Brand in Gerstetten
: Experten suchen nach Ursache – Firmenchef: "Alles ist Schrott"

Nach dem Großbrand in einem Holzbetrieb in Gussenstadt, einem Teilort von Gerstetten im Kreis Heidenheim, werden die fatalen Folgen immer deutlicher.
Von
Ulrich Bischoff,
Isabelle Jahn
Gerstetten
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Bei dem Brand in Gussenstadt kämpft die Feuerwehr gegen die Flammen und heftige Hitze an.

Bei dem Brand in Gussenstadt kämpft die Feuerwehr bei heftiger Hitze gegen die Flammen an.

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Blaulicht, Sirenen, überall Rauch – ein Flammenmeer! Die Feuerwehr war in der Nacht auf Sonntag (23.06.2024) in Gussenstadt, einem Teilort von Gerstetten im Landkreis Heidenheim, mit einem Großaufgebot im Einsatz. In einem holzverarbeitenden Betrieb war ein Brand ausgebrochen. Zeugen schlugen Alarm und berichteten schon von einem „Vollbrand“. Etwa um 2.10 Uhr hatte eine Anwohnerin Knallgeräusche gehört. Wie sie der Zeitung mitgeteilt hat, habe sie im Spiegelbild des Fensters ihrer Nachbarn einen Lichtschein gesehen: Nur 50 Meter Luftlinie von ihrem Haus entfernt brannte es auf dem Areal einer Gussenstadter Firma am Ortseingang von Waldhausen kommend. Als Feuerwehr und Polizeistreifen am Brandort eintrafen, hatten die Flammen schon auf sämtliche Gebäude der dazugehörigen Firma übergegriffen.

Brand auf Gelände von Holz–Betrieb in Gerstetten

Die Feuerwehr löscht mit zahlreichen Einsatzkräften einen Brand bei einem Holzbetrieb in Gerstetten (Kreis Heidenheim), der in der Nacht zu Sonntag ausbrach.

Marius Bulling/onw-images/dpa

Und das Feuer loderte über viele Stunden: „Es brennt immer noch“, berichtet eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Ulm am frühen Sonntagmorgen auf Nachfrage. Feuerwehren aus der ganzen Region – aus Gerstetten, Gussenstadt, Heldenfingen, Heuchlingen, Dettingen und Heidenheim – kämpften gegen das Flammeninferno.

Riesige Rauchwolken – Warnung an Anwohner

Die Rauchwolken waren kilometerweit zu sehen, über die bundesweite Warn-App NINA wurden Anwohner dazu aufgerufen, Fenster und Türen zu schließen.

Während die Löscharbeiten noch liefen, deutete sich schon das verheerende Ausmaß an: Der Schaden wird derzeit laut Polizei auf 4,8 Millionen Euro geschätzt. Ein Bürogebäude und eine alte Fabrikhalle wurden durch das Feuer zerstört. Zwei weitere Lagerhallen wurden durch das Feuer so verschlungen, dass sie einstürzten. Glücklicherweise wurde niemand verletzt.

Besitzer des abgebrannten Holzzentrums: "Alles ist Schrott"

Doch für die Firma mit den 15 Angestellten hat der Brand fatale Folgen: Der Betrieb sei seine Rentenabsicherung gewesen, sagt der Besitzer des Holzzentrums, Thomas Walcher. Dabei verwies er auf die teuren Geräte, die in der Halle standen. Jetzt sei „alles Schrott“.

Experten suchen jetzt in den Trümmern der Lagerhalle nach dem Grund für das Feuer. „Das Gebäude in Gerstetten ist beschlagnahmt worden, nun suchen dort Brandermittler nach der Ursache“, sagte ein Polizeisprecher am Montagmorgen. Die Ermittlungen führt die Polizei Giengen an der Brenz.

Nach Einschätzung des Gussenstadter Abteilungskommandanten brannte die ehemalige Abbindehalle einer Zimmerei nieder. Das Feuer, so vermutet Jonas Mauthner, habe auf das angemietete Gebäude der Firma Binder übergegriffen und den Großbrand ausgelöst.

Brand in Gerstetten 23.6.2024 - Feuerwehrleute halten Löschschläuche in die Flammen einer brennenden Zimmerei. Bei einem Großbrand in der Nacht bei Gerstetten im Landkreis Heidenheim waren die Einsatzkräfte stark gefordert.

Kampf gegen die Flammen: Bei dem Großbrand in Gerstetten im Landkreis Heidenheim sind die Einsatzkräfte stark gefordert.

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Feuerwehrkommandant: Hitze des Feuers strahlt weit aus

Der stellvertretende Kommandant der Gerstetter Feuerwehr, Marc Zimmermann, schätzt, dass zwischen 120 und 150 Feuerwehrleute eingesetzt wurden. Der Gedanke, eines der beiden im Vollbrand stehenden Gebäude retten zu wollen, schied von vorneherein aus. Die Hitzestrahlung sei selbst noch in einiger Entfernung spürbar gewesen. Letztlich gelang es den Wehren nach wohlüberlegten Löschangriffen das Bürogebäude und die ehemalige Zimmerei am Rande des Brandherdes zu retten.

Zuvor wurde die Gussenstadter Bevölkerung aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Auch der Ascheregen, der über Häuser und Gärten niederging, hätte durch Funkenflug gefährlich werden können. Gussenstadts Ortsvorsteher Werner Häcker ließ daher Teile der benachbarten Straßen freikehren. Den ganzen Sonntag über waren drei Bagger damit beschäftigt, die aufragenden Trümmerteile abzureißen.

Mit Informationen der dpa.