroffen, wem was gehört. Dennoch blieb Rechtsunsicherheit.
Ansprüche erhoben
Das Haus Hohenzollern – Chef ist Georg Friedrich Prinz von Preußen als Ururenkel des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. – erhob Ansprüche auf tausende Kunstwerke, die sich heute in Museen befinden. Das Haus Hohenzollern verhandelte seit 2014 mit dem Bund und den beiden Bundesländern Berlin und Brandenburg über die Eigentumsfrage. Daneben forderten die Hohenzollern auch Entschädigungen für enteignete Schlösser und Inventar in Millionenhöhe. Während es Gerichtsverfahren gab, stockten die Verhandlungen. Doch 2023 wurden entsprechende Klagen zurückgezogen. Als die Prozesse beendet oder ausgeräumt waren, begannen im Herbst 2024 wieder Gespräche.
Gemeinnützige Stiftung
Die Lösung besteht nun nach Weimers Angaben darin, dass alle Objekte vor allem des ehemaligen Hohenzollernmuseums in eine gemeinsame gemeinnützige „Stiftung Hohenzollern'scher Kunstbesitz“ übertragen werden. Im Stiftungsrat hat die öffentliche Hand sechs Vertreter und das Haus Hohenzollern drei. Die „Herausgabeansprüche“ der Hohenzollern gehen an die neue Stiftung über.
Physisch bleiben die bedeutsamen Kunstgegenstände in den Sammlungen der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG), der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) und im Deutsches Historischen Museum (DHM) in Berlin. Besucherinnen und Besucher können sie dort also weiter in Ausstellungen sehen. Neu ist, dass die rechtliche Unsicherheit ausgeräumt ist.
Tabakdosen im Eigentum der Hohenzollern
Für einige Stücke gibt es gesonderte Absprachen, so etwa bei sieben sogenannten Tabatieren. Das sind prächtig verzierte Tabakdosen. Von diesen sei gutachterlich ermittelt worden, dass sie im Eigentum der Hohenzollern stehen, heißt es in Weimers Mitteilung. Die Hohenzollern hätten sich aber bereit erklärt, zwei davon als Dauerleihgabe der öffentlichen Hand zu überlassen.
Großes Aufatmen bei der Politik
„Durch diese Einigung haben wir einen Streit beigelegt, der viele Jahre beide Seiten Zeit, Geld und Kraft gekostet hat“, erklärte Weimer. „Ich werde mich deshalb in den Gremien dafür einsetzen, dass wir diese Vereinbarung zum Abschluss bringen.“ Die Einigung tritt den Angaben zufolge erst in Kraft, wenn die Aufsichtsgremien der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und des Deutschen Historischen Museums zugestimmt haben. Diese tagen in den kommenden Wochen.
Berichte über eine mögliche Einigung gab es schon in den vergangenen Tagen. Ein Sprecher des Kulturministeriums Brandenburg hatte eine „Übereinkunft“ bestätigt, aber keine Details genannt. Ein Sprecher von Georg Friedrich Prinz von Preußen als Oberhaupt der Familie sagte auf Anfrage, man wolle dies nicht weiter kommentieren.

