Insolvenz Sowitec: Flaute beim Windkraft-Pionier wegen Zahlungsschwierigkeiten

Bei diesem Ortstermin 2022 auf dem Melchinger Himmelberg mit seinen insgesamt drei Windrädern war die Welt noch in Ordnung. Jetzt musste das international agierende Sonnenbühler Energieunternehmen Sowitec Insolvenz anmelden. Geschäftsführer Frank Hummel (rechts) erklärte, dass die Geschäftstätigkeit normal weiterverläuft. Mit auf dem Foto: der damalige Bundestagsabgeordneter Chris Kühn (3. v. r.) und die Grünen-Landtagsabgeordnete Cindy Holmberg.
Archiv/Badura- Sowitec aus Sonnenbühl hat beim Amtsgericht Tübingen Insolvenz angemeldet.
- Die Tochterfirmen stellten ebenfalls Anträge, die Geschäftstätigkeit läuft zunächst weiter.
- Laut Geschäftsführer fehlen Zahlungen aus Mexiko und Kolumbien im oberen einstelligen Millionenbereich.
- Schwierige Bedingungen im süddeutschen Windmarkt belasten zusätzlich – höhere Transportkosten.
- Löhne von rund 80 bis 200 Beschäftigten sind vorerst über Insolvenzgeld gesichert.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Firma Sowitec aus Sonnenbühl, Erbauer und Betreiber von Windanlagen, hat am 14. Juli beim Amtsgericht Tübingen Insolvenz angemeldet. Neben der Sowitec Group stellten die Tochtergesellschaften Sowitec international, Sowitec operation und Sowitec Projekt Anträge auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.
Wie Geschäftsführer Frank Hummel mitteilt, geht man davon aus, dass nach Bestellung eines vorläufigen Insolvenzverwalters die Geschäftstätigkeit der Sowitec-Gruppe zunächst fortgeführt wird. Hummel gegenüber unserer Zeitung: „Auch die Entwicklung unserer Projekte geht normal weiter.“
Nach Informationen des SWR hatte das Sonnenbühler Unternehmen schon länger finanzielle Schwierigkeiten und musste Anleihen verlängern.
Mexiko und Kolumbien bezahlen nicht
Das 1993 gegründete Unternehmen kämpfte bereits geraume Zeit mit Liquiditätsproblemen und musste in der Vergangenheit wiederholt Anleihen und sowie Zinszahlungen stunden oder verlängern.
Laut Geschäftsführer Hummel haben vor allem ausstehende Zahlungen im oberen einstelligen Millionenbereich aus Mexiko und Kolumbien dem Unternehmen zugesetzt. Das Geld sei seit Monaten fest eingeplant gewesen. Diese Zahlungen, so hofft er, wird das Unternehmen in Kürze erhalten. Was der Firma finanziell erheblich helfen dürfte.
Daneben habe die schwierige Situation am deutschen Windmarkt zur jetzigen Situation geführt. Vor allem in Süddeutschland sei die Realisierung neuer Projekte extrem schwierig, so Hummel. Grund seien Topografie und Infrastruktur im Süden. Das erfordere höhere Kosten für den Transport etwa von Windanlagen.
Hohfleck läuft nicht rund
Zuletzt errichtete die Sowitec fünf Windräder auf Hohfleck/Sonnenbühl für den Betreiber Stadtwerke Tübingen (stw). Nach der Eröffnung des Windparks stehen diese Windmühlen in vergangenen Wochen jedoch wegen des Vorkommens von Rotmilanen überwiegend still.
1995 eröffnete das Unternehmen mit starker Unterstützung der Stadt Burladingen den Windpark auf dem Himmelberg in Melchingen. Es war der erste seiner Art und Größe in Baden-Württemberg. Für die Anlage war ein „Repowering“ ins Auge gefasst – also eine Ertüchtigung, damit die drei Windmühlen beziehungsweise deren Nachfolgerinnen nach der Laufzeit von 30 Jahren weiter betrieben werden können (wir berichteten).
Burladingens Bürgermeister Davide Licht und Melchingens Ortsvorsteher Horst Lamparth zeigten sich am Dienstag von der Insolvenz-Nachricht überrascht. Lamparth sagte, man habe erst kürzlich erneut Gespräche über die Zukunft des Parks auf dem Himmelberg geführt. Wie es hier jetzt weitergeht, vermochte er vorerst nicht zu sagen.
Gravierender könnte sich die Insolvenz auf geplante Projekte in Eningen, Grabenstetten, Mehrstetten und Bad Urach auswirken.
Beschäftigte erhalten ihre Gehälter zunächst weiter
Sichergestellt Die Geschäftstätigkeit der Sowitec und ihrer Tochtergesellschaften soll in den kommenden drei bis sechs Monaten unter der Aufsicht eines vorläufigen Insolvenzverwalters regulär weiterlaufen. Die Löhne und Gehälter der rund 80 bis 200 betroffenen Beschäftigten sind vorerst über das gesetzliche Insolvenzgeld abgesichert.
Weltweit Das Unternehmen mit Hauptsitz in Sonnenbühl ist weltweit in 14 Ländern im Bereich der erneuerbaren Energien mit Windanlagen und Solar tätig.
