Duckomenta Hechingen eröffnet
: Fürstin Eugenie mit Schnabel – frech, aber sehr apart

In Bremen ist die Kunstausstellung mit herrlich integrierten Comic-Enten so erfolgreich, dass sie um sieben Monate verlängert worden ist. Da schaut man gespannt auf die parallele Präsentation in der Zollernstadt.
Von
Ernst Klett
Hechingen
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Fürstin Eugenie von Hohenzollern-Hechingen, die letzte ihres Standes und als Wohltäterin gerühmt, ist in der Hechinger Duckomenta extra für diese Ausstellung neu gemalt worden. Aber entsprechend verfremdet. Enthüllt haben das Extra der Schau im Hohenzollerischen Landesmuseum (von links) Bürgermeister Philipp Hahn, Museumsleiter David Hendel, InterDuck-Chefin Anke Doepner und der Künstler und InterDuck-Gesellschafter ........................................................

Fürstin Eugenie von Hohenzollern-Hechingen, die Letzte ihres Standes und als Wohltäterin gerühmt, ist in der Hechinger Duckomenta extra für diese Ausstellung neu gemalt worden. Aber entsprechend verfremdet. Enthüllt haben das lokale Extra der Schau im Hohenzollerischen Landesmuseum (von links) Bürgermeister Philipp Hahn, Museumsleiter David Hendel, InterDuck-Chefin Anke Doepner und der Eugenie-Künstler und InterDuck-Gesellschafter Rüdiger Stanko.

Ernst Klett
  • Ausstellung "Duckomenta" in Hechingen zeigt Comic-Enten in berühmten Kunstwerken.
  • Die Schau wurde von Fürstin Eugenie von Hohenzollern-Hechingen eröffnet.
  • Duckomenta wurde in Bremen um sieben Monate verlängert; bisher 2 Millionen Besucher.
  • Ursprung: Kunsthochschule Braunschweig, 1986 erste Ausstellung.
  • Öffnungszeiten: Do 14-18 Uhr, Fr 14-17 Uhr, Sa-So 13-17 Uhr.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es war spannend: Was würde sich unter diesem roten Stoff verbergen? Neben dem Rednerpult thronte bei der Eröffnung der 84. Einzelausstellung mit der so erfolgreichen Entenkunst eine größere Stellage, die umfassend verhüllt war. Ein Gemälde? Eine Skulptur? Mit beidem kann die Schau reichlich dienen: Das Museum im Alten Schloß ist auf drei Etagen vollgestopft mit spannender, herrlich verfremdeter Kunst. Könnte es die Burg mit Donald Ducks Matrosenmütze am Fahnenmast sein? Oder gar einer der Preußenkönige mit Bürzel? Nein. Es gab nur sie: Fürstin Eugenie! Allerdings passend zur Duckomenta nach einem historischen Portrait neu gemalt – mit Entenschnabel. Das mag gewagt sein. Das Ergebnis freilich ist beispielhaft: gelungen und unterhaltsam.

Anders als die vielen, vielen anderen Exponate der Zollernstadt-Duckomenta, wird das jüngste Gemälde mit der letzten Hechinger Regentin im Hohenzollerischen Landesmuseum bleiben. Das ist einer der vielen Gags, die sich rund um die seit 1986 durch Deutschland und Europa tourende Ausstellung ranken: Jeder Ort bekommt extra ein für ihn passendes Schnabelwerk vermacht.

Duckomenta-Chefin gibt Einblick

Wer sich wundert, wie um alles in der Welt Comics aus der Disney-Welt zur hohen Kunst passen mögen, der wird nach einem unbedingt empfehlenswerten Besuch im Alten Schloß keine Fragen mehr stellen, sondern durchweg begeistert sein. Das behaupten wir jetzt einfach mal, und die Besucherzahlen der Duckomenta packen wir gleich mit dazu: annähernd zwei Millionen in knapp 40 Jahren!

