Die Laubholzmistel ist eine echte Bedrohung für die Baumbestände im Streuobstparadies. Um dieser Gefahr effektiv zu begegnen, trafen sich jetzt die Baum- und Fachwarte des Zollernalb-Vereins, unterstützt von Mitgliedern des Obst- und Gartenbauvereins Weilheim zu einer Schnittaktion, bei der die über 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Bäume sowohl von Misteln als auch von Totholz befreiten. Die Unternehmung unter Regie des Vereins Schwäbisches Streuobstparadies fand landesweit Beachtung.
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Hechingen

Weilheims Ortsvorsteher Gerd Eberwein begrüßte bei der Aktion die Grünen-Landtagsabgeordnete Cindy Holmberg, den Kreisfachberater für Obst- und Gartenbau, Markus Zehnder, Hans-Jürgen Snackers, den Vorsitzenden der Baum- und Fachwarte Zollernalb, und Maike Schünemann, die Geschäftsführerin des Streuobstparadieses.

Höchste Gefahr im Paradies

Es sei nicht mehr fünf vor zwölf, was die Gefährdung des Streuobst-bestandes angeht, sondern eher schon später, war die einhellige Meinung der Fachleute. So betreffe die Aktion nicht die Kosmetik der Bäume, sondern deren Rettung. Wenn sich Menschen zur Weihnachtszeit Misteln im Türrahmen aufhängen, wissen viele nicht, dass die Mistel ein Schmarotzer ist, der dem Baum Nährstoffe und Wasser entzieht. Ein einfaches Abschneiden genügt nicht, da die Saugwurzel des „Mitessers“ im Holz des Baumes bleibt und weiterhin aktiv ist. Deshalb: „Eine gründliche und großzügige Entfernung ist notwendig“.
Dass die Laubholzmistel, die zur Weihnachtszeit ein gesuchtes, symbolbeladenes Dekorationsstück ist, unter Naturschutz stehen könnte, ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Sie steht definitiv nicht unter Schutz! Was zu ihrer großen Verbreitung beiträgt, so argumentieren Fachleute, sind neben der mangelnden Pflege auch Klimaveränderungen und der damit verbundene Stress für die Bäume.

Über die Hintergründe

Vor der Hütte des Obstbauvereins war ein Infostand der Baum- und Fachwarte aufgebaut. Zudem waren einige heimische Apfelsorten ausgestellt, die probiert werden konnten und zu denen Maike Schünemann vom Schwäbischen Streuobstparadies Auskünfte gab. Informationen, Tipps und Hinweise erhalten konnten Interessierte ebenso von den Baum- und Fachwarten sowie von Markus Zehnder und Hans-Jürgen Snackers.
Die Weilheimer Aktion stößt auf überörtliches Interesse: Der SWR, TV und Radio, sowie der Lokalsender RTF1 waren vor Ort. Die Medienvertreter zeigten zur Freude der Baum- und Fachwarte großes Interesse an ihrer Arbeit mit Leiter, Säge, Astschere und waren sehr wissbegierig.

Grüne Anerkennung

Die Landtagsabgeordnete Cindy Holmberg, in Gartenarbeit und im Umgang mit Säge und Astschere erfahren, wurde gleich auf Augenhöhe mit den „Werktätigen in der Natur“ in deren Schar aufgenommen und verschaffte sich wegen ihrer Schaffenskraft und ihrer Kenntnis schnellstens Anerkennung. „Es hat mir großen Spaß gemacht“, sagte sie während der Stärkung durch eine Heiße Rote. Auch Hans-Jürgen Snackers und Markus Zehnder zeigten sich beeindruckt vom Zusammenwirken der Gruppen und ihrem Arbeitserfolg.
Seinen Dank an alle Beteiligten verband Ortsvorsteher Gerd Eberwein gleich vorausschauend mit der Nachricht, dass für den 19. November ein weiterer Einsatz geplant ist: „Jede helfende Hand ist willkommen.“

Immer schön ran mit Astschere und Säge

Legendär Der Brauch des „Kusses unterm Mistelzweig hat zur Weihnachtszeit Hochkonjunktur: Mistelzweige hängen im Türrahmen, unter denen sich Paare küssen und sich besonderes Glück erhoffen.
Gefährlich Während die Mistel in früheren Zeiten eine verehrte und wertvolle Pflanze war, stellt sie heute eine akute Gefahr für Streuobstbestände dar. Die Laubholzmistel lebt als Halbschmarotzer bevorzugt in Apfelbäumen und entzieht dem Wirt mit ihren Saugwurzeln Wasser und Nährstoffe. Sie breitet sich mittlerweile flächendeckend aus. In süd- und mitteldeutschen Regionen ist der Befall sehr weit vorangeschritten, so dass ohne konsequente Entfernung von einer Gefährdung der Streuobstbestände ausgegangen werden muss.
Ursächlich Gefördert wird die Ausbreitung der Mistel durch unregelmäßige oder fehlende Pflege der Streuobstbestände. Klimatische Veränderungen wie lange Trockenphasen und der daraus resultierende Stress für die Obstbäume gelten als weitere Ursache.