Sozialwerk Hechingen und Umgebung: Wie man dem Fachkräftemangel erfolgreich begegnen kann

Wer im Raum Hechingen, Rangendingen und Jungingen Unterstützung bei der Pflege daheim braucht, ist seit 50 Jahren beim Sozialwerk an der richtigen Adresse. Mit der Palliativversorgung ist das Team kreisweit engagiert. ⇥
dpaKontrastreich ist das halbe Jahrhundert des Sozialwerks Hechingen und Umgebung allein von den äußeren Bedingungen her. Die Pflegeprofis für Hechingen, Rangendingen und Jungingen, und mit der ambulanten Palliativpflege sogar für den ganzen Landkreis, haben ganz klein begonnen.
Der erste Stützpunkt war im Spittelgebäude in der Hechinger Unterstadt. Der Umzug in ein Nebengebäude des Krankenhauses war da schon ein Quantensprung. Inzwischen ist das große Team mit seiner Geschäftsstelle im Zentrum am Fürstengarten, dem früheren Klinkgebäude, passgenau untergebracht.
Das erste halbe Jahrhundert wird am bevorstehenden Sonntag ebendort gefeiert (siehe Extrakasten) Geschäftsführerin Nisrin El-Said hat auf Fragen dieser Zeitung geantwortet.
50 Jahre Hauskrankenpflege beim Sozialwerk. Heißt das, dass die Pflegekräfte vorfahren, ihre Arbeit machen und schnell wieder wegmüssen? Oder hat sich in dieser langen Zeit doch einiges geändert?
Nisrin El-Said Selbstverständlich sind wir angehalten, mit den vorhandenen Ressourcen möglichst wirtschaftlich umzugehen. Dies nicht zuletzt aufgrund der prospektiven Pflegesätze, welche pauschal für eine Leistung von den Kranken- und Pflegekassen übernommen werden. Durch das zur Verfügung stehende Budget wird ein bestimmter Ressourceneinsatz refinanziert.
Aufs Gesamte schauen
Durch die Individualität der Leistung bei jedem einzelnen Klienten ist auch die Kostendeckung abweichend. Wir betrachten hier stets die gesamtwirtschaftliche Lage. Solange es uns in der Gesamtbetrachtung gelingt, kostendeckend zu wirtschaften, bekommen unsere Mitarbeitenden auch die benötigte Zeit für die Leistungserbringung.
Bisher sind wir glücklicherweise nicht in der Situation, dass unsere Mitarbeitenden „schnell abarbeiten und weghetzen“ müssen. Durch die sehr begrenzten und knapp bemessenen Pflegesätze erfordert dies eine hohe Effizienz im Umgang mit den Ressourcen und Prozessen.
Zur ambulanten Pflege kamen nach und nach immer mehr Angebote. Mit was kann das Sozialwerk inzwischen alles dienen? Fehlt noch irgendwas?
Die ambulante Pflege wird von Tag 1 geleistet und bildet auch derzeit den größten Bereich des Sozialwerks Hechingen und Umgebung e. V. ab. Im Jahr 2012 kam die spezialisierte ambulante Palliativversorgung hinzu. Durch unser SAPV-Team wird die Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen für den gesamten Zollernalbkreis sichergestellt.
Seit sechs Jahren Tagespflege
Im Jahr 2017 folgte dann die Tagespflege. Hier werden wöchentlich rund 50 Gäste den Tag über versorgt. Auch die Behandlungspflege wird für diese Zeit sichergestellt. Im Jahr 2023 wurden insgesamt sechs Pflegefachkräfte weitergebildet zu Wundexperten, sodass wir im Rahmen der häuslichen Krankenpflege auf ein umfangreiches Fachwissen zurückgreifen können. Durch unsere zahlreichen Kooperationen können wir ganzheitliche Versorgungen planen und anbieten. So Hausnotrufe, Medikamente, Pflegehilfsmittel, Wundmanagement und so weiter. Ebenso sind wir Träger der praktischen Ausbildung und bieten Ausbildungsplätze für die Ausbildung zur Pflegefachfrau beziehungsweise zum Pflegefachmann an. Auch Auszubildende anderer Einrichtungen sind jederzeit willkommen, ihren Praxiseinsatz in unserer Einrichtung abzuleisten.
