Großalarm in Burladingen
: Abgestürzter Gleitschirmflieger erweist sich als etwas anderes

Ein Notruf setzte Feuerwehr, Polizei, DRK und Bergwacht in Burladingen in Marsch. Schnell stellte sich heraus: Fehlwahrnehmung eines Beobachters.
Von
Matthias Badura
Burladingen
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Ballon Gleitschirmflieger Burladingen Fehlalarm

Was flattert da links oben im Bild? Es ist ein geplatzter Helium-Ballon, wie man ihn auf Festen oder anderswo kaufen kann. Aus großer Entfernung ist er noch schlechter zu erkennen. Ein Burladinger Bürger hielt das bunt hin und her wehende Etwas für den Schirm eines verunglückten Gleitschirmfliegers. Die herbeigeeilten Rettungskräfte und die Polizei erkannten den Irrtum bald.

Matthias Badura
  • Fehlalarm in Burladingen: Gemeldeter Gleitschirmabsturz entpuppte sich als geplatzter Luftballon.
  • Einsatz am steilen Delisberg-Hang war schwierig – Rettungskräfte rückten vorsorglich groß an.
  • Polizei und Feuerwehr klärten rasch: In den Bäumen hing nur eine bunte Ballonhülle.
  • Gebiet wurde dennoch geprüft, ein Verunglückter fand sich nicht – Kräfte rückten ab.
  • Hintergrund: Immer wieder Fehlalarme, teils durch Beobachtungsirrtümer oder eCall-Systeme.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Meldung setzte am Dienstagmorgen, 7. Juli, ein mittleres Aufgebot von Rettungskräften in Marsch. Man ging davon aus: Ein Gleitschirmflieger ist am Burladinger Ski- und Bike-Hang abgestürzt. Er hängt dort in mehreren Metern Höhe in den Bäumen.

Polizei, Feuerwehr, DRK und Bergwacht rückten an. Auch Kreisbrandmeister Sven Röger eilte vor Ort. Die Rettungsaktion drohte dramatisch zu werden: Der Hang am Delisberg ist steil, die Absturzstelle mit herkömmlichen Fahrzeugen kaum oder nur schwer zugänglich. Die Burladinger Drehleiter hätte keine Möglichkeit gehabt, an den Verunglückten heranzukommen. Vielleicht würde man sogar einen Hubschrauber zur Unterstützung benötigen – so die späteren Überlegungen.

Vom nahe gelegenen Burladinger Feuerwehrhaus fuhr zunächst der Vorausrüstwagen los, um die Lage zu erkunden. Weitere Burladinger Wehrkräfte blieben einsatzbereit im Gerätehaus zurück, bis geklärt worden wäre, wer und was man an Material und Fahrzeugen benötigt. Sie hätten bei Bedarf sofort an der Einsatzstelle sein können.

Verdacht bestätigte sich umgehend

Stadtbrandmeister Manuel Kehrer erahnte auf der Erkundungsfahrt jedoch bereits, was sich zeitgleich durch Nachforschungen der Polizei bestätigte. Was da wirklich in den Bäumen hing, war kein Gleitschirmflieger, sondern die geplatze, im Wind schlackernde Hülle eines bunten Luftballons. Darauf aufgedruckt eine niederstellige Zahl, womöglich, doch das ist nur Vermutung, wurde er bei einem Kindergeburtstag gestartet.

Das Gebiet wurde trotzdem noch weiter erkundet. Theoretisch hätte ja ein tatsächlich verunglückter Gleiter abseits des Ballons in den Wald gestürzt sein können. Das war nicht der Fall. Die Rettungskräfte konnten wieder abrücken.

In Burladingen war das Aufgebot nicht unbemerkt geblieben. Als der Hintergrund bekannt wurde, witzelte ein Mitbürger: „99 Luftballons auf ihrem Weg zum Horizont“ – in Anlehnung an den Hit der Sängerin Nena.

„Lieber einmal umsonst, als zu spät“

„Natürlich kann man hinterher darüber schmunzeln“, meinte später Stadtbrandmeister Kehrer. „Aber die Sache hätte auch ernst sein können.“ Und man nehme grundsätzlich jeden Notruf ernst! Es gelte der alte Satz: Lieber einmal zu früh oder umsonst ausrücken, als im Ernstfall zu spät kommen und nicht rechtzeitig alles unternommen zu haben, um jemanden aus Gefahr zu retten.

Fehlalarme durch eCall-System

Fehlalarme gibt es immer wieder. Im Februar 2021 suchte ein Großaufgebot der Burladinger Feuerwehr einen auf der Lauchert gekenterten Kajakfahrer. Der Hilferuf war von einer Spaziergängerin abgesetzt worden. Doch es handelte sich um eine falsche Wahrnehmung der Beobachterin. Das wurde offenbar, als sich der Gesuchte wohlauf – der Lauchert längst entstiegen und zwischenzeitlich bei einem Bekannten eingekehrt – bei der Truppführung meldete. Er habe die Aktion zufällig im Radio mitbekommen: „Ich glaube, ihr sucht mich?“, meinte er etwas verlegen. Auch hier galt vonseiten der Rettungskräfte: Die Frau hätte richtig beobachtet haben können und man darf keine Zeit verstreichen lassen.

Andere Notrufe werden in jüngerer Zeit durch moderne Technik in Fahrzeugen (eCall-System) ausgelöst. 2024 eilte die Burladinger Wehr ins Killertal, um ein verunglücktes Fahrzeug zu finden – das aber gar nicht vorhanden war. Einen Unfall hatte es wohl auch andernorts nicht gegeben.