AfD-Landesparteitag
: Hechingen macht gegen die AfD mobil, die Tübinger Antifa auch

Die Unterstützerliste für die Hechinger Anti-AfD-Kundgebung ist jetzt komplett. Jenseits davon mobilisiert auch die Tübinger Antifa bereits gegen den Parteitag der Rechtsaußen-Partei.
Von
Hardy Kromer
Hechingen
Jetzt in der App anhören
An der Fassade des Tübinger Epple-Hauses wird plakativ gegen den AfD-Landesparteitag in Hechingen Stellung bezogen.

An der Fassade des Tübinger Epple-Hauses wird plakativ gegen den AfD-Landesparteitag in Hechingen Stellung bezogen.

Hardy Kromer
  • In Hechingen protestiert ein breites Bündnis von 20 Organisationen gegen den AfD-Landesparteitag.
  • Die Tübinger Antifa mobilisiert ebenfalls gegen die Veranstaltung.
  • Am Sonntag, 23. November, findet eine Kundgebung um 13 Uhr auf dem Obertorplatz statt.
  • Polizei plant mit 500 Einsatzkräften den größten Polizeieinsatz in Hechingens Geschichte.
  • Aktionen: Infostand, Laternenumzug, Ausstellung und Sing-along am Samstag, 22. November.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Rein gefühlt ist es das Bildmotiv, das über das Wochenende in den sozialen Medien von den meisten Hechingerinnen und Hechingern geteilt wurde: Es zeigt das Epplehaus, ein selbstverwaltetes Jugend- und Kulturzentrum in der Tübinger Karlstraße, an dessen bunt besprühter Fassade drei große Transparente hängen. Die Botschaft darauf lautet: „Gegen den AfD-Parteitag am 23. November 25 in Hechingen!“ Der Code dahinter verrät die Urheberschaft: „161“ steht für „Antifaschistische Aktion“. Das Signal an die in Teilen rechtsextreme AfD ist klar: Die Tübinger Antifa hat den AfD-Landesparteitag, der am kommenden Sonntag in der Hechinger Stadthalle über die Bühne gehen soll und zu dem unter anderem die Bundesvorsitzende Alice Weidel erwartet wird, auf dem Zettel.

Massiver Polizeieinsatz erwartet

Mit Konfrontationen zwischen Links und Rechts rechnet auch die Polizei, weshalb ein massives Aufgebot an Kräften nach Hechingen entsandt wird. In Sicherheitskreisen wird von 500 Beamten gemunkelt, die am 23. November in die Zollernstadt entsandt werden sollen. Das wäre der größte Polizeieinsatz in der Hechinger Stadtgeschichte.

Dass die direkte Konfrontation ausbleibt und der Totensonntag in Hechingen friedlich über die Bühne geht, hofft niemand mehr als das breite „Hechinger Bündnis für Demokratie und Menschenrechte“, das den örtlichen Protest gegen den unerwünschten AfD-Parteitag organisiert. „Für Zusammenhalt, Respekt und Verantwortung – gegen Spaltung und Hass“ ist dessen Aktionswochenende überschrieben.

Das sind die 20 Unterstützer-Organisationen

Inzwischen ist die Zahl der Organisationen, die das Bündnis unterstützen, auf 20 angewachsen. Den „Hechinger Aufruf“ im Vorfeld des AfD-Landesparteitags haben unterzeichnet: die SPD, die Hechinger Bunte Liste, die Freien Wähler Hechingen, die Linke Sigmaringen/Zollernalb, der Arbeitskreis Asyl Hechingen, Amnesty International, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Verdi Zollernalb, der DGB Zollernalb, der BUND Reutlingen/Alb, die Nabu-Gruppe Hechingen, die „Omas gegen rechts“, der Verein Alte Synagoge Hechingen, der Verein Lichtstube e.V., „Kinder brauchen Frieden“, die katholische Seelsorgeeinheit Hechingen St. Luzius, der Verein Gedenkstätten KZ Bisingen, die antifaschistische Alboffensive, der Verein „yidishland“ und die Gemeinschaftsanlagen Hechingen GbR.

