Kesselhaus in Burladingen: Bald noch eine Gaststätte weniger?

Leere Parkplätze vor dem Burladinger „Kesselhaus“. Natürlich, es ist Ruhetag. Die Sorge geht allerdings um, dass sich dieser Anblick im kommenden Jahr dauerhaft darbietet. Pächter Michael Roder, der die Speisegaststätte seit 2016 betreibt, wird dann nicht mehr da sein. Die Nachfolge ist noch ungeklärt, jedoch der Besitzer, Textilunternehmer bereits auf der Suche nach einem geeigneten Nachpächter.
Matthias Badura- Pächter Michael Roder verlässt das „Kesselhaus“ in Burladingen im Frühjahr 2024.
- Nachfolger für die Speisegaststätte ist bisher nicht gefunden, Besitzer Dolinschek sucht aktiv.
- Roder plant, einen eigenen gastronomischen Betrieb zu eröffnen, Ort noch unklar.
- „Kesselhaus“ bietet gehobene Küche, nostalgisches Ambiente – Verlust wäre ein herber Schlag.
- Pacht beträgt 2300 Euro, Bewerbungen von Gastronomen sind willkommen, Starthilfe zugesichert.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Weit über 20 Gaststätten, in denen man auch essen konnte, zählte die Kernstadt Burladingen bis in die 80er-Jahre: Saalbau, Rose, Waldhorn, das später zum China-Restaurant wurde, Bergwirtschaft und weitere, die in fast zärtlicher Erinnerung bleiben.
Die Zahl der reinen Kneipen, an denen sich Gäste zum Stammtisch oder zum Abendschoppen niederlassen konnten, hat radikal abgenommen, sie beschränkt sich inzwischen auf die Zahl von zweien.
Wäre ein Verlust
Besser sieht es mit Speisegaststätten, Imbissmöglichkeiten oder Lieferservice aus. Dennoch würde der Verlust des „Kesselhauses“ in der Ringinger Straße einen herben Verlust darstellen – mit seinem gehobenen Angebot und seiner nostalgischen Ausstattung, die an die Blütezeit der einstigen Burladinger Textilindustrie erinnert.
Die Nachricht vom vorläufigen Ende des Restaurants kursiert durch die Stadt und wurde von den Beteiligten bestätigt: Theo Dolinschek, Besitzer des „Kesselhauses“, und Pächter Michael Roder haben den Pachtvertrag beiderseitig nicht verlängert.
Im kommenden Frühjahr soll die Ära Roder enden. Er, so sagte Roder beim jüngsten Vereinsstammtisch, der monatlich in der Gaststätte tagt, gegenüber Gästen und der SÜDWEST PRESSE, möchte einen eigenen gastronomischen Betrieb eröffnen, sich vollends selbständig und unabhängig machen.
Was wird dann aus dem „Kesselhaus“? Theo Dolinschek erklärte uns gegenüber, es sei derzeit kein Nachfolger in Sicht. Aber er sei dringend daran interessiert, jemanden zu finden. Das Restaurant, das er einrichtete, und das er in Vergangenheit auch selbst bewirtete, liegt ihm am Herzen.
Nicht auf Pacht angewiesen
Wobei Dolinschek, wie man getrost behaupten darf, nicht auf die Pachteinnahmen angewiesen ist. Der 61-Jährige, der ursprünglich den Beruf des Kochs erlernte, betreibt nach Trigema mit rund 100 Arbeitsplätzen heute die zweitgrößte Textilfirma der Stadt und ist in mehreren technischen oder medizinischen Nischen der Branche überaus erfolgreich tätig.
Der Unternehmer stellt in dem Zusammenhang die Höhe der Pacht für das „Kesselhaus“ klar. Sie betrage 2300 Euro! Das ist weitaus weniger, als die Buschtrommeln der Stadt vermelden. Hier spricht man von Beträgen bis zu 9.000 Euro und weitaus mehr. „Das ist rufschädigend“, erbost sich der Besitzer.
Bewerber dürfen sich melden
Dolinschek bietet nicht nur interessierten Gastronomen an, sich bei ihm zu melden. Auch Servicekräfte und Köche, eventuell auch Paare aus dem Gewerbe können mit ihm in Kontakt treten, um die Möglichkeiten zu prüfen. Was die Pacht betrifft, werde sie sich „sicherlich nicht nach oben verändern. Einem neuen Pächter werden wir zum Start entgegenkommen, um ihn anfangs zu unterstützen, so wie wir das immer getan haben.“
Bewerber, die damit liebäugeln, eine Pizzeria oder Trattoria zu eröffnen, dürften es jedoch eher schwer haben. Mit diesen Angeboten, so der Unternehmer sinngemäß, sei die Stadt gut und ausreichend versorgt. Ebenso mit solchen aus türkischer Küche.
Die Einschätzung scheint im Hinblick auf die beliebten Lokale „da Luigi“ und „da Emanuele“ richtig zu sein. Und was Kebap, oder auch Hamburger betritt, ist „Ciceks Imbiss“ auf diesem Gebiet der Jahrzehnte alte Platzhirsch, der nur schwer zu schlagen sein dürfte.
Zudem entsteht momentan im Gebäude des ehemaligen „Sternenbäck“ ein Restaurant, das verfeinerte türkische Kulinarik mit Frühstück und Pfannengerichten anbieten will (Eröffnungstermin steht allerdings bisher nicht fest.) Nicht zuletzt verfügt Burladingen seit vergangenem Jahr über einen „Asia-Wok“.
Gäste und Verwaltung hoffen
Nochmals Gerüchte: Aussagen darüber, wo Michael Roder sich künftig niederlässt, sind sämtlich unbestätigt. Nicht nur die Fans seiner Küche, aber ebenso die Stammtische, die bei ihm verkehren, hoffen jedoch inständig, er möge innerhalb Burladingens oder der Teilorte verbleiben. Gleichermaßen ist die Stadtverwaltung besorgt, ihn nach auswärts zu verlieren. Doch die Sorge der Verwaltung gilt im gleichen Maße der Zukunft des „Kesselhauses“.
In den Räumen der ehemaligen Werkskantine
Insofern ist das „Kesselhaus“ keine Traditionswirtschaft, als der Textilunternehmer Theo Dolinschek das Restaurant erst etablierte, nachdem er das Firmenareal der untergegangenen Heim-Textil-Gruppe ab 2001 übernommen hatte, um dort sein aufstrebendes Unternehmen anzusiedeln. Vor dem Umbau befand sich anstelle der heutigen Gaststätte die Werkskantine. 2016 gewann er Michael Roder als Pächter. Die Ära des Gastronomen, der sein Handwerk als Koch im bekannten „Hotel Lamm“ in Stein erlernte und später in hochrangigen Gastronomien im Ausland tätig war, war von Erfolg geprägt. Zum einen durch die Küche, zum anderen durch den Charme des Ambientes, zudem nicht zuletzt durch die günstige Lage an der Ringinger Straße (Ambrosius-Heim-Straße) mit den vielen Parkplätzen.