Großtauschtag Hechingen
: Fünf Meter Briefmarkensammlung geerbt: Was ist die wohl wert?

Der erste Großtauschtag nach dem extra großen Termin zum 60. Geburtstag der Zollern-Philatelisten hatte eine gute Resonanz. Wer schon immer wissen wollte, ob die alten Wertzeichen daheim ein Schatz sind, bekam Antwort.
Von
Ernst Klett
Hechingen
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War schon Warentauschtag? Geheime Lagebesprechung zum Kauf von Tasmanien? Beide Male weit gefehlt! Es war Großtauschtag im Hechinger "Museum", und die Briefmarkenfreunde sorgten für ein Publikum aus der weiten Region.

War schon Warentauschtag der Grünen? Oder ist es eine geheime Lagebesprechung zum Kauf von Tasmanien? Beide Male weit gefehlt! Es war Großtauschtag im Hechinger "Museum", und die Briefmarkenfreunde sorgten für ein Publikum aus der weiten Region.

Ernst Klett
  • Großtauschtag Hechingen: Briefmarkensammler aus der Region treffen sich im "Museum".
  • Frage nach Wert von alten Sammlungen: Werner Zink, Vereinsvorsitzender, gibt Auskunft.
  • Deutsche Post erklärte alte Wertzeichen nach Euro-Einführung für ungültig.
  • Weniger Briefmarkensammler, weniger Vereine, weniger Tauschtage; Hechingen bleibt aktiv.
  • Nächster Vereinsabend: 6. Mai, "Brielhof".

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Jahrzehntelang wurden Briefmarken zusammengetragen. Nicht ohne Plan, sondern durchaus, um Themensammlungen zu schaffen. In den auffallend vielen Alben mit den unzähligen gezackten Marken steckt also einiges an Geld, das man hätte auch anderweitig verwenden können. Der Philatelist aus dem hohenzollerischen Unterland, um den es im konkreten Fall geht, ist schon lange ein Ex-Philatelist. Gesammelt wird seit vielen Jahren nicht mehr. Aber die Sammlung ist da, und das Geld dafür weg. Da drängt sich logischerweise eine zentrale Frage auf!

Es ist die Frage, um die es so oft im Leben geht: Was ist es wohl wert? "Es" meint die Briefmarkensammlung, die einige Jahrzehnte alt ist. Wer gibt einem eine neutrale Auskunft, ohne einen übers Ohr zu hauen?! Da bieten sich die aktiven Mitglieder der Briefmarkenfreunde an. Da bietet sich aber noch viel, viel mehr ein Besuch des Großtauschtages im Hechinger "Museum" an. Man muss dafür ja nicht die komplette Sammlung mit der Schubkarre vorfahren. Ein Album als Beispiel reicht auch.

Der Europasaal der Stadthalle war mit langen Tischreihen gefüllt, auf denen bei weitem nicht allein Briefmarken zu kaufen und zu tauschen waren.

Der Europasaal der Stadthalle war mit langen Tischreihen gefüllt, auf denen bei weitem nicht allein Briefmarken zu kaufen und zu tauschen waren.

Ernst Klett

Werner Zink, dem ebenso engagierten wie langjährigen Vorsitzenden der Hechinger Philatelisten, ist die Frage nach dem aktuellen Wert von Vaters oder Opas Briefmarkensammlung schon oft gestellt worden. Sehr oft sogar. Schön, wenn die alte Frage dieses Mal von der HZ kommt, und der Redakteur die Antwort gleich mitliefert: Die Sammlung war im persönlichen Fall in den 50er-Jahren begonnen worden und hört irgendwann zu Beginn der 80er-Jahre auf. Ein ganzes Büroschränkle haben die Alben gefüllt. Das HZ-Originalzitat: "Die kann man wegschmeißen, gell?" Werner Zinks schlagfertige Reaktion: "Schöner hätte ich es nicht sagen können." Wenn das unser Ex-Sammler aus dem Unterland wüsste!

Von einem Tag auf den anderen!

Alte Dinge werden mit den Jahren oftmals wertvoller. Bei den Briefmarkensammlungen hat die Deutsche Post dafür gesorgt, dass sie nicht irgendwann Gefahr läuft, für die einst für viel Geld angelegten Sammlungen vielleicht einen Gegenwert herausrücken zu müssen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt, aber es wird kein Zufall gewesen sein, dass die Post drei Jahre nach der Einführung des Euro ihre alten Wertzeichen, die noch mit Pfennig und Deutscher Mark ausgezeichnet worden sind, für ungültig erklärt hat.

Philatelisten unter sich: Werner Zink (rechts) plant mit einem Vereinsmitglied die nächsten Veranstaltungen. Zeit für Gespräche über allerlei hat man bei Großtauschtagen immer.

Philatelisten unter sich: Werner Zink (rechts) plant mit einem Vereinsmitglied die nächsten Veranstaltungen. Zeit für Gespräche über allerlei hat man bei Großtauschtagen immer.

