Straßennamen in Gaildorf und ihre Bedeutung: Die dunkle Vergangenheit der Silcherstraße

Friedrich Silcher und seine Frau im Jahr 1824.
Pusch- Gaildorfer Silcherstraße trug zwischen 1936 und 1945 den Namen Robert-Ley-Straße.
- Robert Ley löste 1933 Gewerkschaften auf und gründete DAF sowie „Kraft durch Freude“.
- Nach Kriegsende wurde die Straße 1945 nach dem Komponisten Philipp Friedrich Silcher benannt.
- Silcher veröffentlichte zwölf Hefte vierstimmiger Volkslieder, bis heute bei Männerchören beliebt.
- Unterrot hatte bis 1972 eine Silcherstraße – seit 1995 heißt sie Heinestraße.
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Die Gaildorfer Silcherstraße zweigt im Süden der Seestraße ab und führt gut 200 Meter gen Westen, ehe sie in einen Feldweg übergeht. Benannt wurde der Abschnitt 1945 nach dem am 27. Juni 1789 in Schnait geborenen Komponisten Philipp Friedrich Silcher. Dieser „förderte das volkstümliche Sing- und Chorwesen“, schreibt Hans König in seinem Sammelwerk „Gaildorfer Straßennamen – Ein Kapitel Heimatkunde“.
Zwölf Hefte vierstimmiger Volkslieder gab Silcher heraus, „die vor allem bei Männerchören bis heute gerne gesungen werden“. Zu seinen bekanntesten Titeln zählen unter anderem „Jetzt gang i an's Brünnele“, „Ännchen von Tharau“ und „In einem kühlen Grunde“. Silcher verstarb am 26. August 1860 im Alter von 71 Jahren in Tübingen, wo er ab 1817 Universitätsmusikdirektor gewesen war. Übrigens: Auch im Gaildorfer Ortsteil Unterrot gab es bis 1972 eine Silcherstraße. Seit 1995 heißt diese allerdings Heinestraße – benannt nach dem bekannten deutschen Dichter Heinrich Heine (1797-1856), dem „Wegbereiter des modernen Feuilletons“.
Spuren des Nationalsozialismus
Zwischen 1936 und 1945, zur Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland, hieß die heutige Silcherstraße in Gaildorf Robert-Ley-Straße. Robert Ley „löste 1933 im Auftrag Adolf Hitlers die Gewerkschaften auf und gründete die Deutsche Arbeiterfront sowie die Organisation ‚Kraft durch Freude‘“, schreibt Hans König. Ab 1934 war er Reichsorganisationsleiter der NSDAP. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Ley im Nürnberger Prozess als einer der 24 Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof angeklagt, beging vor Prozessbeginn allerdings Selbstmord.
Info In dem Buch „Gaildorfer Straßennamen – Ein Kapitel Heimatkunde“ von Hans König, veröffentlicht 2008 im Selbstverlag, befindet sich eine Übersicht mit Erläuterungen über alle Straßennamen von Gaildorf und seinen Teilorten.

