Medizintechnikunternehmen in Hechingen: Bentley braucht mehr Platz - und mehr Mitarbeiter

Empfang von Regierungspräsident Klaus Tappeser (Dritter von rechts) und einer tschechischen Delegation im Bentley-Konferenzraum mit Blick über das „Medical Valley“. Bentley-Geschäftsführer Sebastian Büchert (Fünfter von rechts) und Bürgermeister Philipp Hahn (Vierter von rechts) begrüßten die Gäste.
Thomas Jauch- Medizintechnik-Unternehmen Bentley in Hechingen plant Expansion und sucht neue Mitarbeiter.
- Regierungspräsident Klaus Tappeser und tschechische Delegation besuchten das Unternehmen.
- Bentley exportiert Stents in 80 Länder, USA und China sollen bis 2028 folgen.
- Eigene Akademie bildet Führungskräfte aus, Bewerberzahlen sind deutlich gestiegen.
- Firma investiert in regionale Bekanntheit, u. a. durch Sponsoring des Bentley-Cups.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Medizintechnikindustrie in und um Hechingen ist bekanntlich ein Erfolgsmodell, das die Zollernstadt in den vergangenen 50 Jahren zum starken Industriestandort gemacht hat. Die Medizintechnikindustrie wächst weiter, und zwar erstaunlich schnell.
Am Montag dieser Woche überzeugten sich davon Regierungspräsident Klaus Tappeser und eine Delegation aus der Region Pardubice in der Tschechischen Republik, angeführt vom obersten Repräsentanten, Martin Netolický.
Die Region Pardubice ist mit dem Regierungsbezirk Tübingen freundschaftlich verbunden, sie ist eine der 14 sogenannten „kraj“, das sind Verwaltungsbezirke, die kommunale und staatliche Aufgaben wahrnehmen. Die Regionalverwaltung Pardubice ist für rund 530.000 Einwohner zuständig, Martin Netolický wurde 2024 zum vierten Mal zu deren „hejtman“ gewählt, so lautet die Bezeichnung für den ersten Repräsentanten einer Region.
Blick aufs „Medical Valley“
Die Besucher wurden in der Zentrale der Bentley Innomed GmbH im Lotzenäcker von deren Geschäftsführer Sebastian Büchert, von Bürgermeister Philipp Hahn und von Dr. Heiko Zimmermann, Geschäftsführer des Medical Valley Hechingen e.V. empfangen.
Im Konferenzraum des neuen Bentley-Verwaltungsgebäudes, mit herrlichem Blick über Hechingen und den Albtrauf, wurden die Gäste über Hechingen als Industriestandort, das Medical Valley und speziell die beeindruckende Entwicklung der Firma Bentley informiert.
Bürgermeister Philipp Hahn gab einen kurzen Überblick über die Infrastruktur Hechingens, unter anderem die gute Ausstattung mit Schulen und Freizeiteinrichtungen, und verwies auf die rund 3000 Arbeitsplätze in der Medizintechnik. Besonders hervor hob er den Unternehmer Lars Sunnanväder, der bereits 14 Firmen gegründet habe, darunter Bentley, und immer noch Firmen gründe. Die Medizintechnik-Firmen seien zudem im Sponsoring sehr aktiv, die Stadt sei auch dafür sehr dankbar. „Die Medizintechnik ist mit ein Garant für die gute Entwicklung der Stadt“, so Hahn, der den aktuellen Vergleich zu Kommunen zog, deren Wirtschaft zum Beispiel von der KFZ-Industrie dominiert ist.
Dr. Heiko Zimmermann stellte die Vorteile des „Medical Valley“, also der institutionalisierten Zusammenarbeit der Medizintechnikfirmen sowie ihrer Zulieferer und Dienstleister unter dem Motto „Wissen vermehrt sich, wenn man es teilt“ heraus. Das 2003 gegründete Netzwerk ist eines von rund 120 „Clustern“ in Baden-Württemberg, fünf davon sind der Medizintechniktechnik gewidmet. Der Verein Medical Valley sorgt für Wissenstransfer für die 72 Mitglieder, er unterstützt Start-ups. Das ganz besondere am Medical Valley Hechingen: „Die Firmen machen sich bezüglich ihrer Produkte keine Konkurrenz“, betonte Zimmermann.
Bentley-Geschäftsführer Sebastian Büchert versetzte die Gäste nicht nur ein Mal in Staunen, als er die Geschichte des Unternehmens darstellte. Bentley wurde vor 16 Jahren gegründet und beschäftigt zwischenzeitlich weltweit mehr als 500 Mitarbeitende – davon über 400 in Hechingen.
Export in 80 Länder
Von mehreren Punkten beim Firmenrundgang konnte man die geplanten Erweiterungsflächen bestaunen. Abgerissen wurden beziehungsweise werden aktuell die Firmengebäude des ehemals benachbarten Autohauses und die Best-Hallen auf der gegenüberliegenden Straßenseite: Entwicklungsraum für die kommenden Jahre und Jahrzehnte.
Die Produkte der Firma, in der Hauptsache sogenannte „Stents“ zur Behandlung von Gefäß- und Aortenerkrankungen, werden in 80 Länder exportiert, in einem großen Teil Europas durch Direktvertrieb. Stolz ist Büchert unter anderem auf die Zuverlässigkeit: Nahezu hundert Prozent aller Produkte werden aktuell zielgenau am Folgetag geliefert.
Was auf der Bentley-Weltkarte noch fehlt, sind die USA und China. Länder, in denen im Rahmen des Zulassungsprozesses medizintechnischer Produkte eigene Studien verlangt werden. Büchert erwartet die Zulassung für den US-Markt im Jahr 2028 – und in der Folge entsprechend steigende Absätze.
Dafür braucht es nicht nur mehr Platz für die Reinraumproduktion der Stents, sondern viele neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Um diese zu finden, hat Bentley bereits in der Vergangenheit etliche Anstrengungen unternommen, dazu zählt das Sponsoring, zum Beispiel des Bentley-Cups, des internationalen U10-Fußballturniers. Das nämlich erhöht den Bekanntheitsgrad der Firma in der Region. Die Anstrengungen haben sich gelohnt: „Früher hatten wir drei Bewerbungen auf eine Stelle, heute haben wir 40. Wir haben mittlerweile einen Namen als Arbeitgeber“, so Büchert.
Eigene Akademie
Büchert betont, dass Bentley die Mitarbeiter in Hechingen und der Region sucht. Darüber hinaus hat das Unternehmen sehr erfolgreich eine eigene Führungskräfte-Akademie aufgebaut. Mittlerweile sind ein Großteil der verantwortlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus den eigenen Reihen besetzt worden.
Viel Zeit für die Fragen der beeindruckten tschechischen Gäste blieb nicht, diese waren in der Folge auf der Burg Hohenzollern angemeldet. Beim Stichwort Tschechien betonte Sebastian Büchert abschließend, dass Bentleys Produkte dort bereits erhältlich sind und das Unternehmen seine Marktanteile kontinuierlich ausbaut.
Bentley präsentiert sich im Internet unter www.bentley.global.