Schauen und auf jeden Fall auch fotografieren: Schon die Vernissagenbesucher wussten, wie mit der Duckomenta umzugehen.

Schauen und auf jeden Fall auch fotografieren: Schon die Vernissagenbesucher wussten, wie mit der Duckomenta umzugehen.

Ernst Klett

Ulrike Doepner, die Geschäftsführerin der InterDuck-GmbH, erzählte bei der Eröffnung vor vollstem Hause ein weiteres Mal, wie alles gekommen war. Anfang der 80er-Jahre hatten Studenten der Kunsthochschule Braunschweig von ihrem damaligen Professor Eckhart Bauer (später geschäftsführendes Gründungsmitglied) die Aufgabe bekommen, weltberühmte Kunstwerke nachzumalen, aber stets mit einem großen Touch Entenhausen, also der legendären Comic-Familie Duck.

Comics? Igitt!

Diese Fingerübungen, so Ulrike Doepner, seien damals an der Hochschule nicht gern gesehen gewesen. Comics haftete noch immer der Beigeschmack des Schmuddeligen an. Davon ließen sich die begeisterten jungen Künstlerherrschaften nicht beeindrucken: Mit 30 heimlich entstandenen Enten-Meistern nahm man 1986 am Comicsalon Erlangen teil. "Da fing es an", erinnerte Ulrike Doepner. Bis 1997 war man als eine Sparte der Erfolgsschau "Überall ist Entenhausen"  auf Tournee. Doepner wagte dann denn großen Schritt, gründete eine GmbH, und seither schreibt die Duckomenta Erfolgsgeschichte um Erfolgsgeschichte.

Auch ehemalige Stadträte haben eine Comic-Vergangenheit. Manfred König macht auf jeden Fall genau diesen Eindruck.

Auch ehemalige Stadträte haben eine Comic-Vergangenheit. Manfred König macht auf jeden Fall genau diesen Eindruck.

Ernst Klett

Hechingen ist die Nummer 84 der Gastspiele in großen und kleinen Städten in bald vier Jahrzehnten. Regelmäßig liefern die Mitglieder neue Entenwerke. Ulrike Doepner versicherte: "Die Ente hat bei uns kein Ende!" Dabei ist der vermeintliche Spaß eine schweißtreibende Arbeit, wie die InterDucks betonen. Der Künstler muss sich jedes Mal penibel in die Technik des Originals vertiefen. Das kann Wochen dauern und ist entsprechend teuer. Bis auf verdächtige Schnäbel oder Watschelbeine gleichen die Entenarbeiten den ursprünglichen Werken bis ins Detail. Der Bestand der Duckomenta liegt mittlerweile bei über 700 Exponaten.

Gar seltsame Gestalten sind dem niederländischen Mittelalterkünstler Hieronymus Bosch da aufs Bild gelangt. Oder sollte es sich doch nicht um das Original handeln? Wer mehr wissen will, lese den Begleittext.

Gar seltsame Gestalten sind dem niederländischen Mittelalterkünstler Hieronymus Bosch aufs Bild gelangt. Oder sollte es sich doch nicht um das Original handeln? Wer mehr wissen will, lese den Begleittext.

Ernst Klett

In Bremen wird spektakulär verlängert

Der Erfolg will partout nicht nachlassen. In Bremen hätte jetzt im Mai ein Ende sein sollen. Aber die Ausstellung wird weiterhin gestürmt – und ist deshalb um sieben Monate verlängert worden. Die Duckomenta macht unheimlich viel Spaß, sie ist aber auch lehrreich. Die Schau senkt die Schwellenängste, die sonst vor Museen und Galerien herrschen, mühelos. Wenn das nicht die absolut passende Ausstellung fürs Hohenzollerische Landesmuseum ist, das sich mit den Besucherzahlen immer mehr als etwas schwertut!

