Nach 99 Jahren Streit
: Hohenzollernscher Kunstbesitz bleibt öffentlich zugänglich

Mit einer neu gegründeten Stiftung wird ein 99 Jahre alter Entschädigungsstreit zwischen dem ehemaligen deutschen Kaiserhaus und der öffentlichen Hand beigelegt. Einer der Verwaltungssitze liegt in Hechingen.
Von
Hardy Kromer
Hechingen
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Prinz von Preußen: ARCHIV - 27.05.2025, Berlin: Georg Friedrich Prinz von Preußen bei der Verabschiedung von Parzinger als Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und Amtseinführung seiner Nachfolgerin. (zu dpa: «Erbe der Hohenzollern: Neue Stiftung übernimmt») Foto: Jens Kalaene/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Georg Friedrich Prinz von Preußen, der Chef des Hauses Hohenzollern, hat mit der Einigung auf jahrelang betriebene Rückgabe- und Entschädigungsforderungen verzichtet.

Jens Kalaene/dpa
  • 99 Jahre alter Streit um Hohenzollern-Kunstbesitz durch Gründung einer Stiftung beigelegt.
  • 3600 Kunstwerke bleiben dank Stiftung öffentlich zugänglich, z. B. in Museen.
  • Hohenzollern erhalten teils Verkaufsrechte an wertvollen Objekten.
  • Verwaltungssitze der Stiftung in Berlin und Hechingen; Aufsicht in Potsdam.
  • Georg Friedrich von Preußen lobt Einigung als Grundlage für neue Partnerschaft.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Georg Friedrich Prinz von Preußen war vor Wochenfrist mal wieder in einer seiner Lieblingsrollen zu erleben. Zusammen mit seiner Frau Sophie mischte er sich beim Gourmet-Abend des Hechinger Open-Air-Kinos unters Volk und schenkte zugunsten der Kira von Preußen-Stiftung Freibier aus. Zur Premiere der alkoholfreien Variante von „Preußens Pilsener“ aus der „Kgl.-Preußischen Biermanufactur“ sah man den Ururenkel des letzten Deutschen Kaisers ganz volksnah – und auch in gelöster Stimmung.

Vor Wochenfrist auf der Freibadwiese beim Hechinger Open-Air-Kino: Georg Friedrich Prinz von Preußen stößt mit Hechingens Bürgermeister Philipp Hahn und dessen Ehefrau Anke auf die Premiere der alkoholfreien Variante von "Preußens Pilsener" an.

Vor Wochenfrist auf der Freibadwiese beim Hechinger Open-Air-Kino: Georg Friedrich Prinz von Preußen stößt mit Hechingens Bürgermeister Philipp Hahn und dessen Ehefrau Anke auf die Premiere der alkoholfreien Variante von "Preußens Pilsener" an.

Hardy Kromer

Die gute Laune des Chefs des Hauses Hohenzollern dürfte auch damit zusammenhängen, dass in diesen Tagen ein Schlussstrich unter einen Jahrhundertstreit gezogen worden ist. Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) hat jetzt unter Berufung auf das brandenburgische Innenministerium aus Potsdam gemeldet, dass die Stiftung Hohenzollernscher Kunstbesitz nun offiziell gegründet ist. Sie wird auf Dauer 3600 Kunst- und Sammlungsgegenstände aus dem früheren deutschen Kaiserhaus, die zum Teil seit 1925/26 heftig umstritten waren, in ihrer Obhut haben. Die Einigung der öffentlichen Hand mit dem Haus Hohenzollern sei damit endgültig wirksam, der Streit um dessen Kunstschätze offiziell beendet.

Stiftung ist Kern des Deals

Die Vereinbarung war Anfang Mai ausgehandelt worden, um die Besitzverhältnisse an tausenden Kunstwerken, Möbelstücken, Porzellan und anderen wertvollen Objekten zu klären. Die gemeinsam gegründete Stiftung ist der Kern des Deals. Sie stellt sicher, dass die prächtigen Stücke auch künftig in Museen öffentlich zu sehen sind. Viele Objekte sind in Häusern der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten und im Deutschen Historischen Museum.

Cranach-Gemälde, Elfenbeinmöbel, Tafelservice

Zu den wichtigen Kunstschätzen, die ins Eigentum der neuen Stiftung übergehen, zählen etwa das Bildnis des Kurfürsten Joachim I. von Brandenburg von Lucas Cranach d. Ä., die barocken Elfenbeinmöbel des Großen Kurfürsten aus dem Besitz von Johann Moritz von Nassau-Siegen oder das Tafelservice für das 1750 von Friedrich II. erworbene Breslauer Stadtschloss.

Vereinbarung mit den Hohenzollern

Der Vertrag zwischen staatlichen Institutionen und dem Haus Hohenzollern macht es möglich: Viele Erbstücke sind weiterhin öffentlich zu sehen, wie dieses Tafelservice im Kunstgewerbemuseum im Schloss Köpenick.

Jens Kalaene/dpa

Vorangegangen war ein jahrzehntelanger Streit zwischen dem Haus Hohenzollern auf der einen und dem Bund sowie den Ländern Berlin und Brandenburg auf der anderen Seite. Das Vermögen des damaligen Kaiserhauses war nach dem Ende der Monarchie 1918 enteignet worden. Ein Vertrag von 1926 sollte Vermögensstreitigkeiten klären. Doch ging die Auseinandersetzung fast 100 Jahre weiter.

Hohenzollern können Millionenwerte auch versilbern

Objekte, bei denen die Eigentumsverhältnisse umstritten waren, gehen zum Großteil in den Besitz der neuen Stiftung. Einige Stücke wurden dem Eigentum der öffentlichen Hand zugeordnet, andere dem Eigentum der Hohenzollern. Über einige Stücke in Millionenwert können die Hohenzollern nun frei verfügen, sie also auch verkaufen.

Verwaltungssitze in Berlin und Hechingen

Die Rechtsaufsicht über die Stiftung Hohenzollernscher Kunstbesitz hat das Innenministerium in Potsdam, einen Verwaltungssitz hat die Stiftung außer in Berlin auch in Hechingen. Stifter sind die Bundesrepublik Deutschland, das Land Berlin, das Land Brandenburg, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, die Stiftung Deutsches Historisches Museum und Georg Friedrich Prinz von Preußen.

Georg Friedrich im Vorstand

Den Vorstand der Stiftung bilden die Leitungen der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und des Deutschen Historischen Museums. Im Stiftungsrat haben die sechs Vertretern der öffentlichen Hand eine Zwei-Drittel-Mehrheit gegenüber Georg Friedrich Prinz von Preußen und zwei weiteren Vertretern des Hauses Hohenzollern.

„Eine hervorragende Basis“

Georg Friedrich von Preußen kommentierte die Einigung wie folgt: „Es war immer mein Ziel, unser gemeinsames Kulturerbe dauerhaft für die kunstinteressierten Bürgerinnen und Bürger zu erhalten und öffentlich zugänglich zu machen. Die nun gefundene Lösung ist eine hervorragende Basis für eine neue Partnerschaft zwischen den staatlichen Kulturstiftungen und meiner Familie.“