Kommunalwahl Hechingen: Gemeinderat Hechingen schwillt auf 37 Sitze an – AfD legt am stärksten zu

So sieht die Sitzverteilung im neuen, auf 37 Sitze aufgeblähten Hechinger Gemeinderat aus.
Stadt HechingenWieder mal ist ein Szenario eingetreten, vor dem die Gegner der unechten Teilortswahl schon mehrfach gewarnt haben: Der Hechinger Gemeinderat ist nach der Wahl vom Sonntag von zuletzt 33 auf nunmehr 37 Mitglieder angeschwollen. Die Normzahl beträgt 26. Verantwortlich für den Zuwachs sind elf Ausgleichssitze, die gewährt werden müssen, um die Sitzverteilung an das Stimmenverhältnis anzupassen, nachdem die CDU wie üblich in den Stadtteilen die allermeisten Direktmandate gewonnen hat. Ohne Ausgleichsmandate wären die anderen Listen unterrepräsentiert.
Wieder sechs Parteien am Hechinger Ratstisch
Wie erstmals 2019 haben es alle sechs Listen in den Gemeinderat geschafft. Die stärksten Zugewinne verbucht – ganz dem bundesweiten Trend folgend – die AfD. Die Partei vom äußersten rechten Rand des Spektrums ist mit sechs Sitzen (plus 4) erstmals in Fraktionsstärke vertreten. Ihre stärksten Ergebnisse verbuchte die AfD in einigen Hechinger Kernstadt-Bezirken (Stockoch, altes Krankenhaus, Ermelesstraße). Die FDP legt dank eines Ausgleichsmandats auf zwei Sitze zu und kann somit eine eigene Gruppe bilden, wenn sie das denn möchte. Ihr 4,7 Prozent bedeuten ein Plus von 0,8 Punkten.

Viele fleißige Hände im Rathaus: Noch vor 14 Uhr war am Montag die Hechinger Gemeinderatswahl ausgezählt.
Ernst KlettIhren Status als stärkste Partei hat die CDU trotz empfindlicher Verluste (minus 5,6 Prozentpunkte) gewahrt. 26,2 Prozent der Stimmen bringen am Ende zehn Sitze ein. Dass die Christdemokraten auf dem Stimmzettel mengenmäßig deutlich dünner besetzt waren als die Konkurrenz, hat sich nicht negativ ausgewirkt. Die Freien Wähler, die ein wenig auf Platz 1 geschielt hatte, verloren ebenso viel (minus 5,5 Prozentpunkte). Ihre 25,5 Prozent reichen für neun Sitze.
Platz 3 verloren die Sozialdemokraten an die AfD, deren 17,1 Prozent ein Plus von 11,7 ausmachen. Dank der Ausgleichssitze verteidigte die SPD aber ihre fünf Mandate. Dafür reichten 13,6 Prozent der Stimmen (minus 0,7). Auf Platz 5 abgerutscht ist die Bunte Liste mit 12,9 Prozent (minus 0,7), die dank zweier Ausgleichssitze aber dennoch einen Sitz mehr hat als im alten Gremium, nämlich fünf.
Lorenz Welte ist eindeutiger Stimmenkönig
Die Kommunalwahl ist aber immer auch und in erster Linie eine Persönlichkeitswahl. Nachdem 2019 eine Phalanx von vier Ärzten triumphiert hatte, ist auch diesmal wieder ein Mediziner zum Stimmenkönig avanciert: Dr. Lorenz Welte (CDU) hat mit 7502 Stimmen den Rest des Kandidatenfeldes weit hinter sich gelassen. Das dürfte Welte freilich weniger seinem Titel zu verdanken haben als seinem Durchhaltevermögen: Obwohl er nach dem Streit ums "Refugio" den Fraktionsvorsitz bei den Christdemokraten niederlegt hatte, hat er sich wieder zur Wahl gestellt – und ist nun gestärkt aus dieser hervorgegangen.
Neu bei der CDU: Mößner und Nangoum
Weltes Nachfolger im Fraktionsvorsitz, Stefan Hipp, hat mit 4353 Stimmen ebenfalls ein sehr starkes Resultat erzielt und hat gemeinsam mit Michael Hegele (3694) und Rückkehrer Michael Mößner (3480) den Erfolg der CDU gefestigt. Neu in der CDU-Fraktion ist außer Mößner noch der Apotheker Adrien Nangoum.
Zwei Mandate für die Freien Wähler in Boll
Bei den Freien Wählern hat diesmal Fraktionschef Werner Beck mit 4275 Stimmen abgeräumt, dicht gefolgt von Dr. Alexander Vees (4226) sowie Klaus Jetter (3776) und Frank Balbach (3111). In Boll haben die Freien Wähler gleich zwei Sitze geholt: Roland Huber (2471) eroberte ein Direktmandat, Martin Neumaier (1373) einen Ausgleichssitz. Neumaier ist ebenso neu in der Fraktion wie Dr. Ursula Bailer (2305) und Jürgen Staib (1447).
Rosenstock und Simon sahnen ab
Hauptgaranten für den Zugewinn der AfD waren die beiden amtierenden Räte Kai Rosenstock und Johannes Simon. Der Polizeibeamte sahnte 5807 Stimmen ab und fuhr damit das zweitbeste Resultat aller Kandidaten ein. Der Reiseverkehrskaufmann holte 4150 Stimmen. Neu in der AfD-Ratsriege sind vier Kernstadt-Kandidaten: Andreas Brokop (3247), Steffen Walker (3231), Francesco Padula (3211) und Ina Hess (3119).
Das beste SPD-Resultat erzielte der Beuren Direktmandat-Gewinner Jürgen Fischer (2503). Die scheidende Ingrid Gruler wird von Neuling Felix Miller (1753) ersetzt. Der Rest der Fraktion bleibt unverändert.
Hannes Reis verliert seinen Sitz
Drei neue Gesichter gibt es in der Bunte-Liste-Fraktion. Neben Fraktionschefin Almut Petersen (3400) und Winfried Rullof (1611) ziehen die Neulinge Amélie Loye (1911), Annette Fellinger-Robertz (Boll, 1099) und Tobias Wieck (1582) in den Gemeinderat ein. Mit dem Stettener Hannes Reis muss ein angestammter Stadtrat seinen Platz räumen. Nebeneffekt: Boll stellt ab sofort drei Stadträte.
Acht Frauen – 29 Männer
Der Frauenanteil im Gremium nimmt nicht zu. Auch in den vergrößerten Gemeinderat schafften es nur acht Rätinnen (bisher sieben). Sie sitzen 29 Männern gegenüber.
Der Gemeindewahlausschuss tagt am Mittwoch
Noch sind die Ergebnisse vorläufig. Feststellen muss sie der Gemeindewahlausschuss, der am Mittwoch, 12. Juni, um 18 Uhr im Rathaus tagt.
