Kinderbetreuung Böhmenkirch: Beiträge steigen – aber zunächst nur für ein Jahr

Im Gemeindekindergarten in Böhmenkirch läuft derzeit die Umstellung einer Regelgruppe auf eine Gruppe mit verlängerten Öffnungszeiten.
Rainer Lauschke- Böhmenkirch erhöht die Kindergartenbeiträge um 4,5 Prozent – vorerst nur für ein Jahr.
- Über eine weitere Anpassung im darauffolgenden Jahr will der Gemeinderat später entscheiden.
- Ab 1. September 2026 zahlen Familien je nach Kinderzahl 290, 226, 154 oder 51 Euro pro Monat.
- Begründung der Verwaltung: stark gestiegener Abmangel seit 2021 und Verweis auf Hilfsangebote.
- Platzangebot bleibt rechnerisch ausreichend, trotz Umbauten und Schließung von Wichtelland.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Steigende Elternbeiträge einerseits, eine stabile und verlässliche Betreuung andererseits: In der jüngsten Gemeinderatssitzung standen gleich zwei Themen aus der Kinderbetreuung auf der Tagesordnung, die es in sich hatten. Während die Bedarfsplanung für die Kindergärten der Gesamtgemeinde weitgehend zur Kenntnis genommen wurde, entzündete sich bei den Elternbeiträgen eine angeregte Debatte – jedoch mit versöhnlichem Ausgang, wie die Verwaltung auf Anfrage der GZ mitteilt.
Zwei Jahre in einem Rutsch
Ausgangspunkt war eine gemeinsame Empfehlung der kommunalen Spitzenverbände, der Kirchenleitungen und der kirchlichen Fachverbände in Baden-Württemberg, die Kindergartenbeiträge für die beiden kommenden Kindergartenjahre anzupassen – mit dem erklärten Ziel, den Kostendeckungsgrad landesweit auf 20 Prozent zu heben. Böhmenkirch liegt hier bislang bei rund 14 Prozent. Die Verwaltung schlug vor, dieser Empfehlung zu folgen und die Beiträge im Kindergartenjahr 2026/2027 um durchschnittlich 4,5 Prozent und im darauffolgenden Jahr 2027/2028 um weitere rund vier Prozent zu erhöhen – eine Zweijahreslösung, wie sie auch der Kindergartenausschuss mit Vertretern der katholischen Kirche bei seiner Sitzung im Juni bereits befürwortet hatte.
Im Gremium regte sich jedoch Widerstand gegen das Tempo der Erhöhung. Gemeinderat Florian Bulling brachte den Alternativantrag ein, die Beiträge in den kommenden zwei Jahren lediglich um 2,5 Prozent anzuheben – deutlich moderater als von der Verwaltung vorgeschlagen. Zur Abstimmung kam dieser Antrag jedoch nicht: Nach den Regeln der Geschäftsordnung wird bei mehreren Anträgen zunächst über den weitergehenden abgestimmt. Da der Verwaltungsvorschlag mit 4,5 Prozent die höhere Erhöhung vorsah, wurde über diesen zuerst abgestimmt.
Ja zur Erhöhung, aber nur für ein Jahr
Der Gemeinderat entschied sich letztlich für einen Kompromiss: Die vorgeschlagene Erhöhung um 4,5 Prozent wurde beschlossen – allerdings nur für das kommende Kindergartenjahr 2026/2027. Auf die zunächst vorgesehene zweite Erhöhungsstufe um weitere vier Prozent im Jahr 2027/2028 verzichtete das Gremium und behält sich vor, über die weitere Anpassung in einem Jahr nochmals zu beraten.
Damit zahlen Familien in Böhmenkirch ab dem 1. September 2026 etwas mehr: Für ein Kind aus einer Familie mit einem Kind steigt der Beitrag beispielsweise auf 290 Euro monatlich, bei zwei Kindern auf 226 Euro. Familien mit drei beziehungsweise vier und mehr Kindern zahlen aufgrund der Sozialstaffelung deutlich weniger – 154 beziehungsweise 51 Euro. Wie gewohnt bleibt der August beitragsfrei und bei krankheits- oder personalbedingten Schließungen oder verkürzten Öffnungszeiten greift weiterhin die geltende Rückerstattungsregelung.
Die Verwaltung hatte in der Sitzung eindringlich für ihren Vorschlag geworben. Bürgermeister Matthias Nägele zeigte auf, dass sich der Abmangel im Kindergarten seit dem Jahr 2021 bis heute von 860.000 Euro auf 1,6 Millionen Euro nahezu verdoppelt hat. Laut Nägele müsse deshalb verhindert werden, dass die Rechtsaufsichtsbehörde der Gemeinde eines Tages selbst Maßnahmen zur Haushaltssanierung vorschreibe – ein Szenario, das die kommunale Eigenständigkeit einschränken würde. Zugleich verwies man darauf, dass finanziell benachteiligte Familien weiterhin auf Unterstützungsangebote wie Wohngeld, Kinderzuschlag oder das Bildungs- und Teilhabepaket zurückgreifen könnten.
Ruhige See mit ein paar Untiefen
Deutlich unaufgeregter verlief die Debatte über die Bedarfsplanung der Kinderbetreuung, die der Gemeinderat lediglich zur Kenntnis nahm. Zum 1. September 2026 stehen in der Gesamtgemeinde 13 Kindergartengruppen und drei Krippengruppen mit insgesamt 243 Kindergarten- und 30 Krippenplätzen zur Verfügung – rechnerisch weiterhin ausreichend, wie die Verwaltung betonte.
Die Geburtenzahlen in der Gesamtgemeinde bewegen sich seit einigen Jahren auf niedrigerem, aber stabilem Niveau – von 70 Geburten im Jahr 2019 auf zuletzt 47 bis 53 Geburten pro Jahr. Die geburtenschwachen Jahrgänge schlagen sich nun in den Prognosen nieder, auch wenn Zuzug von Familien und mögliche Neubaugebiete bereits eingerechnet sind.
Zwei anstehende Veränderungen dürften die Betreuungslandschaft im kommenden Jahr zusätzlich prägen: Die Schließung des Wichtellandes und die parallele Neueröffnung einer Krippengruppe im katholischen Kindergarten St. Hippolyt stehen kurz bevor. Zudem läuft im Gemeindekindergarten in Böhmenkirch die Umstellung einer Regelgruppe auf eine Gruppe mit verlängerten Öffnungszeiten – die entsprechende Betriebserlaubnis beim Landesjugendamt wurde bereits beantragt und in Aussicht gestellt, steht aber noch aus. Auch der steigende Anteil an Integrationskindern mit erhöhtem Betreuungsbedarf beschäftigt die Verwaltung. Nach Ansicht von Gemeinderätin Simone Frank solle die Gemeinde für den ungedeckten Betreuungsaufwand finanziell in die Bresche springen. Dieses Thema werde in Kürze vertiefend aufgegriffen, versprach Bürgermeister Nägele.
