Freilichtmuseum Stein
: Als sich Römer und Alamannen zur letzten großen Schlacht rüsteten

Das Altertum wird lebendig auf dem Gelände der Villa rustica. An diesem Samstag und Sonntag spielen 60 Darsteller den "Tag vor Solicinium" nach.
Von
Ernst Klett
Hechingen
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So könnte die Villa rustica im Jahr 368 ausgesehen haben: Das Hauptgebäude wird zur Ruine, weil die Römer abgezogen sind und die Alamannen lieber in Holzhäusern wohnen.

So könnte die Villa rustica im Jahr 368 ausgesehen haben: Das Hauptgebäude wird zur Ruine, weil die Römer abgezogen sind und die Alamannen lieber in Holzhäusern wohnen.

privat

Das bevorstehende Wochenende kann im Hechinger Stadtteil Stein durchaus als Festwochenende betitelt werden: Im Römischen Freilichtmuseum können die Besucherinnen und Besucher einmal mehr in die Welt des Altertums eintauchen. Dieses Mal spielen sich die Szenen vor der historisch verbürgten Schlacht bei Solicinium ab. Im Jahr 368 trafen Römer und  Alamannen zur letzten großen Schlacht aufeinander. Wo genau, darüber streiten sich die Gelehrten noch immer. Es war irgendwo im heutigen Südwesten, und vielleicht sogar gleich ums Eck von Stein: bei Beuren und auf dem Heufeld! Ebendort wurden vor einigen Jahren einige entsprechende Münzen gefunden.

Internationale Darsteller kommen

Das herrliche Umfeld des Steinemer Freilichtmuseums nutzen zwei Tage lang annähernd 60 Darsteller aus Österreich, Bulgarien, den USA und Deutschland. Kaiser Valentinian I. wird von einem waschechten Wiener verkörpert. Dargestellt wird das Lagerleben der Römer und der Alamannen am Vorabend der Schlacht. Damals hatten die Alamannen schon längst Einzug gehalten im römischen Landgut im Starzeltal, und die Gebäude verfielen allmählich.

Wie beim Römerfest

Im Freilichtmuseum rechnet man mit großem Andrang, so ähnlich wie bei den Römerfesten. Neben viel Unterhaltung durch die Gästedarsteller ist für Bewirtung gesorgt. Geöffnet ist am Samstag und Sonntag jeweils von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene zehn Euro, verbilligt sind es acht Euro, eine Familienkarte kostet 25 Euro. Noch mehr Infos unter www.roemischesfreilichtmuseum.de.

Die Alamannengruppe der Everlinge hat sich das Szenario des Wochenendes zusammen mit dem Team des Freilichtmuseums ausgedacht. Man geht zurück in die Spätantike, in die Zeit, als bei in der Region um die Villa rustica die Römer längst ihre Macht verloren hatten, aber doch noch zusammen mit Horden der Alamannen hier gelebt haben dürften. Fördervereins-Vorsitzender Gerd Schollian kommentiert: "Für die Veranstaltung haben wir keine Mühen gescheut und sogar einen Historiker aus Wien, der sich besonders dem Leben  des  Kaiser Valentinians widmet, nebst Gruppen aus vielen Ländern verpflichtet."

Wo genau wurde gekämpft?

Der Standort der letzten erfolgreichen Schlacht der Römer gegen die Alamannen ist trotz der Aussagen des damaligen Kriegsberichterstatters Arminius Marcellus nicht exakt nachweisbar. Auch Stein oder Beuren könnten möglich sein. Noch einmal Gerd Schollian: "Ich kann mich noch gut an die Aussagen von Pfarrer Johann Adam Kraus aus Ringingen erinnern, der mir nach der Entdeckung der Anlage in Stein 1971 mitteilte, dass bei Ringingen bedeutende Funde aus der Spätzeit der Römer entdeckt wurden, die auf eine Schlacht dort oben hinweisen. Leider seien die ihm bekannten Funde aus Gold spurlos verschwunden. Ein Bauer habe sie teilweise einschmelzen lassen, die Münzen seien in einem ihm nicht bekannten Museum untergekommen. Er meinte schon damals, dass dies nur die Schlacht bei Solicinium bedeuten könnte. Wer weiß?"