Nabu Hechingen: Waschbär, Goldschakal, Nilgans: Einwanderungswelle der tierischen Art

Der Waschbär geht selbst an steilen Felswänden der Nahrungssuche nach – im Landkreis Rottweil vom Hechinger Nabu-Mitglied Hans-Martin Weisshap aufgenommen.
Hans-Martin Weisshap- Waschbären, Goldschakale und Nilgänse breiten sich im Südwesten Deutschlands aus.
- Waschbären richten Schäden an: Sie plündern Nester und gefährden Kleintiere.
- Jagd auf Waschbären ist erlaubt, außer in der Schonzeit während der Aufzucht.
- Biberbesiedlung nimmt stark zu, was Schäden am Hochwasserschutz verursachen könnte.
- Experten fordern schnelles Eingreifen gegen invasive Arten, um Ausbreitung zu verhindern.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Noch gar nicht so lange ist es her, da fragte man sich in der Region Neckar-Alb, was anderswo für ein Aufhebens um die possierlichen Waschbären gemacht wird. Eine Plage, die man schlecht wieder loswird, hieß es. Mittlerweile sind die tierischen Einwanderer auch im Südwesten angekommen. Und man weiß, dass sie erhebliche Schäden anrichten können.
Nabu und Jäger Hand in Hand
Was tun? Beim Hechinger Nabu hat Kreisjägermeister Markus Schuler in seinem Bericht über Neozoen, also eingewanderte Tierarten, die sich hierzulande ausbreiten, Antworten gegeben. Zwischen der Nabu-Gruppe und dem in Schlatt wohnenden Inhaber einer Jagdschule bestehen seit langem häufige und freundschaftliche Kontakte. In der Schlatter Heide werden gemeinsame Projekte verfolgt, etwa die Anlegung und Pflege von Teichen oder die Anbringung von Fledermauskästen an Jagkanzeln.
Markus Schuler machte zunächst die Verhältnisse klar und schaute auf die große Zahl gebietsfremder Arten, die insbesondere auf den Klimawandel zurückzuführen sei: Von rund 1350 gebietsfremden Tierarten hätten sich rund 250 fest etabliert.
In den Mittelpunkt stellte der Kreisjägermeister neue Arten im Bereich der Säugetiere und der Vogelwelt. Waschbär, Marderhund, Goldschakal, und Nutria oder Nilgans und Rostgans breiten sich auch im Ländle aus. Hinzu kommen „Rückkehrer“ wie Biber, Luchs und Wolf. Als von relevanter Bedeutung hierzulande und gleichzeitig von besonderer Problematik bezeichnete der Experte die beiden Arten Biber und Waschbär. Ersterer habe mittlerweile eine so starke Verbreitung erreicht, dass selbst Kleinstgewässer besiedelt werden.
Der Biber kann zum Problembiber werden
Es sei eine Frage der Zeit, bis es erhebliche Schäden auch beim Hochwasserschutz geben könne. „Der bestehende, absolute Schutz durch EU-Recht ist somit nicht mehr zu rechtfertigen“, so der Kreisjägermeister. Ausnahmen zur „Umsiedlung“ oder gar „letalen Entnahme“ seien nur in langwierigen Verfahren, wenn überhaupt, zu bekommen.

Die Veranstaltung des Hechinger Nabu mit Kreisjägermeister Markus Schuler im Bildungshaus St. Luzen stieß auf reges Interesse
NabuUmfangreich informierte Markus Schuler über den auch bei uns immer häufiger vorkommenden Waschbär, der unter das Jagdrecht fällt. Dieser stelle eine echte Gefahr für einheimische Kleintiere dar. Er klettert sogar auf Bäume und hohe Felswände, um dort Nester auszuräumen, und macht selbst vor Uhu und Wanderfalke nicht halt. Natürliche Feinde gäbe es kaum, allenfalls der Uhu sei in der Lage, sich erfolgreich zur Wehr setzen. Als „Hauptstadt der Waschbären“ gilt derzeit Kassel, da der Landesjagdverband Hessen dort von 100 Tieren auf 100 Hektar ausgeht, anderswo seien es gerade einmal vier Exemplare auf dieser Fläche.
Ja, Jäger dürfen Waschbären schießen
Der Waschbär darf erlegt werden, weil er als invasive Art gilt und dem Jagdrecht unterliegt. Die Jagd ist ganzjährig erlaubt. Die Ausnahme ist die Schonzeit während der Aufzucht der Jungtiere. Hat sich ein Waschbär tatsächlich im Dachboden oder der Gartenhütte eingenistet, dürfte es mit dem Durchladen allerdings so eine Sache sein: bewohntes Gebiet! Aber die Jäger, so heißt es, sind auch mit Lebendfallen ausgerüstet.
Weniger problematisch ist der mit dem Fuchs verwandte Marderhund, der nicht klettern kann und auch nicht gezielt auf die Jagd geht, sondern sein Revier eher als Sammler durchstreift. Es gibt erst einen gesicherten Nachweis im Zollernalbkreis, der dem Kreisjägermeister bekannt ist.
Luchse auf der Durchreise
Mit mehreren, mit der eigenen Wildkamera 2016 in Schlatt aufgenommenen Fotos berichtete der Jäger von seinen Erfahrungen mit dem Luchs, der immer wieder unsere Gegend durchstreift und deutlich mehr Rehwild reißt als anfangs vermutet. Der Wolf sei hier bislang von geringer Bedeutung und stelle noch keine wirkliche Gefahr für Nutztiere dar, im Gegensatz zu den nördlichen Bundesländern. „Bevor er bei uns zur Herausforderung wird, wird es in anderen Bundesländern Lösungen geben,“ ist Markus Schuler überzeugt. Auch der Goldschakal sei noch nicht angekommen.
Grenzkontrollen bringen nichts
Trotz enormer Anstrengungen könne das Auftreten invasiver Arten in die Umwelt nie hundertprozentig verhindert werden. Daher gelte es, insbesondere auch unter Kostengesichtspunkten, ihr Auftreten in der frühen Phase der Invasion rasch zu erkennen und schnellstmöglich geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um eine Etablierung und Ausbreitung zu verhindern.
Fallenjagd – zulässig ist ohnehin nur der Lebendfang – sind für den Kreisjägermeister bei der Jagdausübung eine schwierige Option, versicherte er auf eine Frage aus dem Publikum. Ein gefangener Waschbär müsse schlussendlich doch „letal entnommen“ werden. Auch stellte er in der anschließenden regen Diskussion klar, dass die hiesige Jägerschaft ihre Aufgaben bei der Regulierung von Reh- und Schwarzwild gewissenhaft erfülle. Hans-Martin Weisshap vom Vorstand der NABU-Gruppe dankte Markus Schuler für den kurzweiligen und sehr informativen Vortrag und überreichte ein kleines Präsent.
