Römisches Freilichtmuseum Stein
: Hinein in die Zeitmaschine: So hat man vor 2000 Jahren im Starzeltal gelebt

Geschichtsunterricht – nein, danke? Nicht in der Villa rustica bei Hechingen! Dort hat der Förderverein mit dem  Verein „Ewerlingas Alamanni“ aus Engstlatt höchst lebendige Historie präsentiert: den Tag vor der Schlacht gegen die Alamannen, nach der sich die Römer hinter ihren Limes zurückzogen.
Von
Klaus Stifel
Hechingen
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Die Alamannen kommen! Im Römischen Freilichtmuseum Stein haben jetzt internationale Darsteller zusammen mit dem Engstlatter Verein „Ewerlingas Alamanni“ die Spätantike lebendig werden lassen. Erinnert wurde an eine berühmte Schlacht, über die man wenig weiß, und die vielleicht sogar in der Region um Hechingen und Rottenburg stattgefunden haben könnte.

Die Alamannen kommen! Im Römischen Freilichtmuseum Stein haben jetzt internationale Darsteller zusammen mit dem Engstlatter Verein „Ewerlingas Alamanni“ die Spätantike lebendig werden lassen. Erinnert wurde an eine berühmte Schlacht, über die man wenig weiß, und die vielleicht sogar in der Region um Hechingen und Rottenburg stattgefunden haben könnte.

Klaus Stifel
  • Im Römermuseum Stein wurde die Spätantike erlebbar: Fokus auf den Tag vor Solicinium 368.
  • Internationale Darsteller und „Ewerlingas Alamanni“ zeigten Leben an der Reichsgrenze.
  • Militärvorführungen mit spätantiken Techniken, Befehle auf Latein und Lageralltag.
  • Handwerk wie Schmieden, Töpfern, Leder- und Textilarbeit sowie einfache Speisen vorgeführt.
  • Arianisch-frühchristlicher Gottesdienst und Mitmachangebote, Samstag jedoch mit wenig Publikum.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es war die erste Programmveranstaltung nach der Verabschiedung des ewigen Vorsitzenden und unermüdlichen Machers Gerd Schollian: Unter dem Motto „Die Menschen um Solicinium“ verwandelte sich das Museumsgelände erneut in einen Schauplatz der Spätantike. Die Veranstaltung „Solicinium“, die im Jahr 2024 Premiere feierte, soll künftig fest im Kalender verankert bleiben.

Die Römer als Eindringlinge gegen die Alamannen

Die Besucher tauchten ein in das Leben an der Grenze des Reiches im Jahr 368, einer Zeit, in der kultureller Austausch, religiöse Umbrüche und militärische Spannungen den Alltag prägten. Der Hintergrund: Die Schlacht bei Solicinium war ein bedeutendes, aber historisch nur bruchstückhaft überliefertes Gefecht zwischen dem Römischen Reich unter Kaiser Valentinian I. und den Alamannen.

Der Ort der legendären Schlacht, etwa bei Hechingen?!

Die legendäre Schlacht gehört, so die Fördervereinsvorsitzende Iris Kappler, zu den letzten großen Auseinandersetzungen, die jenseits des Limes stattfanden. Sie markierte einen Wendepunkt in der römisch-germanischen Grenzpolitik. Die Alamannen sollen sich vor der römischen Übermacht auf einen schwer zugänglichen Berg, der in den Quellen als „Solicinium“ bezeichnet wird, zurückgezogen haben. Der genaue Ort ist laut Kappler bis heute unbekannt. Aber wie könnte es anders sein: Für den Raum Hechingen verdichten sich die Hinweise, dass das Schlachtfeld in dieser Region gewesen sein könnte.

Historische Darsteller aus Bayern, Thüringen und sogar Texas ließen diese Epoche auf dem Römergelände in Stein lebendig werden. Mit authentisch rekonstruierten Gewändern, Waffen und Alltagsgegenständen präsentierten sie das Leben der Menschen, welche die Region um das spätantike Solicinium prägten.

Die alten Lateiner geben Befehle

Die Zusammenarbeit mit dem Verein „Ewerlingas Alamanni“ aus Engstlatt machte diese detailreiche Darstellung erst möglich. Besonders eindrucksvoll waren die Militärvorführungen hinter der Villa rustica. Römische Soldaten in Helm, Kettenhemd und mit Schildern demonstrierten spätantike Kampftechniken, während die Alamannen nicht minder kampfeslustig ihre Verteidigungsstrategien zeigten. Die Befehle ertönten – ganz im Sinne der historischen Genauigkeit – in lateinischer Sprache.

Der Tag vor der legendären Schlacht von Solicinium im Jahr 368 war bei den Römern bestimmt von der richtigen Wahl der Waffen. Im Freilichtmuseum Stein wurden entsprechende Szenen nachgestellt.

Der Tag vor der legendären Schlacht von Solicinium im Jahr 368 war bei den Römern bestimmt von der richtigen Wahl der Waffen. Im Freilichtmuseum Stein wurden entsprechende Szenen nachgestellt.

Klaus Stifel

Auch das Schmiede-, Töpfer-, Leder- und Textilverarbeitungshandwerk spielte eine zentrale Rolle: Die Darsteller ließen die alten Techniken wieder aufleben. Über ein Dutzend Zelte bildeten ein Lager, in dem kleine Feuerstellen brannten und einfache Speisen wie vor 1600 Jahren zubereitet wurden.

So hielten es einst die ersten Christen

Ein besonderes Glanzlicht war der Besuch eines Priesters aus Bulgarien, der einen arianisch-frühchristlichen Gottesdienst zelebrierte. Er gab Einblicke in die religiösen Strömungen der Spätantike, die damals das gesamte Reich prägten und oft zu erbitterten Auseinandersetzungen führten.

Samstag als Veranstaltungstag? Besser nicht mehr!

Neben den Vorführungen bot das Museum zahlreiche Mitmachangebote für Familien: Feuer machen, Spinnen mit der Handspindel oder das Lauschen alter Geschichten und Sagen. Allerdings hat sich am Samstag einmal mehr erwiesen, dass dieser Wochentag einfach kein Publikumsbringer ist. Nur sehr wenige Besucher waren da. Iris Kappler, die dieses Jahr das Vorstandsamt von Gerd Schollian übernommen hat, war dennoch zufrieden. Ihr war bewusst, dass die Besucherzahlen an diesem Tag überschaubar bleiben würden. „Wir haben hier lediglich eine Museumsbelebung und kein Fest“, so Iris Kappler.