Refugio Hechingen: Gedenken an Solingen: Bewohner setzen öffentlich ein Zeichen

Stilles und internationales Gedenken an die Opfer von Solingen. Die Muslime im Refugio-Projekt verurteilen die drei Morde und solidarisieren sich mit den Angehörigen der Opfer.
Ernst KlettWarten, bis sich alles wieder beruhigt haben könnte? Oder öffentlich ein Zeichen setzen? Für Letzteres haben sich Bewohner des Hechinger Flüchtlingsprojekts am Obertorplatz entschieden. Ausdrücklich auf ihren eigenen Wunsch hin gab es am sogenannten „Montag für Menschlichkeit“ ein Gedenken für die drei Opfer der Messerattacke in Solingen.
Einfach ist es nicht, mitten in Hechingen ein Restaurant und Café mit angeschlossenem Wohnheim für Flüchtlinge zu betreiben. Das „Refugio“ arbeitet schon seit über acht Monaten an einer neuen Form des Zusammenlebens, und weiterhin übt sich eine Mehrheit der Einwohnerschaft in einer deutlichen Distanz. Am Montagabend, als zum öffentlichen Gedenken nach den terroristischen Morden aus Glaubensgründen in Solingen aufgerufen worden ist, mögen es einige mehr Einheimische als sonst gewesen sein, die sich montags zum Beisammensein, zu Vorträgen oder zu Musik im früheren Hotel-Restaurant eingefunden haben. Dass es ein überschaubares Häuflein war, tue nichts dazu, erklärte „Refugio“-Geschäftsführerin Almut Petersen. Die Bewohner hätten öffentlich ein Zeichen setzen wollen, was ihnen gelungen ist, und das zähle.
Viele Kerzen, einige Blumen, ein Plakat
Für den passenden Rahmen war gesorgt. Auf einem Beistelltisch wurden Kerzen angezündet, und es standen Blumen bereit. Auf einem Plakat stand „Wir solidarisieren uns mit den Opfern von Solingen“, ergänzt um diesen Satz auf Arabisch. Der von den syrischen Bewohnern in absoluter Eigenregie entworfene Text hängt seit Montagabend am Eingang ins Café zum Lesen aus.
Hoffen auf weitere Zusammenarbeit
Die kurze Veranstaltung sollte mindestens Viererlei bewirken: Neben dem Gedenken an die drei ermordeten Menschen war es die Verurteilung der Tat. Dass diese im Zeichen des Glaubens verübt worden war, missbilligen die Muslime ebenso. Und, Nummer 4, sie alle hoffen, dass im Hechinger „Refugio“ auch weiterhin zusammengearbeitet werden kann, „um eine Gesellschaft aufzubauen, die von Frieden und Sicherheit geprägt ist“.
"Eine Religion des Friedens und der Liebe"
Der Attentäter von Solingen hat seinen Terrorakt, wie es heißt, vor allem aus religiösen Motiven verübt – Hass auf Andersgläubige. Davon distanzieren sich die Muslime im „Refugio“ ausdrücklich. Sie schreiben: „Wir stehen heute hier, um unsre tiefe Verurteilung des schrecklichen Verbrechens auszudrücken, das begangen wurde. Als Syrer und Muslime betonen wir, dass die terroristischen Handlungen in keiner Weise uns oder unsere Werte repräsentieren. Wir sind heute hier, um unsere Trauer und unser Mitgefühl für die unschuldigen Opfer auszudrücken und unsere volle Solidarität mit ihren Familien und Angehörigen zu bekunden.“
Morden für die Religion? Nein, denn: „Der Islam, an den wir glauben, ist eine Religion des Friedens, der Liebe und des friedlichen Zusammenlebens aller Menschen. Wir lehnen jede Form von Gewalt und Extremismus im Namen der Religion oder aus anderen Gründen ab.“ Es folgt der Aufruf zur Einheit gegen den Terrorismus.

