Römisches Freilichtmuseum Stein: Legionäre, Kelten und Alamannen: Im Fackelschein mischt Kaiser Trajan mit

Wenn es Nacht wird über dem rekonstruierten römischen Landgut, dann geben sich Legionäre, Kelten und Alamannen den Schaukämpfen hin. Das ist Jahr für Jahr ein Spektakel für große und kleine Besucher
ArchivIm gesamten süddeutschen Raum, in der Schweiz und in Österreich gibt es mehr und mehr Vereine, welche die Antike lebensecht auferstehen lassen: Da werden die römischen Legionäre in originalgetreuer Ausrüstung nachgestellt, dort gibt es keltische Horden, wahlweise auch alamannische. Davon profitieren Einrichtungen wie das Römische Freilichtmuseum Stein. Der Förderverein hat am Samstag und Sonntag zu seinem Saisonhöhepunkt "Römer im Schein der Fackeln" internationale Gastgruppen im Gutshofgelände zu bieten. Die Darstellerinnen und Darsteller kommen aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, Frankreich und Italien.
Mit dabei ist am Wochenende erstmals ein Ober-Römer: Kaiser Trajan nebst Gattin geben sich die Ehre. Trajan war vom Jahr 98 bis 117 römischer Kaiser und der erste, der aus einer Provinz stammte: aus Hispanien. Als Kaiser führte Marcus Ulpius Traianus den Namen Imperator Caesar Nerva Traianus Augustus.
Am Samstag, 5. Oktober, von 14 bis 22 Uhr, und am Sonntag, 6. Oktober, von 10 bis 17 Uhr, lassen historische Händler und annähernd 130 Mitwirkende von Reenactmentgruppen aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, Frankreich und Italien die Zeit der Römer, Alamannen und Kelten im Römischen Freilichtmuseum Stein wieder aufleben. Schmuck und Repliken, fein gewebte Borten, Kleider und Stoffe werden ebenso feil geboten wie nach kunstvoll geknüpfte Haarnetze und Töpferwaren. Düfte, Edelsteine, Olivenöl und Spielzeug für die Kleinen lassen so manches Herz höherschlagen. Man kann einem Bernsteinschleifer und einem Bronzegießer über die Schulter schauen. Ein Schmied, Salzsieder und andere antike Handwerker unterschiedlichster Fachrichtungen vermitteln kurzweilig ihr Wissen.
Zuschauen und mitmachen
Mitmachstationen für Erwachsene und Kinder begleiten das Geschehen. Wer möchte, kann Zinngießen, Kammweben oder sich im Pfeil-und-Bogen-Schießen ausprobieren. Harto, der Erzähler, wird Groß und Klein mit Sagen und Legenden der Antike in seinen Bann ziehen. Auf mehreren Aktionsflächen ist ein abwechslungsreiches Programm geboten. Bei der römischen Modenschau, Tanzdarbietungen, Gladiatorenkämpfen und Exerzierübungen kann man in das Leben zur Römerzeit eintauchen.

Das ist ein sogenannter Scorpio, ein römisches Wurfgeschoss. Es soll am Wochenende ein weiteres Mal im Freilichtmuseum vorgeführt werden. Die Älteren unter uns verbunden mit Scorpio die letzte Riesenlimousine des Autoherstellers Ford in Köln.
ArchivDiesmal ist sogar Kaiser Trajan mit seiner Gattin zu Gast. Er inspiziert die zahlreichen Lager der römischen Legionäre, Kelten und Alamannen. Verkörpert wird der Kaiser von Ritchie Pogorzelski, der nicht nur als Darsteller, sondern auch als Buchautor zum Thema antike Kleidung bekannt ist.
Menschen liebten auch schon zur Römerzeit Musik und Gesang. Welche Instrumente bei Abendgesellschaften und Gladiatorenkämpfen zum Einsatz kamen, kann man im sogenannten Erklärkonzert mit Hagen Pätzold erfahren. Der renommierte Künstler hat sämtliche Instrumente nach antiken Vorbildern nachgebaut und begleitet das Geschehen an beiden Tagen musikalisch.
Ein Scorpio schleudert brennende Pfeiler
Ein römisches Geschütz, ein Scorpio, wird am Samstagabend mit Brandpfeilen den Nachthimmel erleuchten, wenn Römer gegen Alamannen und Kelten zum Schaukampf antreten. Zahlreiche Teilnehmer des militärischen Reenactments bauen ihre Ausrüstung und Waffen nicht nur nach überlieferten antiken Vorlagen nach, sondern trainieren auch das Jahr über damit.

Die Legionäre kommen. Und die Darsteller im Freilichtmuseum sind erneut international!
ArchivAm Sonntagnachmittag wird erstmals in Stein ein kämpferisches Kräftemessen der Reenactmentgruppen zu sehen sein, das unter sportlichen Aspekten abgehalten wird. Besucher und Akteure werden spannende Kämpfe verfolgen und feststellen, wessen Taktik diesmal die erfolgreichere war: die der Römer, Kelten oder Alamannen. Für Gänsehaut wird die römische Fluchzeremonie sorgen, welche die Gruppe Raetici Romani zeigen wird. Der farbenprächtig und nach römischen Vorbildern wieder aufgebaute heilige Bereich wird dieses Jahr erstmalig in das Festgeschehen miteinbezogen. Eine Feuershow am Samstagabend darf natürlich nicht fehlen. Diesmal ist sogar ein Pferd mit von der Partie.

Zum wahrhaft bunten Programm am Wochenende gehören Darstellungen des antiken Alltagslebens. Einem Schmied kann man ebenfalls zuschauen
ArchivFür das leibliche Wohl ist im Freilichtmuseum selbstverständlich gesorgt. Allerlei Speisen stillen den Hunger. Das Angebot reicht von Dinnede bis zu einem Eintopf, der antiken Rezepten nachempfunden wurde. Wen es nach Met dürstet, der wird ebenso fündig. Der Eintritt kostet für Erwachsene 12 Euro. Die ermäßigte Karte für Studenten, Menschen mit Handicap und historisch Gewandete kostet 10 Euro. Die Familienkarte gibt es für 30 Euro.