Wie bei anderen Branchen gilt auch bei Sozial & Co.: Wo bitte, sind die Leute, die bei uns arbeiten könnten? Wobei es in der Pflege ja besonders aufschlägt, dass Arbeitskräfte fehlen. Oder sollte das beim Sozialwerk ganz anders sein?
Auch wir kämpfen mit dem Fachkräftemangel, insbesondere des Fachkräftemangels in der Sozialwirtschaft. Selbstverständlich arbeiten wir kontinuierlich daran, uns als Arbeitgeber attraktiver zu gestalten und den Mitarbeitenden einen sehr guten Arbeitsplatz zu ermöglichen.
Die Balance halten
So bieten wir eine umfangreiche Gesundheitsfürsorge und legen großen Wert auf die stetige Weiterbildung unserer Mitarbeitenden und unterstützen hierbei. Auch die Work-Life-Balance wird durch unsere individuellen Arbeitszeitmodelle, Müttertouren und Zusatzvereinbarungen gewährleistet. Die Angebote zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität werden abgerundet durch eine übertarifliche Bezahlung unserer Fachkräfte.
Viele gehen in Rente
Wir sind stets auf der Suche nach Pflegekräften. Die Nachfrage kann kaum bedient werden, sodass wir uns bei jeder Einstellung darüber freuen, dass wir dadurch weiteren pflege- und hilfsbedürftigen Menschen unseres Versorgungsgebiets den Zugang zu der Unterstützung ermöglichen können, die sie benötigen. Um auch in den nächsten Jahren leistungsfähig bleiben zu können, hoffen wir, bereits heute zahlreiche Fachkräfte gewinnen zu können, um dem demografischen Wandel entgegenzuwirken, da viele Fachkräfte in den nächsten Jahren das Renteneintrittsalter erreichen.
Mit dem SAPV-Team ist die Hechinger Station sogar landkreisweit tätig. Es wird den Landrat freuen, dass die immer noch leicht spürbaren Grenzen zwischen Hohenzollerisch und Württembergisch überwunden sind, zumindest da – oder?
Unser SAPV-Team ist kreisweit tätig. Wir haben hier ein umfangreiches und multiprofessionelles Team aufgebaut, welches von der grenzübergreifenden Vernetzung profitiert.
Landkreisweit tätig
Auch die Zusammenarbeit mit der Palliativstation in Balingen sowie den Hospizen funktioniert vertrauensvoll, sodass der gesamte Zollernalbkreis von unserem hohen Standard nur profitieren kann.
Was erwartet die Besucherinnen und Besucher denn am kommenden Sonntagnachmittag beim Tag der offenen Tür alles?
Die Mitarbeitenden haben gemeinsam ein kleines Programm für den Tag der offenen Tür vorbereitet. Es wird eine Dia-Show geben, eine Ausstellung über die Entwicklung des Sozialwerks, Mitgliederakquise, Gewinnspiele, musikalische Begleitung und weiteres. Selbstverständlich ist auch für Getränke und Snacks gesorgt.
Am Sonntagnachmittag ist Tag der offenen Tür
Jubiläum Los geht die Feier zum 50. Geburtstag des Sozialwerks Hechingen und Umgebung an diesem Sonntag, 5. November, um 10 Uhr im Zentrum am Fürstengarten. Aber nicht in der Geschäftsstelle, sondern in der Hauskapelle des früheren Krankenhauses. Dort trifft man sich zum ökumenischen Gottesdienst. Gegen 11 Uhr folgen Grußworte und ein kurzes Referat des langjährigen Geschäftsführers und jetzigen Vorstandsmitglieds Jürgen Weber. Anschließend stehen die Räumlichkeiten zur Besichtigung offen. Der Tag der offenen Tür beginnt ab 14 Uhr.
Mehr über die Angebote des Sozialwerks unter www.sozialwerk-Hechingen.de.
