AfD-Landesparteitag in Hechingen: Demos stoppen die Wütenden nicht


In Hechingen wurde rege gegen den AfD-Landesparteitag am 23. November demonstriert.
Bernd Weißbrod/dpaAus und vorbei. In der Hechinger Stadthalle gibt es jetzt keine überregionalen Parteiveranstaltungen mehr. Ein Gemeinderatsbeschluss hätte das Novemberdrama schnell noch verhindern sollen, aber er wurde viel zu spät gefasst, und überhaupt hatte die Stadt schon ihre Unterschrift unter den Vertrag mit der AfD gesetzt. Die Weichen hätten früher gestellt werden müssen, wenn man im Zollernstädtle seinen Frieden hätte haben wollen. Vorgewarnt war man schließlich: Die Rechtspartei hatte zu Jahresbeginn im „Museum“ schon einen sogenannten Bürgerdialog veranstaltet, und die AfD hat anschließend darauf gesetzt, dass sie auch mit ihrem Landesparteitag unterm Zollern landen kann. Was ihr am Ende gelungen ist, wenn auch unter Einbeziehung des Verwaltungsgerichts.
Man kann nur froh sein, dass die Szenarien, die es im Vorfeld gegeben hat, am Ende nicht eingetreten sind. Die enorme Polizeipräsenz, die erhebliche Kosten für die Allgemeinheit bedeutet, hat gewirkt. Und kurz vor Schluss ist ja auch die Oberstadt reichlich abgeriegelt worden. Im Rathaus hat man der Parole, dass alles übertrieben wird, selbst nicht mehr geglaubt und auf Vorsicht gesetzt.
Merklich weniger Menschen auf der Straße
Ein durchaus stattlicher Teil der Bevölkerung aus der Stadt, aber auch der Umgebung, hat den Obertorplatz zu Fuß angesteuert. Verglichen mit den Großdemos in diesem Januar und im Vorjahr, waren es allerdings merklich weniger Menschen, die jetzt gegen die AfD auf die Straße gingen. Viel waren es aber auf jeden Fall. So bleibt der Totensonntag 2025 in Hechingen immerhin nicht allein als Treffen der Rechtsaußen in Erinnerung, sondern als ein erneutes und starkes Zeichen dafür, dass man die Partei, die der Demokratie den Garaus machen würde, hier nicht haben will.
Einen bitteren Beigeschmack hinterlässt der 23. November trotzdem. Denn man muss bedenken, dass man auf dem Obertorplatz noch so viel Haltung zeigen und sich noch so sehr gegenseitig bestärken kann, aber den Aufwärtstrend der Rechten in den Wählerumfragen stoppt keine Demo, und sei sie noch so groß. Die Frustrierten und die Wütenden, die bei der AfD ihr Kreuzchen machen oder machen wollen, müssen anders gestoppt, im besten Fall überzeugt werden. Durch eine Politik, die funktioniert. Wenn man nach Berlin schaut, bekommt man aber das Fürchten. Grün-Schwarz hat in Stuttgart bislang eine durchaus akzeptable Arbeit abgeliefert. Trotzdem sind Kretschmanns Grüne derzeit nur dritte Wahl nach CDU und AfD. Argumente, wie sie in Hechingen geliefert wurden, wollen nicht gehört werden.
