Wenn ein Teil eines Mobiles in Bewegung gerät, dann gerät das gesamte Mobile aus der Balance. Dieses Bild benutzt Karen Straubmüller, um deutlich zu machen, was in Familien passiert, in denen ein Kind oder ein Elternteil lebensbedrohlich erkrankt. Straubmüller ist leitende Koordinatorin beim Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst der Malteser im Landkreis Göppingen.
In dieser geschilderten Situation kann ein ehrenamtlicher Familienbegleiter oder eine ehrenamtliche Familienbegleiterin helfen – und zwar ab dem Moment der Diagnose. „Unsere Familienbegleiter lernen die Familie kennen und helfen individuell, so wie es die jeweilige Familie braucht“, berichtet Straubmüller.

Raum Geislingen

Hilfe, die der gesamten Familie gut tut

Das bedeutet, dass jemand da ist, der die vielen Fragen so gut wie möglich beantwortet, die auf Eltern und Kinder einstürmen. Das bedeutet, dass jemand mit den Geschwistern eines erkrankten Kindes etwas unternimmt, weil diese in einer pflegeintensiven Zeit vielleicht nicht genügend Beachtung bekommen. Dabei spielen Ehrenamtliche zum Beispiel mit dem erkrankten Kind oder lesen ihm vor. „Einfach, dass jemand da ist, der als stabiler Anker regelmäßig etwa einmal pro Woche kommt und im Alltag so hilft, dass es der ganzen Familie gut tut“, erklärt Karen Straubmüller. Pflege, fügt sie hinzu, gehöre jedoch nicht zum Angebot, dafür gebe es bei Bedarf den Pflegedienst.
28 solcher ehrenamtlichen Familienbegleiter gibt es aktuell im Landkreis Göppingen. Weil dieser Stamm erweitert werden soll, findet seit Oktober ein neuer Schulungskurs für zehn weitere Familienbegleiter statt. Zwei Männer und acht Frauen, alle zwischen 23 und 60 Jahre alt, haben sich um eine solche Fortbildung beworben. „Wir sind sehr dankbar, dass das Interesse an diesem doch sehr herausfordernden Ehrenamt so groß ist“, sagt Karen Straubmüller.

Ehrenamtliche schätzen etwas sinnvolles zu machen

Wie sie von den bisherigen ehrenamtlichen Mitarbeitern weiß, schätzen diese an der Aufgabe vor allem die Tatsache, dass sie in ihrer Freizeit etwas Sinnvolles machen, indem sie Familien unterstützen, die es im Alltag aktuell schwer haben. Aber auch, dass sie viel Wertschätzung und Dankbarkeit erfahren. „Die meisten sagen, sie kriegen viel mehr zurück als sie geben.“
Für die Teilnehmer ist der Kurs kostenlos, er wird allein auf Spendenbasis finanziert. Deshalb wandte sich der Kinder- und Jugendhospizdienst an die GEISLINGER ZEITUNG, um die GZ-Leser um deren Unterstützung im Rahmen der jährlichen Weihnachtsaktion „Gemeinsam geht’s besser“ zu bitten.
Die Qualifikation dauert insgesamt ein halbes Jahr. In der Zeit absolvieren die zehn Teilnehmer an vier Wochenenden, zwei einzelnen Tagen und an fünf Abendveranstaltungen in 120 Unterrichtseinheiten einen Grundkurs, eine Praxisphase in einer Einrichtung des Landkreises sowie einen Vertiefungskurs. „Wir geben ihnen das Rüstzeug für ihre Aufgabe, damit sie daraus schöpfen können“, sagt Straubmüller.

Die Arbeit beruht auf großem Vertrauen

Manchmal begleitet ein Familienbegleiter oder eine Familienbegleiterin eine Familie über Monate oder sogar Jahre. Weil das Miteinander auf großem Vertrauen basiert, ist immer nur ein Ehrenamtlicher für eine Familie zuständig. „Und damit wir unsere Mitarbeiter nicht überfordern, gibt es regelmäßig eine Supervision für alle und viele Einzel-Gespräche“, sagt Straubmüller. „Uns ist wichtig, dass auch die Begleiter gut begleitet sind.“

Infos zum Kinder- und Jugendhospizdienst

Seit zwölf Jahren gibt es den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst der Malteser im Kreis Göppingen. In dieser Zeit hat er mehr als 200 Familien begleitet, in denen ein Familienmitglied lebensbedrohlich oder lebensbegrenzend erkrankt oder ein Mitglied verstorben ist. Aktuell begleitet die Institution 19 Familien im Landkreis. Dafür werden regelmäßig Ehrenamtliche ausgebildet.
 Darüber hinaus bietet der Kinder- und Jugendhospizdienst eine Kindertrauergruppe, eine Jugendtrauergruppe sowie eine Trauergruppe für jung verwitwete Mütter und Väter, in deren Haushalt Kinder leben.
Außerdem gibt es Einzelbegleitungen für trauernde Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.
Alle Angebote sind für Familien kostenfrei und unabhängig von Nationalität, Konfessions- oder Religionszugehörigkeit.
Bei Fragen: (07161) 9 32 32-28 oder E-Mail: kinderhospizdienst.goeppingen@malteser.org

Alles zur GZ-Weihnachtsaktion

Helfen Das Gelingen der GZ-Aktion ist  besonders von Ihrer Unterstützung abhängig. Sie können entscheiden, ob Sie für alle Projekte spenden oder für einzelne. Wir bitten alle Spender, das Geld coronabedingt direkt auf eines unserer beiden Spendenkonten zu überweisen: Kreissparkasse Göppingen IBAN: DE24 6105 0000 0006 0770 99 oder Volksbank Göppingen IBAN: DE14 6106 0500 0608 0000 00. Jeder Spender wird in der GEISLINGER ZEITUNG genannt und erhält auf Wunsch eine Spendenbescheinigung (bitte Adresse angeben). Sie können uns gerne ein Spendenfoto zuschicken, mit einer kurzen Information: An wen geht die Spende? Wie wurde die Spende eingesammelt? Wie viel Geld ist zusammengekommen? Wir werden Ihren Beitrag gerne in der GZ veröffentlichen.
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