Serie „Urlaub auf dem Teller“: Sonnenfinsternis, „Bonito con tomate“ und die große Apfelwein-Show

Bonito con tomate, Thunfischsteak in Tomatensoße, ist ein echter Klassiker der nordspanischen Küche.
Bart ter Haar/Pexels- Reise nach Asturien mit Ziel totale Sonnenfinsternis – 1 Minute 40 Sekunden Dunkelheit.
- 1999 blieb die Corona unsichtbar, doch die Stimmung der „SoFi“ war unvergesslich.
- Wetterrisiko im Norden: Team wich wegen Wolken nach Léon aus und sah klaren Himmel.
- Kulinarik an der Küste: „Bonito con tomate“ als Klassiker, Fisch nachhaltig gefangen.
- Sidra mit Show: traditionelles Einschenken „escanciado“, kleine Schlucke sofort trinken.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wer am 12. August 2026 daheim im Zollernländle oder sonstwo in Deutschland war, hat es noch frisch in Erinnerung: So eine Teil-Sonnenfinsternis ist kein echter Knaller. Wie sagte doch ein Kollege, der das Phänomen hierzulande erlebt hat: Hätte man’s nicht gewusst, hätte man‘s nicht bemerkt.
Erinnerungen an 1999
Eine totale Sonnenfinsternis ist dagegen ein Jahrhundertereignis. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ein echtes Once-in-a-Lifetime-Ding. Mein einziges Mal hätte eigentlich am 11. August 1999 gewesen sein können, als die Zollernalb in der Totalitätszone lag. Das Wetter war zwar mies, der Himmel wolkenverhangen, die Corona der verfinsterten Sonne nicht zu sehen, und doch spüre ich die „SoFi“ 1999 bis heute, den kalten Wind, der die Wand der Dunkelheit vor sich her schob, das Verstummen der Vögel, die kühle Stille, die eine knappe Minute lang andauerte, bis das Licht und die Wärme zurückkehrten. Unvergesslich!
Die Kinder mit der „SoFi“-Sehnsucht infiziert
Unseren Kindern haben wir oft von jenem besonderen Tag erzählt. Offenbar oft genug, um sie mit „SoFi“-Sehnsucht zu infizieren und beschließen zu lassen, nicht bis 2081 warten zu wollen, wenn Teile Deutschlands das nächste Mal am helllichten Tage komplett verdunkelt werden. Und so gebar die junge Generation die Idee, einen Familienurlaub im Norden Spaniens zu verbringen, der am 12. August 2026 Schauplatz einer totalen Sonnenfinsternis sein sollte.
Auf geht's nach Asturien!
Und also ging es mit sechs Leuten und zwei Hunden im gemieteten Van los nach Asturien, wo uns 1 Minute und 40 Sekunden komplette Verdunklung versprochen waren. In dem liebenswerten 100-Einwohner-Dörfchen Buslaz im bergigen Hinterland der Küstenstadt Gijon, das mit seinen keltischen Erntespeicherbauten ein wenig an das gallische Dorf bei Asterix erinnert, bezogen wir Quartier. Und gleich in der ersten Nacht erlebten wir ein Phänomen, das wir zuvor auf der Zollernalb wochenlang vermisst hatten: Regen!!! Die freundlichen Einheimischen waren davon weniger überrascht. Denn der Norden der iberischen Halbinsel bekommt jährlich doppelt so viel Niederschlag ab wie der Süden Deutschlands – weshalb die Wälder auch in sattem Grün erstrahlen.
Die Wetter-App immer gebannt im Blick
Womit wir bei einem potenziellen Problem für Sonnenfinsternis-Touristen wären: An einem regenverhangenen Himmel ist kein Planetenspektakel zu erkennen. Obwohl es anschließend tagelang sonnig war, klebten wir beständig an den Wetter-Apps, um sicherzugehen, dass wir am Abend des 12. freie Sicht auf die Sonne haben würden. Die 1600 Kilometer lange Anfahrt sollte schließlich nicht vergeblich gewesen sein.
Und in der Tat zwang uns hartnäckige Bewölkung am Tag aller Tage dazu, uns rechtzeitig ins Auto zu setzen und gen Süden aufzubrechen. Es war die richtige Entscheidung: Auf der Meseta, der Hochebene um die Provinzhauptstadt Léon, erwartete uns ein hundertprozentig wolkenfreier Himmel.

