„Europäischer Tag der Jüdischen Kultur“ in Haigerloch: Von einem, der hinsah und handelte

Der Film „One Life“ über Sir Nicholas Winton (im Vordergrund Schriftführerin Mechthild Fingerle vom Synagogenverein Haigerloch) ist ein berührendes Zeugnis, wie ein einzelner Mensch durch Zivilcourage, Mut und Mitgefühl die Welt verändern kann.
Wilfried Selinka- Haigerloch: Synagogenverein beteiligt sich am „Europäischen Tag der Jüdischen Kultur“.
- Rundgang durch das frühere jüdische Viertel „Haag“ mit Fokus auf historische Gebäude.
- Film „One Life“ thematisiert Nicholas Wintons Rettung von 669 jüdischen Kindern 1939.
- Winton organisierte Transporte, Visa und Pflegefamilien – eine der größten Rettungsaktionen.
- Jahrzehntelang sprach Winton kaum über sein Engagement, das erst in den 1980er-Jahren bekannt wurde.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Verein „Gesprächskreis Ehemalige Synagoge Haigerloch“ beteiligte sich auch in diesem Jahr am international begangenen „Europäischen Tag der Jüdischen Kultur“. Am Sonntagnachmittag führte der Vereinsvorsitzende Helmut Opferkuch an der jüdischen Geschichte Haigerlochs Interessierte durch das ehemalige jüdische Viertel „Haag“.
Held im Verborgenen
Der Rundgang begann vor dem ehemaligen Synagogengebäude in Mitte des Viertels. Opferkuch verstand es über die verschiedenen früheren jüdischen Gebäude viel Informatives und Wissenswertes zu erzählen. Dazu gehörten beispielsweise das ehemalige Rabbinatsgebäude mit Schule, Lehrer- und Rabbinerwohnung, das ehemalige Gasthaus Rose als Begegnungsort für Juden und Nichtjuden und die Mikwe, das jüdische Ritualbad, sowie abschließend ein Besuch in der Dauerausstellung „Spurensicherung: Jüdisches leben in Hohenzollern“.
Am späten Nachmittag stand die Filmvorführung „One Life – Ein Held im Verborgenen“ auf dem Programm, zu der Schriftführerin Mechthild Fingerle die Einführung gab. Der berührende Film des Regisseurs James Hawes stammt aus dem Jahr 2023 mit Anthony Hopkins in der Hauptrolle. Der Film erzählt die wahre Geschichte des britischen Börsenmaklers Nicholas Winton, der kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hunderte jüdische Kinder aus der Tschechoslowakei vor den Nazis rettete.
669 Kinder in Sicherheit gebracht
„Wenn etwas nicht unmöglich ist, dann muss es einen Weg geben“, so Sir Nicholas Winton, der Ende der 1930er-Jahre in die Tschechoslowakei mitten in das dortige Flüchtlingselend reiste. Er sah jüdische Familien, die vor der drohenden Verfolgung durch die Nationalsozialisten flohen, und verstand schnell, dass dies für viele jüdischen Kinder eine Lebensgefahr bedeutete.
Statt wegzusehen, begann er zu handeln, innerhalb weniger Monate organisierte Winton ein Netzwerk von Helferinnen und Helfern, beschaffte Visa, fand Pflegefamilien in England und finanzierte Transporte. Mit unermüdlichem Einsatz gelang es ihm, 669 Kinder aus der Tschechoslowakei mit Zugtransporten in Sicherheit zu bringen, eine der größten privaten Rettungsaktionen jener Zeit.
Bemerkenswert ist, dass Winton jahrzehntelang kaum darüber sprach. Selbst seine Familie erfuhr erst in den 1980er-Jahren von seinem Engagement, als alte Unterlagen zufällig entdeckt wurden. Der bewegende Moment, als Winton 1988 in der BBC-Sendung „That‘s Live“ plötzlich Überlebenden gegenüberstand, gehört zu den ergreifenden Szenen der Zeitgeschichte. Winton selbst sagte: „Ich sah, dass etwas getan werden musste. Es war keine Frage, ob ich es tun wollte“, eine Einstellung, die heute genauso aktuell ist wie vor fast 90 Jahren.