Donnerstags bis sonntags

Die Öffnungszeiten der Duckomenta sind die des Landesmuseums: donnerstags 14 bis 18 Uhr, freitags 14 bis 17 Uhr, samstags und sonntags 13 bis 17 Uhr. Erwachsene zahlen acht Euro Eintritt. Die ermäßigten Preise sind fünf Euro, Kinder bis acht Jahren sind frei. Es gibt Familienkarten und Gruppentarife. Mehr darüber und alles Weitere zur Duckomenta, auch Führungen und das umfangreiche Begleitprogramm, unter www.hzl-museum.de.

Nanu? Karl Lagerfeld zwar mit Sonnenbrille und grauem Haar, aber um den Mund herum hat sich der Modepapst aber sehr verändert, oder?

Nanu? Karl Lagerfeld zwar mit Sonnenbrille und grauem Haar, aber um den Mund herum hat sich der Modepapst sehr verändert, oder?

Ernst Klett

Enorme Hoffnungen auf die Sonderschau setzt denn auch Museumsleiter David Hensel. Der nutzte sein Grußwort, um seinem Team für die heftige Aufbauarbeit der zurückliegenden Wochen extra zu danken. Ihm wiederum muss die Hand geschüttelt werden, dass er beim Nordsee-Urlaub 2018 in Emden auf die Duckomenta gestoßen ist und hartnäckig an Hechingen als Ausstellungsort festgehalten hat. Es ist ihm zu wünschen, dass die erhofften Besucherstürme kommen.

Auch im Barock-Geschoss: Enten, Enten, Enten

Das Hohenzollerische Landesmuseum ist nicht mehr wiederzuerkennen: Auf insgesamt drei Stockwerken kann man sich an den Duckomenta-Exponaten erfreuen. Inbegriffen sind das Kellergewölbe mit der Prähistorie (und auch dort passenden Entenwerken) genauso wie die Dauerausstellung in der Etage darüber, inklusive der Räume für Sonderpräsentationen. Und auch das zweite Obergeschoss, gewidmet der Barockzeit, ist mit Enten-Allerlei garniert.

Wo ist der nächste Schnabel?

Die Ausstellung im "Hozolamu" ist mit großem Kennerblick gestaltet. Es macht mächtig Spaß, durch die Räume zu wandeln, und immer wieder auf einen anderen Schnabel zu stoßen. Wer nicht gar so kunstbeflissen ist, dem weisen Aufkleber den richtigen Weg: Das gehört zur Duckomenta, nicht zum Landesmuseum!

Mozart, Brahms, Gershwin, aber auch der Ententanz: Das Klarinettenquartett "Clarisonos" aus Oberndorf hat die Ausstellungseröffnung trefflich umrahmt.

Mozart, Brahms, Gershwin, aber auch der Ententanz: Das Klarinettenquartett "Clarisonos" aus Oberndorf hat die Ausstellungseröffnung trefflich umrahmt.

Ernst Klett

Die Reihe ist schier unendlich. Vom "Dötzi", der Figur im Gletschereis, kann man weiter zu Albert Einstein, der die Zunge zum Schnabel herausstreckt, oder sich wundern, was mit Pieter Bruegels (der Ältere) "Schlaraffenland" geschehen ist. An Goethe, ganz lässig in Italien, aber mit Entenbein, kommt man nicht vorbei, und Edvard Munchs "Der Schrei" ist mit Donald-Kopf nicht mehr gar so schrecklich. Ganz im Gegenteil. Aber nur keine Angst, die Duckomenta kann nicht nur Klassisches, sondern auch populäre Kultur: Hallo, Miss Audrey Duckburn!

Hahn: Ausstellung ist gar nicht so unschuldig

Ein großer Fan der Entenkunst ist auch Bürgermeister Philipp Hahn. Das Stadtoberhaupt versicherte, die Ausstellung mache ungeheuren Spaß, sie rege an, sie verwirre auch, und sie sei lange nicht so unschuldig, wie sie auf den ersten Blick daherkomme. Köstlich amüsiert bei den nach Hohenzollern importierten hat sich ebenfalls Landrat Günther-Martin Pauli.