Hechinger AfD-Sonntag: In die Kirche nur unter Polizeischutz? Man sollte damit rechnen

Es ist Totensonntag. Bei der evangelischen Kirche ist der Ewigkeitssonntag der letzte Tag des alten Kirchenjahres, al,so extra bedeutend. Ob der Kirchgang in die Hechinger Johanneskirche wie üblich abläuft, kann nur gehofft werden,
Jens Schulze/epd- AfD-Landesparteitag in Hechingen sorgt für Straßensperrungen und starke Polizeipräsenz.
- Evangelische Gemeinde hält Gottesdienst trotz Nähe zur Stadthalle und Sicherheitsbedenken ab.
- Zugang zur Johanneskirche über den Schulhof der Zollerschule bleibt für Kirchgänger möglich.
- Evangelische Gemeinde beteiligt sich nicht direkt an der Demo für Demokratie und Menschenrechte.
- Veranstaltungen wie „Kaffee und Kuchen“ fallen aus, abendliches Konzert in der Villa findet statt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Auch wenn es bis kurz vor Schluss in Hechingen teilweise hartnäckig tönte, das sei doch alles übertrieben: Es gibt weitere Auswirkungen des AfD-Landesparteitags für die Zollernstadt. Zumindest Auswirkungen, die nicht kategorisch auszuschließen sind und auf die man vorbereitet sein sollte.
Auch dieser Termin ist heikel
Immerhin konnte der Gedenktag 9. November abgewendet werden. Aber die AfD in der Stadt am Toten- beziehungsweise Ewigkeitssonntag, das ist auch nicht unbedingt beglückend. Denn allein die Straßensperrungen bringen das sonst übliche Hechinger Sonntagsleben heftig durcheinander. Von der starken Polizeipräsenz und den befürchteten auswärtigen Protestierern aus der linken und ebenso der rechten Szene ganz zu schweigen.
Da stellt sich nicht allein für die Bewohner der Oberstadt die Frage, ob und wie sie das Haus oder die Wohnung verlassen können. Es gibt überdies den sonntäglichen Gottesdienstbesuch. Und der fällt bei der evangelischen Gemeinde am bevorstehenden Sonntag wohlgemerkt nicht aus. Auch wenn sich die Kirche direkt gegenüber der Stadthalle „Museum“ befindet. Also im engsten Kreis des AfD-Umfelds.
Wir haben nachgefragt beim neuen Geschäftsführenden Pfarrer Marcus Kalkofen: Ist überhaupt Kirche am Sonntag? Es ist für die evangelischen Christen ein ganz besonderer Sonntag. Gehen Sicherheit und Wohlergehen der Kirchgänger vor? Sind ihnen größere Fußmärsche zuzumuten, weil das nähere Umfeld abgesperrt sein wird?
Bedenken offenbar ausgeräumt
Die Antwort ist ein klares Ja. Den Ausschlag gegeben haben laut Pfarrer Kalkofen die Gespräche mit der Polizei und dem städtischen Ordnungsamt. Dort wurde wohl sogar richtig zugeraten. Es gibt zwar Einschränkungen beim Hinkommen, bestätigt der Geistliche, aber der Zugang zu Fuß sei über den Schulhof der benachbarten Zollerschule gesichert. Kalkofen: „Dass das gewährleistet ist und bleibt, da habe ich vollstes Verständnis in die Ordnungskräfte.“
Muss es wirklich sein?
Blauäugig ist man nicht bei der Kirchengemeinde. Es habe schon kritische Anfragen gegeben, lässt der Pfarrer wissen: Warum an diesem Tag in der Kirche? Aber darauf hat Marcus Kalkofen eine pragmatische Antwort: „Manchmal müssen Christenmenschen auch mit dem zurechtkommen, wofür sie Christus höchstpersönlich in seiner Erdenzeit sensibilisiert hat.“
Da wäre noch die Zusatzfrage, wieso eigentlich die Evangelische Gemeinde Hechingens nicht im Bündnis für Demokratie und Menschenrechte mitmacht, das am Sonntag die große lokale Demo organisiert. Die Katholische Gemeinde zeichnet dort sehr wohl mitverantwortlich. Der Geschäftsführende evangelische Pfarrer erklärt dies damit, dass der Kirchengemeinderat von seinem Verständnis her nicht allgemein für die Gesamtheit der Gemeindemitglieder sprechen könne.
Mitglieder dabei, die Gemeinde nicht
Allerdings sind die Mitglieder des Gremiums inhaltlich voll dabei, wenn es um die Hechinger Gegendemonstration auf dem der Stadthalle benachbarten Obertorplatz geht: Sie befürworten jedes friedliche Engagement für Demokratie und Menschenrechte und lehnen Demokratiefeindlichkeit und die Missachtung von Menschenrechten grundsätzlich ab.
Kein Kaffee und Kuchen, aber ins Konzert
Weitere Auswirkungen: Am Sonntagnachmittag muss die Hechinger Kultveranstaltung „Kaffee und Kuchen in der Villa“ ausfallen. Das hat der Förderverein Villa Eugenia bekanntgemacht. Eine Zwangspause gibt es ebenfalls für die Sonntagsöffnung der aktuellen Kunstausstellung. Beides erklärt sich für den Förderverein durch die Sperrung der Zufahrt.
Das abendliche Konzert des Kulturvereins in der Villa soll dagegen wie geplant stattfinden. Um 19 Uhr soll der ganze Spukt wieder vorbei sein. So hofft man bei der Villa.