Ernst Klett

"Die haben das von einem Tag auf den anderen gemacht", sagt Werner Zink. Man merkt dem Philatelist an, dass er über diesen Schritt der Post noch heute konsterniert ist. Denn in der Folge wurde die noch so schönste und teuerste Sammlung aus der Zeit vor 2003 null und nichtig – komplett wertlos. "Wie Micky-Maus-Bildle", sagt der Hechinger Vereinschef. Wobei Werner Zink offenbar noch nie vom sensationell hohen Wert historisch wertvoller Comic-Exemplare gehört hat.

Postkartensammlungen können nicht allein Erinnerungen wecken, sondern unter Umständen auch einen gewissen Wert haben. Bei den Briefmarkenfreunden Hechingen bekommt man Antwort.

Postkartensammlungen können nicht allein Erinnerungen wecken, sondern unter Umständen auch einen gewissen Wert haben. Bei den Briefmarkenfreunden Hechingen bekommt man Antwort.

Ernst Klett

Der Hechinger Großtauschtag nahm derweil in der Stadthalle seinen Lauf, ohne dass jemand mit einer Schubkarre durch den Eingang gekommen wäre. Die Nummer 1 nach dem extra großen Tauschtag zum 60-jährigen Vereinsbestehen 2024 habe man im Vorfeld als Herausforderung betrachtet, räumt der Hechinger Oberphilatelist offen ein. Spätestens um die Mittagszeit dürften die gut 20 Aktiven des insgesamt annähernd 50 Mitglieder zählenden Vereins zufrieden durchgeatmet haben: Die Aufwand hat sich auch 2025 gelohnt, es sind genügend Händler und Sammler da!

Weniger Vereine, weniger Tauschtage

Dabei ist es bei den Philatelisten mit dem Alter eine ganz besondere Sache. Briefmarkensammler haben so gut wie keinen Nachwuchs mehr. Entsprechend gibt es immer weniger Vereine, oder die sind mit den Jahren so klein geworden, dass sie keine Tauschtage mehr stemmen können. Südlich  von Stuttgart, so erklärt Werner Zink die Verhältnisse im Ländle, gebe es im ersten Halbjahr nur noch an vier Orten Großtauschtage. Hechingen ist einer davon. Der nächste ist so weit nicht weg: Trochtelfingen. Aber Balingen, Tübingen, Reutlingen, Rottweil? Fehlanzeige herrscht heute, wo einst die halbe Region tauschte.

Auch Münzsammlung sind längst bei Großtauschtagen von Briefmarkenvereinen fest etabliert. Gemeinhin wird das Metall allerdings übersichtlicher vorgeführt.

Auch Münzsammlungen sind längst bei Großtauschtagen von Briefmarkenvereinen fest etabliert. Gemeinhin wird das Metall allerdings übersichtlicher vorgeführt.

Ernst Klett

Mit Briefmarken allein, das hat Werner Zink der HZ schon im Vorabgespräch geflüstert, holt man die Leute nicht mehr zu Großtauschtagen. Deshalb sind im "Museum" unter anderem auch Münzen auf den Tischen zu finden, ebenso alte Rechnungen und Briefe aus der Zeit ab 1860. Man fragt sich beim Gang durch die Stadthalle, was die Menschen eigentlich alles sammeln. (Und man sollte angesichts der zwölf Meter Schallplatten daheim besser keine Kommentare geben.)  Hingucker beim Tauschtag 2025 sind ebenfalls die in Rahmen präsentierten Themensammlungen von gut 15 Hechinger Sammlern. Dieter Blessing zum Beispiel war 1972 als Polizist live dabei und zeigt Marken und Nachrichten über die Olympiade und den Terrorangriff auf die israelischen Sportler in München.

Das ist eine Themensammlung: Sondermarken und Zeitungsausschnitte zu einem bestimmten Ereignis. In diesem Fall sind es die Olympischen Spiele 1972.

Das ist eine Themensammlung: Sondermarken und Zeitungsausschnitte zu einem bestimmten Ereignis. In diesem Fall sind es die Olympischen Spiele 1972.

Ernst Klett

Vor allem die am Sonntag gezeigten Postkarten hätten für mehr Besucherinnen und Besucher aus Hechingen sorgen sollen. Das hatten die Briefmarkenfreunde zumindest im Vorfeld gehofft. Bis Mittag hatte das freilich die Massen nicht unbedingt angelockt. Dabei wäre auch bei historischen Karten genauso die Frage zu stellen, was dieses oder jenes Exemplar unter Sammlern wohl wert sein könnte.

Lieferservice der HZ fürs Unterland

Und unser Ex-Philatelist aus dem hohenzollerischen Unterland? Was ist aus ihm beim Hechinger Großtauschtag geworden? Leider hat er die warme Stube nicht verlassen wollen. Aber Antwort auf die Frage, was seine Sammlung wert sein mag, die weit vor 2003 endet, hat er auch als Stubenhocker erhalten. Eine Serviceleistung der HZ-Redaktion in Kooperation mit den Briefmarkenfreunden!

Info Wer Kontakt aufnehmen will zu den Hechinger  Briefmarkenfreunden, schaue beim nächsten Vereinsabend im "Brielhof" vorbei. Der Termin ist am Dienstag, 6. Mai, ab 19 Uhr. Es geht um die "Aktion 50 Cent". Der Vorsitzende Werner Zinke ist zu erreichen unter der Telefonnummer (07471) 62 19 99.