40 Jahre Alte Synagoge Hechingen: Streit ums Jubiläumsbuch – Trägerverein distanziert sich von Kritik an Adolf Vees

40 Jahre ist es her, seit die Alte Synagoge von Hechingen als Kultur- und Gedenkstätte wiedereröffnet wurde. Das Buch über die Rettung sorgt jetzt für Irritationen.
Klaus Stopper- Zum 40-jährigen Jubiläum der Alten Synagoge Hechingen sorgt eine Buch-Neuauflage für Streit.
- Im Nachwort kritisiert Waldemar Luckscheiter den Lokalhistoriker Adolf Vees wegen angeblicher Umschreibung.
- Vees verweist auf seinen Beitrag: Er fand überlebende Hechinger Juden und ermöglichte Einladungen 1986.
- Der Trägerverein distanziert sich vom Nachwort – Fokus soll auf zukunftsgerichteter Erinnerungsarbeit liegen.
- Jubiläumsfestakt: Die Initiative feiert am Donnerstag, 19. November, ab 18 Uhr mit geladenen Gästen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Pünktlich zum 40-jährigen Jubiläum der Wiedereröffnung der Alten Synagoge Hechingen hat das Buch über die Rettung des ehemaligen jüdischen Gotteshauses der Zollernstadt als Kultur- und Gedenkstätte eine Neuauflage erfahren. Das Werk von Waldemar Luckscheiter und Manfred Stützle, erstmals 2009 erschienen, sticht aber nicht nur wegen etlicher neuer Kapitel ins Auge, sondern auch wegen des Nachworts, in dem der 89-jährige ehemalige Gymnasiallehrer Luckscheiter den gleichaltrigen ehemaligen Zahnarzt Dr. Adolf Vees angreift.
Vorwürfe gegen Vees
Der Vorwurf: Vees habe in den vergangenen Jahren in seinen eigenen lokalhistorischen Publikationen den Versuch unternommen, die Geschichte der Synagogen-Rettung „umzuschreiben“ und seine eigene Rolle dabei zu überhöhen. Vees sagte auf Nachfrage unserer Redaktion, er wolle sich „in diesen Händel nicht mehr einmischen“, rief aber seinen eigenen „bedeutenden Beitrag zum geistigen Wiederaufbau der Synagoge“ in Erinnerung, indem er überlebende Hechinger Juden in aller Welt aufgespürt und deren Einladung nach Hechingen im Jahr 1986 möglich gemacht habe.
Initiative distanziert sich
Bereits kurz nach der Veröffentlichung des Artikels „Neues Buch, alte Wunden“ meldeten sich Vertreter des Trägervereins Initiative Hechinger Synagoge e. V. in unserer Redaktion, um ihrer Überraschung und Verwunderung über das Wiederaufleben eines Streits aus längst vergangenen Zeiten Ausdruck zu verleihen. Inzwischen liegt eine ausführliche Stellungnahme vor, in der sich die Initiative von Luckscheiters Nachwort und der darin enthaltenen Kritik an Adolf Vees distanziert und die Bedeutung einer in die Zukunft gerichteten Erinnerungsarbeit betont. Wir dokumentieren sie hier im Wortlaut.
„Blick nach vorn“
Unter dem programmatischen Titel „Blick nach vorn“ schreibt Martina Frey für den Vorstand und Beirat der Initiative Hechinger Synagoge e. V.: „Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der Wiedereröffnung der Alten Synagoge Hechingen blickt der Trägerverein mit Stolz auf vier Jahrzehnte engagierter Gedenk-, Kultur- und Bildungsarbeit zurück. Dass zu diesem besonderen Meilenstein eine erweiterte Neuauflage des Standardwerks ,Die Rettung der Alten Synagoge Hechingen' von Waldemar Luckscheiter und Manfred Stützle erscheint, wird von unserem Verein begrüßt. Die Publikation unterstreicht die historische Bedeutung dieses Gedenkortes und würdigt das unermüdliche Engagement des aktiven, ehrenamtlichen Kreises.
„Bedauern wir außerordentlich“
Im Rahmen des Jubiläumsprogramms haben wir die Autoren daher zu einer Lesung eingeladen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Presseberichterstattung möchten wir jedoch eine wichtige Einordnung vornehmen: Vorstand und Beirat der Initiative Hechinger Synagoge e. V. lag im Vorfeld kein Leseexemplar der Neuauflage vor, sodass wir keinen Einblick in die redaktionellen Ergänzungen hatten. In diesem Zuge bedauern wir die inhaltliche Ausrichtung des Nachworts außerordentlich.
„Unglücklich und unangemessen“
Wir halten die Entscheidung der Autoren, darin einen langjährigen, persönlichen Konflikt mit dem verdienten Hechinger Lokalhistoriker und Bürgermedaillenträger Adolf Vees zu thematisieren, für unglücklich und unangemessen. Für unsere heutige, zukunftsorientierte Vereinsarbeit ist die Frage, wer in der Vergangenheit vermeintlich mehr für die Rettung der Synagoge geleistet hat, nicht zielführend. Darüber hinaus sind wir davon überzeugt, dass die Information über jahrzehntelang zurückliegende Konflikte für die Hechinger Stadtgesellschaft des Jahres 2026 von äußerst geringer Bedeutung ist.
Lebendiger Ort des Gedenkens
Im Rahmen des Jubiläums gilt unsere ungeteilte Würdigung allen damaligen Akteuren. Nur durch den gemeinsamen Einsatz beim Erwerb und der gelungenen Restaurierung konnte das Denkmal gerettet werden. Dieses breite zivilgesellschaftliche Engagement hat die Synagoge zu dem gemacht, was sie heute ist: ein lebendiger Ort des Gedenkens, der Begegnung, der Bildung und des offenen Dialogs.
„Gedenken ist mehr als der Blick zurück“
Gedenken bedeutet für uns weit mehr als der Blick zurück: Die Rettung der Alten Synagoge in der Vergangenheit ermöglicht uns Heutigen eine aktive Erinnerungsarbeit, für die wir uns auch in der Zukunft engagieren werden. Unsere Arbeit soll einen Beitrag zur Stärkung der Demokratie, zur politischen Bildung, zur historischen Informationsvermittlung und zum Einstehen für Toleranz und Menschlichkeit leisten.“
Festakt zum Jubiläum am 19. November
Das 40. Jubiläum der Wiedereröffnung der Alten Synagoge Hechingen feiert die Initiative am Donnerstag, 19. November, ab 18 Uhr mit geladenen Gästen.

