Premiere im Hohenzollerischen: Drei Stetten-Orchester huldigen ihrem verstorbenen Dirigenten

Was für ein Bild! Die Blasmusik-Orchester aller drei Stetten im Altkreis Hechingen auf einer Bühne. In diesem Fall ist es die Stadthalle Burladingen.
Matthias Badura- Drei Musikvereine aus Stetten gedenken ihres verstorbenen Dirigenten Robert Hinderer.
- Über 100 Musiker traten in Hechingen und Burladingen auf, um ihn zu ehren.
- Höhepunkte: „Generationsfanfare“, „Schmelzende Riesen“, „Vivo per lei“, „Der Polka Done“.
- Spendeneinnahmen für Musiktherapie krebskranker Kinder in Tübingen.
- Bürgermeister eröffnete das Konzert; starke emotionale Resonanz.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Lebendige Musikstücke und ausgewogene Rhythmen vereinten sich im ausgebuchten Europasaal der Hechinger Stadthalle „Museum“ als „Melodien des Abschieds“ zu einem unvergesslichen Konzerterlebnis – und noch einmal in derselben Weise am anderen Abend in der Stadthalle Burladingen.
Ein Musiker und ein Kamerad
Zum Gedenken an den viel zu früh verstorbenen Robert Hinderer versammelten sich über 100 Musikanten aus den drei Musikvereinen Stetten-Hechingen, Stetten-Haigerloch und Stetten/Hörschwag, um ihre Verbundenheit mit ihm auszudrücken. Bekanntlich war Hinderer Dirigent des Musikvereins Stetten/Hörschwag, Vizedirigent des Orchesters Stetten bei Hechingen und verstärkte die Kapelle Stetten bei Haigerloch als Tubist. Dabei hat er nicht nur als Musiker seine Spuren hinterlassen – sondern vor allem als Kamerad!
Feierlich, mit wie aus der Ferne klingenden Trompeten und begleitet von Schlagwerk, eröffnete die majestätische „Generationsfanfare“ von Otto M. Schwarz den Abend. Die abwechslungsreiche Programmfolge war – wie Moderator Hansjörg Bart ausführte – im Geiste des Verstorbenen gestaltet. Gefallen hätte ihm wohl die dynamische Interpretation der „Schmelzenden Riesen“ von Armin Kofler. Das Werk – ein musikalischer Fingerzeig auf die Erderwärmung – beeindruckte durch einen gravitätisch anmutenden Beginn, dem eine rasche Passage folgte, die unvermittelt als „Klagelied“ schmelzender Gletscher ausschweifend elegisch endete.

Die Mezzosopranistin Irina Gulde begeisterte beim Konzert in Burladingen im Duett mit dem Tenorsänger Timo Pfeffer.
Matthias BaduraIn getragen dunklen Klangfarben begleitete das Orchester den innig-zarten Gesang der beiden Interpretinnen Irina Gulde (Mezzosopran) und Patrizia Nell (Sopran) in „The Prayer“ – und unterstrich mit starken Crescendos und emotionalen Höhepunkten die fromme Botschaft des Liedes. Eigentlich hätte der Tenor Timo Pfeffer den Gesangspart übernehmen sollen, doch hatte er in Hechingen kurzfristig absagen müssen. Anderntags in Burladingen wusste er jedoch das Publikum mitzureißen.
Solisten setzen Glanzpunkte
Mystisches Transsylvanien! Mit schaurig-schönem Sound entführten Orchester, Patricia Nell und Dirigent Gerhard Nesselhauf (im „Museum“ anstelle von Timo Pfeffer) mittels des „Tanzes der Vampire“ das Publikum ins Reich der schillernden Nachtwesen. Mit „Vivo per lei“ setzten die beiden charmanten Sängerinnen einen weiteren funkelnden Glanzpunkt. Patricia Nell überzeugte durch ihren glasklaren, silbrigem Sopran, der auch in den oberen Registern stark und schön leuchtete. Mit elegant lyrisch grundierter, charaktervoll strömender Stimme modellierte Irina Guldes warm glühender Mezzosopran feine, gesangliche Linien in klarer Diktion. Im Duett mit Patricia Nell gelang eine wunderbar delikate und leidenschaftliche Ausgestaltung des berührenden Liedes.

Die Solisten Patricia Nell und Gerhard Nesselhauf beeindruckten mit grandiosen Stimmen und ganz viel Gefühl.
Matthias Badura„Euphoria – Vieira-Blech“ Martin Scharnagls Komposition sprüht geradezu vor Freude und Euphorie. Hier wie im anspruchsvollen Marsch „Sweet Breeze in May“ entfalteten sich unter der souveränen und gewandten Impulsgebung von Gerhard Nesselhauf präzis kalkulierte, temperamentvolle Einsätze, rasch wechselnde Tempi und unerwartete Wendungen. Mit schlanker Eleganz gespielt, waren trotz der opulenten Strahlkraft des Orchesters auch zurückhaltende Instrumentengruppen klar und akzentuiert zu hören.
Solo für die Tuba
Flöte, Klarinette, Altsaxophon begleiteten die romantische Ballade „I will always love you“, der Patrizia Nell wiederum ihre ausdrucksvolle Stimme verlieh. In dem herzerwärmenden Musikstück „Für Theresa“ – einer Komposition des Tubisten Herbert Hornig – bestach Daniel Edele durch ein erlesen gestaltetes, gefühlvolles Tuba-Solo.
Die Polka zu Ehren Robert Hinderers
Unumschränkte Krönung des Abends war die Premiere der von Timo Dellweg zu Ehren von Robert Hinderer komponierten Polka „Der Polka Done“. Das Auftragswerk war eigentlich als Überraschung der Musikkameraden für Mai, zur Feier des 60. Geburtstags von Hinderer gedacht. Das Werk hätte ihm gefallen: Brillante, leichtfüßige Klarinetten, dynamisch, kraftvolles hohes Blech und die abgerundeten Tenor- und Bariton-Register boten im Verein mit dem Schlagwerk ein farbenprächtig-spritziges Klangbild.
Auftritt für Kapelle Nummer 4
Stimmig rundete ein Medley mit den größten Hits des legendären Duos Simon & Garfunkel das vehement bejubelte Konzert ab – bevor Hinderers „vierte“ Kapelle in den Saal spielte: die Gugguba Hechingen. Ihre Reverenz an das verstorbene Mitglied erzeugte nochmals ein Gänsehaut-Gefühl.
Die Stadt Hechingen hatte in Person der ersten Beigeordneten Dorothee Müllges eine Grußbotschaft gesandt, in Burladingen war es Bürgermeister Davide Licht, der den Abend mit persönlich gehaltenen Worten eröffnete. Die Spendeneinnahmen des Benefizkonzertes kommen der Musiktherapie des Fördervereins für krebskranke Kinder in Tübingen zugute.
