Dürre-Drama in Burladingen: Fische ersticken und Diebe stehlen nachts Wasser aus der Fehla

Da kommt nicht mehr viel aus der Röhre. Zu wenig, um den Fischteich des Bio-Betriebes Pfister mit ausreichend Frischwasser – und damit Sauerstoff – befüllen zu können. Martin Pfister hat die Notbremse gezogen und seinen Teich abgefischt. Mit ihm auf dem Bild die Söhne Moritz und Paul.
Matthias Badura- Extreme Trockenheit lässt Bäche und Teiche um Burladingen austrocknen – Sauerstoff fehlt.
- Bio-Pfister fischte seinen Teich ab, da der Schwarze Brunnen kaum Wasser liefert.
- In der Fehla gibt es streckenweise kein Wasser mehr, viele Fische verendeten.
- Biberstaudämme und Müll stauen und erwärmen das Wasser zusätzlich, sagen Fischer.
- Gauselfingen stellte ein Rathaus-Brünnele ab, weil nachts Wasser in Kanistern entnommen wurde.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Im Fischteich des Betriebes Bio-Pfister oberhalb von Hausen, Stadtteil Burladingen (Zollernalbkreis), bewegt sich dieser Tage nicht viel. Nur ein, zwei Forellen erspäht man, die sich am Grund langsam fortbewegen. Wo sind all die anderen geblieben? „Ich habe schon vor ein paar Wochen den gesamten Bestand abgefischt“, erklärt Geschäftsführer Martin Pfister bei einer Inspektion des Teiches, bei dem wir ihn und seine beiden Söhne Paul und Moritz begleiteten. Pfister: „Das Risiko, dass sie verenden und kieloben treiben, war mir zu groß.“
Der Teich wird aus dem berühmten Schwarzen Brunnen gespeist. Und der gibt dieser Tage wenig frisch sprudelndes Wasser her. Das bedeutet: Es gelangt weniger Sauerstoff ins Wasser, die Tiere bekommen keine „Luft“. Zudem nimmt wegen der derzeit herrschenden Wärme der Algenbewuchs zu – selbst in dem Teich, der im Waldschatten liegt. Die massenhafte Vermehrung führt dann zu einer weiteren Abnahme des Sauerstoffvorrates im Wasser.
Zu wenig Wasser: „Es sollte das Dreifache sein“
Während des Gesprächs plätschert das Nass aus dem Schwarzen Brunnen fröhlich in den Teich. „Aber das ist überhaupt kein Vergleich zu dem, was normalerweise hier ankommt“, sagt Pfister. „Es ist einfach zu wenig. Es sollte das Doppelte und Dreifache sein.“
Zu gegebener Zeit wird er den Teich ablassen, auch um der Algen Herr zu werden, er wird ihn neu befüllen und wieder Bach- und Lachsforellen einsetzen. Eben dann, wenn die Trockenperiode vorüber ist; sobald es regnet und sich die Schüttung verstärkt. Ein wirtschaftlicher Schaden, meint der Bio-Landwirt und deutschlandweite Anbieter von Bio-Lebensmitteln abschließend, sei ihm durch das erzwungene Abfischen nicht entstanden. Schade sei das Ganze trotzdem.
Fehla ist stellenweise nicht mehr vorhanden
„Bitterböse“ sieht es an der Fehla und an der Lauchert aus. Dem Fehlaquelltopf in der Burladinger Josengasse würde man zunächst keinen Mangel ansehen. Erkennbar hat allerdings dort der Algenbewuchs ebenfalls zugenommen, wie ein Teppich bedeckt das Kraut die Bachoberfläche. Und sonst? Bereits wenige Meter später stößt man auf Trockenstellen. Und etwas weiter, Richtung Gauselfingen, ist über weite Strecken gar keine Fehla mehr vorhanden!

Heinrich Paliga deutet auf die Fehla zwischen Burladingen und Gauselfingen – die es derzeit nicht mehr gibt.
PrivatfotoHeinrich Paliga, der Vorsitzende der Sportfischergemeinschaft Gauselfingen, begeht das Gewässer dieser Tage regelmäßig auf der Pachtstrecke zwischen Burladingen und Gauselfingen. Wie er berichtet, habe er auf seinen Touren vor zwei Wochen etliche verendete Fische eingesammelt. Jetzt finde er keine mehr. „Die schnappt sich nachts der Fuchs und die anderen holt der Fischreiher.“ Nur ganz vereinzelt habe er zuletzt in Wasserlöchern (Gumpen) noch größere, lebende Schuppentiere gesehen. „Aber die kippen um“, so formuliert der Vorsitzende deren Überlebenschancen. Auch hier: Sauerstoffmangel.
Biber sind ein zusätzliches Problem
Ein Dorn im Auge sind Paliga von jeher die Biber an der Fehla. „Die bauen Dämme, da staut und erwärmt sich das Wasser zusätzlich.“ Seine Klagen bei den zuständigen Behörden blieben erfolglos. Biber stehen unter Naturschutz. Man darf sie nicht jagen und nicht vergrämen. Weiter sei da der Müll, der in die Fehla geworfen werde. Keine allzu großen Mengen, doch Plastikflaschen und andere stauen sich an bestimmten Punkten und mit ihnen das Wasser, wodurch wiederum die Temperatur zunimmt.
Die Gauselfinger Fischer übernahmen bereits vor vielen Jahren eine Bachpatenschaft für die Fehla und verfolgten seither das Ziel, sie zu renaturieren. Die Lebewesen in ihr sollen sich auf natürliche Weise vermehren. „Aber wenn es so weitergeht, dann stirbt der Bach“, orakelt Paliga.
Das Bild an der Lauchert in Stetten bietet sich ähnlich dar. Oberhalb des Angers in der Dorfmitte können Kinder derzeit am Spielplatz noch planschen. Oberhalb gleicht der Bachlauf einem verwilderten Wiesenpfad. Wir konnten dieser Tage keinen Vertreter des Angelvereins erreichen, aber es dürfte noch gelten, was Mitglied Tobias Fritz bei einer Trockenperiode im Jahr 2022 sagte. Im Frühjahr hatte der Verein 30 Kilogramm Jungforellen eingesetzt. Der Großteil und ebenso der vorhandene „Altbestand“ überlebte die Trockenheit und den Sauerstoffmangel nicht. „Es ist ein Totalschaden“, so Fritz damals. In seiner Jugend habe er ebenfalls Trockenperioden und Fischsterben erlebt; jedoch nicht so schlimm und regelmäßig wie heute. Der Verein stehe vor der Entscheidung, ob er überhaupt noch Fische einsetzen soll. So Fritz vor vier Jahren.
Nachts wird Wasser geklaut
Nochmals zurück an die Fehla und nach Gauselfingen. Hier traf Ortsvorsteherin Silivia Roos dieser Tage eine klare Entscheidung. Sie ließ das aus der Fehla gespeiste Brünnele beim Rathaus abschalten. Nicht nur Einheimische, auch zahlreiche Auswärtige, selbst aus anderen Landkreisen, füllten dort Wasser in Kanister. Vorzugsweise nachts. Die Entnahme aus Flüssen und öffentlichen Quellen ist nach einem Aufruf des Landratsamtes in Balingen jedoch strikt verboten. „Ich habe sogar Fotos und hätte die Leute alle anzeigen können“, sagt Roos“, doch sie wollte, so die Ortsvorsteherin „keinen Krieg“ haben. Den Brunnen befristet stillzulegen, hielt sie für die einfachste Lösung. Die Leidtragenden sind die Kinder, die gerne an dem Brünnele spielen.