Der „Hechinger Aufruf“ des Bündnisses

Den „Hechinger Aufruf für Zusammenhalt, Respekt und Verantwortung! Gegen Spaltung und Hass!“ dokumentieren wir hier im Wortlaut:
„Am 23. November hält die AfD in der Stadthalle Museum in Hechingen ihren Landesparteitag ab – mitten in unserer Stadt, mitten in unserer Demokratie, die sie selbst infrage stellt. Die selbsternannte ,Alternative für Deutschland' ist keine Alternative, sondern ein Angriff auf unsere freiheitlich-demokratischen Grundwerte. Wir, das Hechinger Bündnis für Demokratie und Menschenrechte, rufen auf zur Kundgebung für Zusammenhalt, Respekt und Verantwortung – gegen Spaltung und Hass!

Was bedeutet die Umsetzung der AfD-Politik in den vielfältigen Bereichen unseres Zusammenlebens, und für was stehen wir?

Demokratie und Miteinander: Die Politik der AfD zielt auf Spaltung, Misstrauen und Angst. Sie diffamiert Medien, stellt Justiz und Parlamente infrage und will unsere Demokratie von innen schwächen. Wir stehen für Vertrauen, Meinungsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit und ein respektvolles Miteinander.

Menschlichkeit und Asylrecht: Die AfD steht für Abschottung und Abschiebung. Ihre ,Remigrationspläne' sind staatlich organisierte Menschenverachtung. Wir stehen für Humanität, Integration und das Grundrecht auf Asyl. Kein Mensch wird ausgegrenzt oder vertrieben – nie wieder!

Erinnerung und Verantwortung: Mit zynischer Geschichtsvergessenheit nennt ihr Ehrenvorsitzender die NS-Zeit einen ,Vogelschiss'. Wir sagen: Erinnerung ist keine Last, sondern das Fundament unserer Demokratie.

Europa und Gerechtigkeit: Die AfD ist nationalistisch und anti-europäisch. Ein ,Euro-Austritt' würde Wohlstand und Arbeitsplätze gefährden. Wir stehen für ein starkes, solidarisches Europa – für Frieden, Freiheit und soziale Gerechtigkeit.
Wirtschaft und Arbeit: Die AfD will Steuern für Reiche senken und Arbeitnehmerrechte schwächen. Sie ist zugleich unternehmerfeindlich, denn sie verschärft durch Ausgrenzung den Fachkräftemangel. Wir stehen für gute Löhne, soziale Sicherheit und ein offenes, solidarisches Land.

Vielfalt und Gleichberechtigung: Die AfD propagiert völkisches Denken, Rassismus und Nationalismus, lehnt Gleichstellung und queere Lebensweisen ab. Wir stehen für Vielfalt, Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und Liebe in all ihren Formen.

Klimaschutz und Zukunft: Die AfD ist wissenschaftsfeindlich, leugnet den menschengemachten Klimawandel und fordert das Ende der Klimaschutzpolitik. Damit kündigt sie die Generationengerechtigkeit auf. Wir kämpfen für konsequenten Klimaschutz, nachhaltige Energie und Gerechtigkeit zwischen den Generationen.

Religion und Zusammenleben: Unter dem Vorwand, das Christentum zu verteidigen, hetzt die AfD gegen den Islam und Menschen muslimischen Glaubens – und damit gegen das Grundrecht der Religionsfreiheit. Wir stehen für Glaubensfreiheit, Respekt, kulturelle Vielfalt und Solidarität.

Daher: Hechingen zeigt Gesicht! Hechingen bewegt sich! Friedlich, bunt und entschlossen – gegen die AfD und für eine offene, solidarische Gesellschaft!“

Kundgebung am Sonntag um 13 Uhr

Die Kundgebung des Bündnisses gegen den AfD-Parteitag findet am Sonntag, 23. November, um 13 Uhr auf dem Obertorplatz statt. Schon um 10.30 Uhr rufen die Linke und die Alboffensive zur Kundgebung auf. Bereits am Samstag, 22. November, gibt es ab 16 Uhr einen Infostand, um 18 Uhr einen Laternenumzug durch die Veranstaltung „Hechingen im Lichterglanz“, um 19 Uhr eine Ausstellungseröffnung über Geflüchtetenschicksale und um 20 Uhr einen Sing-along-Abend im Refugio.