Straßennamen in Gaildorf und ihre Bedeutung: Zwei Grafen, die die Stadtentwicklung bis heute prägen

Gottfried Wilhelm Maximilian Erbgraf von Pückler-Limpurg ist Namensgeber der Graf-Pückler-Straße in Gaildorf.
Archiv/Verena Köger- Zwei Straßen in Gaildorf tragen Grafennamen: Graf-Bentinck-Straße und Graf-Pückler-Straße.
- Graf von Bentinck prägte die Stadt: Verkäufe von Schlössern ermöglichten Schule und Wohnungsbau.
- Erbgraf von Pückler-Limpurg förderte Kirche, war Gegner des Nationalsozialismus und blieb im Rat.
- Stiftung der Familie ab 1950: Schenkungen ermöglichten Hallen, Sportplatz und soziale Einrichtungen.
- Gebäude heute: Gräfin-Adele-Kindergarten und Kirchliche Sozialstation in früheren gräflichen Bauten.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
In Gaildorf gibt es zwei Straßen, die je nach einem Grafen benannt sind: seit 1984 die Graf-Bentinck-Straße im Gaildorfer Westen, die im Halbkreis verläuft und jeweils in die Olgastraße mündet, und seit 1971 die Graf-Pückler-Straße, die Bahnhof- und Fraschstraße miteinander verbindet. Der württembergische Standesherr und Landtagsabgeordnete Wilhelm Friedrich Karl Heinrich Graf von Bentinck und Waldeck-Limpurg wurde am 22. Juni 1880 in London geboren. „Das Schloss Middachten bei Arnheim in Holland und Gaildorf als Sommersitz waren die Wohnsitze der Familie“, schreibt Hans König in seinem Sammelwerk „Gaildorfer Straßennamen – Ein Kapitel Heimatkunde“.
Der Graf habe regen Anteil am öffentlichen Leben in der Stadt Gaildorf genommen; 1943 verkaufte er seinen Anteil am Alten Schloss an die Stadt. „Sein Beitrag zur Bodenreform ermöglichte Wohnungsbau im Häusersbach und im Heimgarten.“ Mit dem Verkauf des Neuen Schlosses – dem heutigen Rathaus – und des Schlossparks im Jahr 1954 schuf der Graf die Voraussetzung für die „Entwicklung der Stadt zum schulischen Mittelpunkt“. Seine Erlaucht – die förmliche Anrede für den Hochadel – Wilhelm Friedrich Karl Heinrich Graf von Bentinck verstarb am 28. Dezember 1958 in Stuttgart und fand auf dem Gaildorfer Friedhof seine letzte Ruhestätte.
Gegner des Nationalsozialismus
Die Graf-Pückler-Straße ist benannt nach Gottfried Wilhelm Maximilian Erbgraf von Pückler-Limpurg, der am 20. April 1871 in Burgfarrnbach (Fürth) geboren wurde. „1902 übernahm er von seinem Vater die Gaildorfer Besitzungen“, schreibt Hans König. 1908 heiratete er die sechs Jahre jüngere Adele Louise Mathilde Jenny Helene Prinzessin zu Hohenlohe-Ingelfingen – an die Hochzeit erinnerte bis 1980 der eiserne Fußgängersteg über den Kocher.
„Dem Paar lag das kirchliche Leben sehr am Herzen und so ließen sie 1912 die damalige Kleinkinderschule in ein evangelisches Gemeindehaus umbauen.“ Heute ist in dem Gebäude in der
Fraschstraße der Gräfin-Adele-Kindergarten untergebracht. In den Jahren 1911 und 1912 wurde das Forsthaus in der Kernerstraße erbaut, das heute von der Kirchlichen Sozialstation Gaildorf genutzt wird.
„Der Graf war ein erklärter Gegner des Nationalsozialismus. Er stand treu und fest zu seiner evangelischen Kirche, die er in vielfältiger Weise wesentlich unterstützte“, so König. Von 1933 bis zu seinem Tod am 26. November 1957 gehörte der Erbgraf von Pückler-Limpurg dem Kirchengemeinderat an. Das Pückler'sche Schloss fiel am 20. April 1945, dem 74. Geburtstag des Grafen, durch Kriegshandlungen zum zweiten Mal nach 1868 den Flammen zum Opfer – „Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen; der Name des Herrn sei gelobt!“ Dieses Bibelwort ließ „die tiefe Gläubigkeit erkennen und tröstete in jenen schweren Tagen auch viele schwer betroffene Gaildorfer“, schreibt König.
Grundstein für Stadtentwicklung gelegt
An Weihnachten 1950 gründete die gräfliche Familie die Graf von Pückler und Limpurg'sche Wohltätigkeitsstiftung, die als Alleinerbin später den gesamten gräflichen Besitz übernahm. Mit der Schenkung des Lindengartens und der Rennwiese im Jahr 1952 an die Stadt legte der Graf „einen wesentlichen Grundstein zur Stadtentwicklung“.
Auf den Grundstücken entstanden die Hallen und der Sportplatz in der Stadtmitte. Die Stiftung hat beginnend 1968 mit dem Alten- und Pflegeheim, später ausgebaut und erweitert mit Pflegestift, dem Graf-Gottfried-Haus und dem Gräfin-Adele-Stift eine „segensreiche Einrichtung für das Limpurger Land geschaffen. Graf Gottfried war ein Wohltäter für Stadt und Kirche.“
Info In dem Buch „Gaildorfer Straßennamen – Ein Kapitel Heimatkunde“ von Hans König, veröffentlicht 2008 im Selbstverlag, befindet sich eine Übersicht mit Erläuterungen über alle Straßennamen von Gaildorf und seinen Teilorten.

