Allgaier in Uhingen: Insolvenzverwalter findet Investor für Allgaier Sachsen

Der Uhinger Standort von Allgaier. Für das Werk in Sachsen gibt es jetzt eine Lösung.
Giacinto CarlucciRechtsanwalt Heinz-Joachim Hombach von Pluta verkündet: Nach mehr als einjähriger Betriebsfortführung hat der Insolvenzverwalter eine Investorenlösung für die Allgaier Sachsen GmbH erzielt. Die Martin-Gruppe mit dem Hauptsitz im bayerischen Ebersdorf bei Coburg übernimmt den Geschäftsbetrieb des Automobilzulieferers sowie alle rund 100 Mitarbeiter im Rahmen einer übertragenden Sanierung. Allgaier Sachsen fertigt große Struktur- und Zusammenbauteile im Stahl- und Aluminiumbereich für Kunden aus der Automobilindustrie.
Die Verantwortlichen unterzeichneten den Kaufvertrag in der vergangenen Woche. Der wirtschaftliche Übergang erfolgt zum 1. November 2024. Die Transaktion beinhaltet auch den Verkauf von Patenten, die Fritz Zanker als Insolvenzverwalter der Holdinggesellschaft Allgaier Werke GmbH an den Investor veräußerte. Über die Details der Transaktionen wurde Stillschweigen vereinbart.
Familienunternehmen soll den Standort langfristig erhalten
"Mit der Martin-Gruppe hat Heinz-Joachim Hombach ein mittelständisches deutsches Familienunternehmen gefunden, das den Standort in Sachsen langfristig erhalten wird. Künftig wird der Betrieb unter der Marke Martin firmieren", teilt die Pluta Rechtsanwalts GmbH mit. Der strategische Investor setze damit seinen Expansionskurs fort und erweitere sein bestehendes Angebot um größere Karosseriestrukturteile aus Sachsen.
Das Werk im sächsischen Oelsnitz sei eines der jüngsten und modernsten Werke der Allgaier Gruppe und diene als Vorzeigewerk für den gesamten europäischen Raum, heißt es vom Insolvenzverwalter weiter. Von hier würden zahlreiche Werke der Automobilindustrie im In- und Ausland mit Karosserieaußenhaut- und Strukturteilen sowie komplexen Baugruppen beliefert. Das Werk umfasse rund 12.000 Quadratmeter Produktions- und Logistikfläche und sei vor acht Jahren eröffnet worden.
Das Unternehmen Allgaier Sachsen GmbH befindet sich seit über einem Jahr in einem Insolvenzverfahren. Rechtsanwalt Hombach führte mit seinem Team den Geschäftsbetrieb 14 Monate erfolgreich fort und initiierte einen Investorenprozess, der nun erfolgreich abgeschlossen wurde.
"Großartige Nachricht für Mitarbeiter"
Heinz-Joachim Hombach sagt: „Dies ist eine großartige Nachricht für den Standort, die Mitarbeiter und die Kunden. Wir haben mit dem mittelständischen Familienunternehmen Martin den idealen Investor gefunden. Er wird den Standort in Sachsen weiterführen. Auch für die Gläubiger erzielen wir damit das bestmögliche Ergebnis. Ich bedanke mich bei den Mitarbeitern in Oelsnitz für ihren herausragenden Einsatz während des Verfahrens. Auch unseren Kunden bin ich außerordentlich dankbar, dass sie dem Unternehmen trotz aller Herausforderungen der Insolvenz die Treue gehalten haben.“
Das Amtsgericht Göppingen hatte am 22. Juni 2023 die vorläufige Insolvenzverwaltung über das Vermögen der operativ tätigen deutschen Allgaier-Gesellschaften angeordnet und den Sanierungsexperten Hombach zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Allgaier Sachsen GmbH bestellt. Im September 2023 wurde das Verfahren eröffnet und der Anwalt zum Verwalter bestellt. Für zwei andere Gesellschaften der Allgaier-Gruppe erzielte das Pluta-Team bereits Ende 2023 Lösungen. Insolvenzverwalter Michael Wahl veräußerte die Allgaier Process Technology GmbH an die Siebtechnik GmbH. Für die Mogensen GmbH & Co. KG erzielte Insolvenzverwalter Christian Heim ebenfalls eine Nachfolgelösung. Die Joest group übernahm den Betrieb sowie die Tochtergesellschaften in Schweden und Spanien. Im Juni 2024 veräußerte Insolvenzverwalter Fritz Zanker die mexikanische Tochtergesellschaft der Allgaier Werke GmbH an einen italienischen Investor.
Die Martin Gruppe sei ein global tätiger Spezialist für Metallumformung und langjähriger Player in der Automobilindustrie, teilt der Rechtsanwalt mit. Zur Unternehmensgruppe gehören die Martin Metallverarbeitung GmbH mit den Standorten in Ebersdorf-Kleingarnstadt und Rödental-Blumenrod sowie die Martin Stanz- und Umformtechnik GmbH mit Sitz in Parsberg und die MeTec UAB in Vilnius, Litauen.
Die Gruppe entwickelt und produziert Komponenten für die E-Mobilität, Schweiß- und Nietbaugruppen, Funktionsbaugruppen sowie Stanz- und Umformteile. Seit der Gründung im Jahr 1967 ist es ein inhabergeführtes und eigenfinanziertes Familienunternehmen. Unter der Leitung des geschäftsführenden Gesellschafters Peter Martin wuchs die Martin Gruppe kontinuierlich. Inzwischen arbeiten an den vier Standorten insgesamt 800 Mitarbeiter. Mit dem sächsischen Oelsnitz kommt nun ein fünfter Standort hinzu.