Die steppenartige Landschaft um die Torre de Villacreces östlich von Léon: ein stimmungsvoller Ort, um die totale Sonnenfinsternis zu betrachten.
Julia MarquardtDie Ruinen eines verlassenen Dorfes um den Turm von Villacreces erwiesen sich als höchst stimmungsvoller, geradezu mystischer Ort, um einen Moment zu erleben, der jede Mühe des Weges wert war: die wunderschöne Corona um die verfinsterte Sonne, die auf die steppenartige Landschaft herabfallende Dunkelheit – einfach magisch!

Die totale Sonnenfinsternis vom 12. August 2026, fotografiert in Nordspanien.
Jan MarquardtSo hartnäckig es uns um der ungetrübten Sonnenfinsternis willen ins Landesinnere gezogen hatte, so sehr blieben wir kulinarisch der Atlantikküste verhaftet. In den Städtchen am Golf von Biskaya ist jeder Supermarkt mit einer stattlichen Fischtheke ausgestattet. Eine Empfehlung lautete: „Bonito con tomate“, was als absoluter Klassiker der nordspanischen Küche gilt. Bonito ist der Thunfisch, der sich in den Sommermonaten vor der spanischen Atlantikküste tummelt und – so wurde uns versichert – ganz nachhaltig mit Schleppangeln gefangen wird. Die Steaks, die Soße und der Reis dazu lassen sich auch in einer Ferienhausküche sehr lecker zubereiten (siehe Rezept).
Blauschimmelkäse und Blätterteiggebäck
Man könnte an dieser Stelle natürlich noch den Queso Cabrales loben, den berühmten Blauschimmelkäse aus den Bergen Asturiens, oder die Süßigkeiten rühmen, für die die asturische Universitätsstadt Oviedo bekannt ist: die Carbayones, längliche Blätterteig- oder Mandelgebäckstücke mit einer Füllung aus Mandeln, Eigelb und Zucker.
Ein Apfelwein, der für Showeffekte gut ist
Wichtiger aber an dieser Stelle: Asturien ist – wie die Zollernalb – eine Streuobstregion. Und ihr Star ist die Sidra, die für Showeffekte gut ist. Denn das herbe Apfelweingetränk wird traditionell nicht einfach eingeschenkt, sondern „escanciado“: Dabei hält der Einschenkende die Flasche hoch über den Kopf und das Glas weit unten, damit die Sidra beim Eingießen aufbricht, Sauerstoff aufnimmt und ihr Aroma besser entfaltet. Eingeschenkt wird immer nur eine kleine Menge, die sofort getrunken werden muss. Der letzte Schluck will weggeschüttet sein, angeblich damit die Hefe kein Bauchgrimmen macht.

Die Flasche über Kopf, das Glas so tief wie möglich: So muss die Sidra, der perlende Apfelwein aus Nordspanien, eingeschenkt werden. Ein Einheimischer macht es auf Bitte gerne auch direkt vor dem Gartentor vor.
Clara NordmeyerOffenkundig ist das Drumrum nicht minder wichtig als der Genuss. Und man muss keineswegs in eine Sidrería, eines der vielen typischen Apfelweinlokale, gehen, um das Ritual live zu erleben. Es reicht vollkommen, von der Terrasse des Ferienhauses herab einen einheimischen Passanten anzusprechen und schüchtern, schulterzuckend zu fragen, wie man denn richtig eingieße. Und schon ist Sidra-Showtime in Buslaz, dem Bergdorf mit den netten Nachbarn und den Hinkelstein-Bauten.
Ein einfaches Rezept für Bonito con tomate
Zutaten für 2–3 Personen: 400–500 g frischer Bonito (Thunfisch), 1 Zwiebel, 2 Knoblauchzehen, frische Tomaten (ca. 400 g), 2-3 EL Olivenöl, 1 kleiner Schuss Weißwein oder Wasser, Salz, Pfeffer, 1 Prise Zucker, optional: etwas Paprikapulver.
Zubereitung: Den Fisch in grobe Würfel schneiden, salzen und pfeffern. Zwiebel klein schneiden, Knoblauch hacken. Beides in Olivenöl bei mittlerer Hitze 3-4 Minuten weich dünsten. Die gehackten Tomaten in die Pfanne geben. Einen kleinen Schuss Weißwein oder Wasser dazugeben. Mit Salz, Pfeffer, einer Prise Zucker und nach Wunsch etwas Paprikapulver würzen. Alles etwa 10 Minuten köcheln lassen. Die Fischstücke in die Sauce legen und bei niedriger Hitze 4-5 Minuten garziehen lassen.
Nicht zu lange kochen, sonst wird der Fisch trocken. Dazu passt: Reis, Baguette oder anderes Weißbrot.

